Der mit den Maschinen flüstert

Industrie-Seelsorger Christian

Christian saß gestern an unserem Küchentisch, an dem es meist wunderlich schöne Geschichten zu hören gibt.
Und natürlich gab es eine, die genau zu dem passt, was mir seit Wochen durch den Kopf geht.

Die Welt wird immer unverbindlicher... nein, nicht die Welt, sondern wir Menschen. Da draußen ist alles sehr verbindlich und wenn wir uns die Mühe machen, Zusammenhänge zu beobachten, sogar sehr logisch und (noch) immer halbwegs im Gleichgewicht.

Mir sind in letzter Zeit sehr viele Geschichten von unglaublicher Ignoranz im Miteinander begegnet, bei der sich niemand mehr die Mühe macht, den Menschen, der unmittelbar neben einem lebt, zu achten. Dass dabei manchmal sogar Menschenleben auf dem Spiel stehen, macht das Ganze unbeschreiblich schlimm.

Es gibt aber auch andere Erlebnisse... gottseidank.
Ich habe zum Beispiel kürzlich Lehrerinnen getroffen, die Kindern, die es entweder sehr schwer haben oder es sich und anderen machen, so viel Empathie entgegen bringen, wie man es bei derzeitigen Klassenstärken fast nicht mehr erwarten darf und mit den Eltern zusammen Wege gehen, die für diese Kinder auch machbar sind... egal, ob sie in ein gegebenes Konzept passen oder nicht. Mehr Mühe bedeutet für Sie nicht Arbeitsaufwand, sondern eher Chance darauf, die Kinder genau da abzuholen, wo sie stehen. (Da sind wir fast beim nächsten Thema... Inklusion... irgendwann muss dazu auch ein Beitrag her...)

Aber eigentlich ging es um den Maschinenflüsterer Christian, der mir mal wieder gezeigt hat, wie das Leben so richtig gut tun kann.
Christians Philosophie erklärt sich nämlich aus  seinem Namen... Christian ist der Industrieseelsorger.
Menschen, die seine Visitenkarte das erste Mal in der Hand halten, fragen sich nicht selten, was das Ganze soll  und sind sich nicht ganz sicher, ob sie das bekommen, was sie brauchen.
Nach einem jeden Auftrag ist aber klar, dass Sie mehr als das bekommen haben, nämlich zusätzlich eine Lektion über verantwortungsvolles Miteinander.

Wenn Christian (Spezialist für Fertigungs- und Automatisierungstechnik) gerufen wird (meist geht es da um große Summen Geld, wenn Maschinen im Produktionsprozess lange ausfallen), ist es entweder eilig, haben andere schon ohne Ergebnis Fehlersuche betrieben oder haben wie in diesem Fall vergessen, dass sehr teure Maschinen nicht wie Waschmaschinen verkauft werden sollten, deren Inbetriebnahme man sich mühsam im Internet zusammenstoppeln muss oder eben nach dem Suchprinzip verfährt... Sinnvoll wäre hier eine Verkaufsphilosophie, die das im Blick hat, was dem Kunden am besten tut.
Da es das selten gibt, trifft man dann imNotfall bestenfalls auf Menschen wie Christian, die den Rundumblick haben und alles Nötige ins Rollen bringen, unabhängig davon, ob es ihre Aufgabe wäre... einfach nur, weil es nötig ist, damit das Ganze funktioniert. Er denkt sich in komplexe Prozesse, bringt Menschen zusammen, agiert flexibel.

Und wenn er fertig ist, fragt niemand mehr, weshalb er der Industrieseelsorger ist...
Es gibt keinen besseren Begriff für das, was er tut.
Einfach, weil ihm am Herzen liegt, was er macht und wichtig ist und ihn dazu befähigt, sein Wissen und die Gegebenheiten so zusammenzubringen, dass die Dinge meist ein gutes Ende nehmen. Ich wünschte mir, das wäre wieder irgendwann mehr die Regel denn die Ausnahme.
(Naja... und die Flüsterei... die hat auch bei uns schon mehr als ein Maschinchen zum Weiterleben animiert. Kleine Fehlerchen, die mit Liebe gefunden wurden und uns normalerweise neue Geräte gebracht hätten... Lieben Dank, Christian.)

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