Erinnerungen

Was braucht der Mensch?

Viel, wenn man so deutsche Dachböden und Keller besichtigen würde...:) Unser aller Grundproblem: wir sammeln.
(Sammeln 2.0 findet dabei parallel und vermutlich noch viel intensiver in Form von Fotos auf den Smartphones (schau mal selbst und fragt eure Freunde, wieviele Fotodaten sie auf dem Handy mit sich herumtragen... ich habe gestaunt) statt.)

Fotos sind eigentlich nur ein Beispiel für viele andere Dinge, die unser Leben still und heimlich irgendwo vergraben begleiten.
Ich habe leider die Anzahl der Fotos, die entstehen, auch nicht recht im Griff, was mir gerade tausende zu sortierende beschert. Ebenso sieht es im Bücherregal aus, musste ich feststellen. (Vermutlich wusste mein Unterbewusstsein das und hat sich deshalb so lange davor gedrückt:))

Wieso tun wir das?
Erinnerungen über Erinnerungen dort, wo man Bücher vermuten mag. Natürlich waren es Bücher, aber enorm viele hatten nicht die Aufgabe, nochmals gelesen zu werden, sondern haben einfach nur noch an Zeiten erinnert... Studium, sogar Schule, Zeiten, in denen ich es cool fand, das Nasobem von Christian Morgenstern zitieren zu können, Reisen so weit, wie ich sie heute nicht mehr für notwendig halte, Kunstbände, Ausstellungskataloge, Fachbücher zu Jobs, die ich nicht mehr ausübe... Wenig davon brauche ich heute als Inspiration und eigentlich könnten sie weg.

Aber da beginnt das Dilemma... sie erinnern so schön. Die Frage ist, könnte ich mich nicht auch in Gesprächen einfach erinnern oder brauche ich Dinge dazu. Und vor allem... wie oft bekomme ich die in die Hand und erinnere mich wirklich?

Allein am Bücherregal zeigt sich, dass ich jetzt, was ich dann doch behalten will, aber eigentlich nicht genutzt wird, auf den Boden packe. Manchmal aus Wehmut, manchmal weil ich die Bücher, die Familienmitgliedern gehören, nicht einfach entsorgen kann (sie haben ja auch ihre Erinnerungen)...aber eines haben alle gemeinsam... ich werde sie sehr wahrscheinlich nicht mehr hervorholen. Und sollte ich eines davon suchen und mich ggf. erinnern, dass es mit auf dem Boden gelandet ist, wird es mir zu mühsam sein, es zu holen... weil nicht klar ist, in welcher der vier Kisten, weil es da gerade vielleicht Sommer und viel zu heiss oder Winter und viel zu eisig ist da oben.

Aber warum mache ich das dann doch und immer wieder???
Ehrlich gesagt glaube ich, dass es so ein ganz tief sitzendes Verständnis von Wert ist, der besonders bei Büchern doppelt schwer wiegt. Ich kann nicht alle Freunden aufdrücken, die sie auch nur nicht brauchen, aber die Papiertonne fällt schwer... Es scheint, als müsste ich mein Verständnis von Wert auf den Prüfstand packen und dann neu sehen, welche von den Dingen,  mit denen man sich umgibt, wirklich sein müssen. Und das gilt nicht nur für Fotos oder Bücher. Denn erinnern kann ich mich an Dinge, die in meinem Kopf sind... genaugenommen fehlt mir vielleicht eher die Zeit für Gespräche mit den Personen, mit denen ich etwas erlebt habe?

Was an Erinnerung in welcher Fom muss sein, besonders wenn man dann das gute Gefühl hat, mal wieder Luft zum Atmen... für das Hier und Jetzt zu haben, nur, weil man aussortiert hat?? Habt ihr nicht auch manchmal das Gefühl, Habseeligekeiten auf das zu reduzieren zu müssen, was in ein Wohnmobil passt und sofort spürt man die Freiheit, die das bringen würde??

Allerdings hat das Ganze neben all den Gedanken doch noch Gutes gehabt... Ich habe uralte Bücher von meiner Oma aus dem Regal gefischt. Abgestaubt entpuppte sich eines davon als Kochbuch von Lina Lindner:)

Ob der Name ausgedacht ist? Nicht lachen... ich denke, man hatte schon damals einen feinen Sinn für Marketing.
Das Dr. Oettker Backpulver  entstand nach dem Krieg nur, weil man die moderne Hausfrau erfand, die mit allerlei erleichternden Dingen ausgestatte wurde... so unter anderem mit der perfekten, gelingsicheren Menge Backpulver samt Rezept auf der Rückseite, mit dem jeder Kuchen gelang. Das Backpulver wurde damals mit Autos quer durch Deutschland gefahren, so wie heute Bäckerautos...  Und die moderne Hausfrau, die etwas auf sich hielt, benutzte neben der neueb Waschmaschine auch das Backpulver der Firma ihres Vertrauens.)

Das geht so bis heute... aktuell und natürlich wegen Weihnachten gibts fertige Dekormischungen... natürlich nicht nur Streusel, sondern hippe Mischungen mit salted Caramel, zweifarbig, mit Popcorn... Man könnte es auch selber machen, aber so ein fertiges, buntes Tütchen, das nur in heisses Wasser gelegt werden will... das Konzept funktioniert bis heute und immer wieder neu.

Mein Fund, ein Rezeptbuch (kochen & backen), altdeutsch natürlich und nur in Ruhe zu lesen, weil ich erst wieder reinkommen muss und viele der Wörter, Mengenangaben oder Zutaten gar nicht mehr geläufig sind...

Und noch viel spannender... schon damals hat man sich mit Kalorienangaben, Vitaminen und Nähwerten beschäftigt... kaum zu fassen. Was oft fehlt: Backzeiten, Temperaturen und natürlich Bilder. Einen Vorteil haben da die, die eh etwas freestyle backen, für alle anderen wird es ein Erlebnis der anderen Art. Es gibt Rezepte, die so modern sind, dass man sie aufjedem Backblog als neu verkaufen könnte, aber auch schlichte Versionen aus immer denselben Zutaten, so u.a. Aschkuchen in jeder erdenklichen Form... allerdings fast alle mit einem Hefeteig.

Ich habe es ohne viel Vorbereitung darauf ankommen lassen und gebacken: einen Apfelkuchen, den ich mal hier rezepttechnisch ins 21.Jahrhundert hole, der aber nach denselben Angaben gebacken ist, wie imBuch. Foto und Backzeiten gibts von mir.)

Die Basis bildet ein Blätterteig, den ich aus Zeitgründen  fertig gekauft genutzt habe. Das Rezept gibts allerdings auch bei Lina, dort als Butter- oder Blätterteig. Dazu irgendwann einmal später. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich vermutlich einen fluffigeren Teig wählen, vielleicht einen Biskuit oder Butterkuchenteig. Aber es ging ja um das originale Rezept, das wieselflink gemacht ist und wirklich schmeckt. Ich habe die Äpfel ganz fein gewürfelt, auch gerieben oder in dünnen Scheiben wird ein Schuh draus.

Und hier ist sie dann... eine Erinnerung aus meinem Bücherregal... gut, dass die die Ausrümpelaktion überlebt hat:)

Apfelkuchen mit Mandelguss

Vorbereitungszeit: 30 Minuten

Kochzeit: 15 Minuten

Gesamtzeit: 45 Minuten

Apfelkuchen mit Mandelguss

ZUTATEN

1 frischer Blätterteig (TK)

6 große Äpfel, geschält

100gr Zucker

8 Eier, getrennt

60gr Zucker

60gr geriebene Mandeln

Schale einer halben Zitrone

ZUBEREITUNG

Kuchenblech mit Blätterteig belegen

Äpfel in feine Scheiben schneiden und in 100gr Zucker wälzen

Äpfel als Kranz auf dem Teig auslegen

Eigelbe und Zucker schaumig schlagen

Mandeln und Zitronenschale unterheben

Eiweiße zu festem Schnee schlagen, alles vermischen und auf den Äpfeln verteilen

Kuchen bei 160°C Umluft für ca. 15 min backen, bis er schön goldgelb ist

am besten warm mit viel Sahne sofort aufessen!

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