Unterwegs im 7-Jahres-Takt

Manchmal trudeln sie ein... die Nachrichten von Menschen, von denen man wenig oft, aber sehr gern hört... einfach um zu wissen, dass es ihnen gut geht oder weil man neugierig ist, wohin der Weg sie führt. Erstaunlicherweise bewegt sich in unserem Freundeskreis relativ viel, oftmals habe ich das Gefühl, dass die Menschen, die am Küchentisch landen, bereits 100 sein müssten, um all das erlebt zu haben, was sie erlebt haben, eingeschlossen verrücktester beruflicher Wege, persönlicher Entscheidungen und sehr verschiedener Arten, seinen Alltag zu gestalten.
Manchmal fühlt es sich dann an, als hätte man verschiedene Menschen vor sich, aber eigentlich ist das alles nur das Resultat von Reife, dem Versuch des Annäherns an das, was man sein könnte, das, was einem Ruhe und Gelassenheit bringt. Vielleicht geht es am Ende nur darum: um Ruhe und das Gefühl des Ankommens.

Ob es dieses Ankommen wirklich gibt oder  auch nur eine Illusion ist... wer weiß. ich fürchte, es ist das, was in der Natur gut funktioniert... immer nur ein Status Quo. Also es funktioniert JETZT und HEUTE, aber morgen ist ein anderer Tag.
Mit anderen Menschen, anderen Ideen, anderen Herausforderungen. Und schon ist alles Schnee von gestern. Wohl dem, der mit Veränderungen umgehen kann und sie auch mag, sie positiv bewertet und sich nicht genervt davon fühlt, dass nichts ewigen Bestand hat.

Schwierig ist das Thema bei Beziehungen... auch da vermutet man es ja so, dass dieses Konzept auf Ewigkeit nicht immer so gute Idee ist... wobei ich denke, dass genau da die Version unserer Großeltern etwas für sich hatte. Man hat sich mit Veränderungen arrangiert, Beständiges aber auch erhalten und damit eine Art Hafen gehabt, der Halt gab. Heute regiert doch eher die Unsicherheit... auf jeder Ebene. Vielleicht sollten wir auch in unseren Beziehungen Raum für Entwicklung lassen, diesen Reifezeit geben, schauen, inwiefern sie für beide Seiten Sinn machen. Man ist ja nicht von ungefähr mit jemandem zusammen. Diese Topf-und-Deckel -Geschichte eben. Aber nichts läuft immer im Gleichklang...

Die grundlegende Frage ist, ob Veränderungen notwendiger Treibstoff sind oder Beständigkeit in vielerlei Hinsicht über lange Zeiten nicht erstrebenswerter wäre. Aber irgendwie wirbelt das Leben scheinbar gern alles durcheinander, macht eigene Regeln wie den 7Jahres-Rhythmus.

Alle 7 Jahre verändert sich etwas grundlegend, natürlich nicht mit Stichtagen wie Silvester, sondern allmählich. Man muss es eigentlich nur am eigenen Beispiel durchspielen. was hat man wann getan, welche Menschen traten in unsere Leben, welche Umstände veränderten sich und uns mit.
Warum gehen Kinder um das 7. Lebensjahr herum in die Schule, warum werden sie mit 14 konfirmiert oder haben Jugendweihe, gelten grob gesehen als erwachsen? Wer hat diese Punkte im Leben gesetzt? Sind sie einfach gewachsen, aber warum passen sie in den 7Jahres-Zyklus?

Wenn ich meinen eigenen betrachte, haben die 7 Jahre immer etwas mit mir gemacht, waren Dinge fertig gedacht oder gefühlt, andere an der Reihe und haben alles, was war, über den Haufen geworfen.
Aber auch wenn es scheinbar noch einmal zurück über Los ging, dann doch irgendwie vorwärts.

So ist es auch mit den Menschen, von denen man nur ab und an im Leben etwas hört.
Die anfangs erwähnte Nachricht von einer Freundin trudelte ins Mailpostfach und Gedanke 1 war, dass jetzt der Punkt gekommen ist, an dem ich mir kaum noch vorstellen kann, was sie tut, denkt und was sie bewegt. Ein komisches Gefühl, wenn es um jemanden geht, der einem nahe war. Aber so ist es, wenn die Zeit das Leben von Freunden vom eigenen entfernt.
Sie drehen ihre eigenen Runden, manchmal so weit von einem weg, dass man sie kaum noch fassen kann. Ich glaube, wir haben bereits einmal hier geschrieben vom Labyrinth.
Das ist das Bild dazu: ein riesiges Labyrinth auf einer Wiese... wenn zwei Menschen nur kurz zeitlich versetzt durch dieses Labyrinth laufen (wie so Entwicklung halt ist) und genaugenommen denselben Weg nehmen, entfernen sie sich voneinander oder nähern sich (verlieren sich auch manchmal fast aus dem Blick) an...
Zwei Freundinnen in den 70ern, die ein Leben mehr oder minder nah miteinander teilten, haben es einmal auf den Punkt gebracht... so ist das Leben...man ist sich nah oder fern und trotzdem kann man denselben Weg gehen, der ab und an nah aneinander und irgendwann auch wieder ganz zusammenführt.
Ich bin gespannt, was mein Leben so macht, an welcher Stelle sich herausstellt, wieviel mein Leben und das der Freundin, die ich gerade nicht so recht fassen kann ( ihr geht es mit mir ebenso), so doch gemeinsam hat.

Ansonsten drehen wir halt unsere Runden, es ist fast auch ein wenig wie Ebbe und Flut... der aufmerksame Betrachter merkt spätestens jetzt, dass die Natur viele solcher Rhythmen hat, die am Ende doch ein schönes Gleichmaß ergeben, aber Veränderung und Entwicklung trotzdem möglich machen.

Und was bleibt, ist die Gewissheit, dass sich Dinge richten... vermutlich immer so, wie es Sinn macht, wenn auch manchmal erst im Blick zurück. Und...dass alles immer anders sein kann, Veränderung zum Leben gehört und reicher macht, vielleicht das ist, worum es geht - Veränderungen anzunehmen und neugierig zu sein, sich zu verändern, Wege zu korrigieren, einen Umweg zu akzeptieren oder zu genießen, Überraschungen zu genießen, zu staunen, dankbar zu sein über die, die uns begleiten und zu vertrauen, dass alles, was sich verändert, irgendwie vorwärts bringt.

Und... Geduld zu haben. Mit uns und allen, die ebenso unterwegs sind wie wir selbst.

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