...tun können

Nein, kein Vortrag zur aktuellen Situation...

Und doch irgendwie.
Diese Nacht erreichte mich die Nachricht, die Vieles mal wieder ein kleines bißchen ins richtige Lot richtet... es passiert noch mehr da draussen. Vieles, von dem wir nicht wissen, was nicht geschrieben wird, keine Follower generiert, nicht gesagt wird, weil es nichtig erscheint und doch so wesentlich ist.

Shina, der Hund einer guten Bekannten ist gestorben, was sie vermutlich... gerade jetzt doppelt... in ein tiefes Loch stürzen lässt. Viele, die die drei in den letzten Jahren verfolgt haben (gottseidank gibt es noch Fajuk, den Kumpel von Shina) haben sehr bestürzt reagiert, besonders, weil sie wissen, was das mit einem macht.

Der eine oder andere Nicht-Hunde-Besitzer mag jetzt wegklicken wollen, aber das Ganze zeigt ein ganz anderes Problem: wir haben es schwer, Abschied zu nehmen. Ganz allgemein.
Und ich habe mich gefragt, warum das so ist und vermute, dass ganz am Ende das Gefühl steht, nichts mehr tun zu können. Nicht mehr da sein zu können, nichts mehr geraderücken zu dürfen, keine Entscheidung mehr treffen zu können, keine Liebe (in unserem Sinne) mehr geben zu können. Das ruft komplette Hilflosigkeit auf den Plan.

Vermutlich gibt es da nichts, was hilft. Nichts, außer loslassen und sich Zeit zu nehmen. Zeit, um herauszufinden, wie das geht... nichts zu entscheiden, nicht zu helfen, nichts geradezurücken oder einfach nur auszuhalten... und... nicht darunter zu leiden, dass es so ist. Vielleicht nehmen wir uns zu wichtig und glauben immer zu verstehen, wie etwas geht, aber immer wieder zeigt sich, dass genau in solchen Situationen, in denen wir hilflos sind, völlig Neues entstehen kann.

Ganz banal treffen wir ganz oft auf solche  Situationen, nehmen sie nur nicht so schwer, weil sie uns emotional einfach nicht so stark belasten, wie im oben beschriebenen Fall. Ich erinnere mich, eine zeitlang völlig hilflos vor einem Auto gestanden zu haben, das regelmässig seine Sicherungen durchbrennen ließ. Keiner wusste warum, es war nur einfach so und mein neuer Begleiter wurden Sätze von kunterbunten Sicherungssteckern, die mir wieder Halt gaben. Bis dahin hatte ich aber eine wochenlang andauernde Phase der Unsicherheit hinter mir, der Hilflosigkeit, nicht zu wissen, wann es wieder so sein würde. Wenn das Auto lief, musste es wenn möglich an bleiben oder nah an einem Berg zum Anrollen stehen. Das größte Problem: man muss ab und an tanken. Aber tanken mit Schlüssel im Zündschloss ging nicht und keine Tankstelle, die mir begegnet ist, ist etwas anderes als vollkommen eben. Halleluja. Was ich da, in völliger Hilflosigkeit, irgendwann völlig entnervt resignierend festgestellt habe war... es würde mir nichts anderes übrig bleiben, als das zu tun, was ich hasse... fremde Menschen ansprechen und um Hilfe bitten (da habe ich übrigens festgestellt, dass dünne Männer viel besser geeignet sind, kleine Autos anzuschieben, als scheinbar kräftige große), weil angeschoben werden musste.

Heute gehören solche Themen für mich überhaupt nicht mehr zur Kategorie Problem. Was das Gute daran war und mich am Ende der Hilflosigkeit ein ganzes Stück weitergebracht hat.

Ebenso in belastenderen Situationen wie der oben beschriebenen... ich kenne diese auch und habe das, was ich unbedingt geben wollte, aber nicht geben konnte, weil eben ein Tier nicht mehr da war, einem anderen gegeben, dass genau diesen Haufen Liebe brauchen konnte. Das hat den Schmerz nicht weggewischt, auch nicht wirklich kleiner gemacht, aber mich nicht mehr so extrem hilflos fühlen lassen. Und... es hat, Monate später, sich alles zu purem Glück verwandelt. Mit etwas Glück.

Was den Grundgedanke wachsen lässt... Hilflosigkeit hat einen Gegenspieler, der ihr mächtig zu schaffen macht, wenn man die Kraft dazu findet... das, was einen hilflos macht, lassen, wo es ist UND trotzdem einen Schritt machen... da, wo er eben möglich ist.

Ein Freund hat mir einmal etwas gesagt, was ich nie vergessen werde... ALLES WIRD GUT, WENN DU WAS TUST. Irgendwas geht immer: um Hilfe bitten, einen Umweg machen, kurz still halten, etwas für jemanden tun, der auch nichts tun kann...was auch immer.

Die Dinge kommen immer irgendwie wieder ins Gleichgewicht und was wir lernen müssten, ist Vertrauen zu haben, dass alles irgendwie einen Sinn ergibt, auch wenn wir den zunächst nicht sehen kann. Das ist übrigens alles andere als esoterisch, wenn man nur das eigene Leben im Rückblick betrachtet. Und... ein wenig tröstlich.
(Das ist ja auch so gemeint, dass nicht immer die Veränderung oder der Verlust das sind, was das Gute ist, sondern das, was daraus entstehen kann oder auch das, was das ins Leben gebracht hat, was man jetzt eintauschen muss gegen etwas anderes. Und... es heißt nicht, dass das leicht ist. Nur halt auch nicht ohne ein Fünkchen Zuversicht, auch wenn man die nicht immer gleich haben kann.)

Wie wunderbar zum Beispiel das ist, was uns gerade gleichzeitig einzuengen scheint, zeigen die Bilder... das war heute und neben eingeschränkt auch unglaublich friedlich und wunderbar. Das Leben hat wieder Luft.  Die Medaille hat eben immer zwei Seiten.Gottseidank.

Vielleicht heißt nichts tun können ja gleichzeitig auch: nichts tun müssen???

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × eins =