Zwischen den Jahren

Ganz unerwartet gleich morgens dann doch gleich das nächste Thema, das unbedingt hierher gehört.

Total verknallt war die erste Schlagzeile im ersten Newsletter, der sich heute in meine Mails geschlichen hatte.
Total verknallt ist der Startschuss für eine anstrengende Zeit in vielerlei Richtungen.

Die Zeit voller Herzenswärme, hunderter sozialer Projekte, Geschenkelieferungen und offener Herzen ist vorbei. Es bleiben die, die das das ganze Jahr über tun. Viele aber vergessen, dass gerade die Nachwehen des Weihnachtsfestes und die Ansprüche eines neuen Jahres (auch wenn die nur künstlich erzeugt werden, denn wie oft im Jahr wechselt ein Monat...) mit den "alles wird anders" Vorhaben dann doch viele auch mächtig unter Druck setzen. Nicht umsonst sind Weihnachten und Silvester Zeiten erhöhter Suizidraten.

Selten sehen wir klarer, dass wir keine Ahnung vom Menschen direkt neben uns haben (sehr unterhaltsam übrigens auch in einem gerade aktuellen Kinofilm... Das perfekte Geheimnis).
Ob durch Erwartungsdruck (ob selbstgemacht oder von anderen geliefert... egal) oder fehlendes Vertrauen werden Bilder voneinander gepflegt, die mit dem wahren Menschen nix zu tun haben und ich bin mir sicher, dass mindestens 70% aller Menschen nur einen Bruchteil dessen an die Öffentlichkeit (inklusive Familie/Freunde) tragen, was sie wirklich beschäftigt.

Der eine oder andere kann damit umgehen, andere zerbrechen daran. Und Silvester ist eine beliebte Zeit, den Druck steigen zu lassen. Also schaut euch um, vergesst die nicht, bei denen dieser Tag aus irgendeinem Anlass eine unschöne Tradition ist. Ein guter Zeitpunkt, die kleinen, leisen Dinge in Bewegung zu bringen. Jemandem wieder zu vertrauen, füreinander zu sorgen, auch mal ganz ohne Gegenleistung oder Bitte darum, nur für ein Dankeschön.

Und neben vielen Menschen haben auch Tiere eine sehr unschöne Zeit vor sich in dieser total verknallten Zeit.
Gerade für die, die im ländlichen Raum leben, sollte es ein Herzensbedürfnis sein, das zu schützen, was Leben auf dem Dorf ausmacht... die Tiere (abgesehen von unsäglichen Tonnen Müll, Rauch etc, die absolut unnötig sind).

Geschätzt hat mindestens jeder 3. Haushalt auf dem Dorf Tiere, selbst in der Stadt leben Millionen von Hunden, Katzen, Kaninchen etc... Wir sind eher bereit, unseren Tieren beruhigende Mittelchen zu verabreichen (hurra... eine neue Gelegenheit, Geld zu machen, die allerdings mehr schlecht als recht hilft), als zu verzichten.

Dass das diejenigen, die keine Tiere haben, aus den Augen verlieren, kann ich mir noch vorstellen, aber jeder, der Tierhalter ist und seine Tiere schon Tage vorher nicht mehr draußen haben mag, sollte doch mehr als genug Gründe haben, sich nicht mehr zu beteiligen. Bereits vor den Feiertagen (ich hätte es ja nicht geglaubt, aber am 1. Weihnachtsfeiertag sind unsere Hunde bereits panisch vor dem ersten privaten Feuerwerk geflüchtet und es gibt nicht wenige, die das nicht ins Innere des Hauses tun, sondern weglaufen.) bauen Suchdienste vor, geben erfahrene Pettrailer (Menschen, die mit Hunden entlaufene Tiere suchen) Hinweise, wie beim Entlaufen eines Tieres vorzugehen ist, haben TASSO und Co. voll zu tun.

Das alles ist vollkommen unnötig, vor allem auch in Zeiten, in denen uns bewusst ist, dass Umweltprobleme bei weitem nicht mit dem Stehenlassen des Autos zu lösen sind. Wenn wir alle das eine oder andere Luxusding weglassen, wäre verdammt viel geholfen... der Umwelt, den Tieren und vielleicht ja sogar dem einen oder anderen Gewissen. Und ganz sicher kommt man auch ohne Rakete gut ins neue Jahr, notfalls dann halt mit einer ruhigen Version des Ganzen.
Und vielleicht beginnt ja hier auch etwas, was das Miteinander ehrlicher macht... wenn jeder, der das hier ganz privat unterschreiben würde, die Menschen um ihn herum bitten würde, genau das zu bedenken... Es könnte so ein Schneeballeffekt daraus werden und gewinnen würden alle.

Und... egal, wie man diese total verknallten Tage handhabt, man könnte von der Vorhabenliste für das neue Jahr gleich eines als erledigt markieren:
etwas für jemanden gemacht zu haben, den man nicht kennt. Einfach so.

PS: Da fällt mir ein, dass Kerzengießen ohne Blei als Bastelversuch ja noch aussteht. Das kommt auf die to-do-Liste fürs Wochenende und ich werden berichten, ob Bleigießen mit Wachs auch als do it yourself funktionieren, denn Kerzen hat ja gerade wohl gerade jeder noch zuhause... Man wird sehen.

2 Kommentare

  1. Oh, der Artikel spricht mir direkt aus dem Herzen. Alle diskutieren über Klimawandel, Umweltbelastung usw. aber etwas tun sollen immer nur die Anderen. Ich habe für mich ganz persönlich festgestellt, dass zum Jahreswechsel 2019/2020 eher noch viel mehr geböllert wurde als die Jahre zuvor. Selbst im ländlichen Raum wurde dieses Jahr so heftig geknallt, dass der “Spaß” über zwei Stunden dauerte und das ist doch wohl mehr als unvernünftig, besonders weil dort so viele Tiere auch zuhause sind.
    Ich finde es einfach nur furchtbar.
    Da wird innerhalb kürzester Zeit eine Feinstaubwolke in die Luft geblasen, da hilft auch ein Verbot von Dieselfahrzeugen in bestimmten Regionen nichts. Es sind nur lächerliche “Beruhigungsaktionen” um zu tun als ob.
    Vielen Dank für den Artikel und ich freue mich, dass es doch noch Menschen gibt, die über den Tellerrand schauen und selbst etwas tun.

    1. Author

      Liebe Karin, das geht mir ähnlich… Ich dachte schon, ich sei der einzige Nörgler, aber ich finde, wir machen es uns einfach zu leicht, wenn wir uns darauf beschränken zu reden oder zu Demos zu gehen. Meine Oma hat immer gesagt…es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.
      Abschreckung ist ja IN und vielleicht hätte ein Video mit unseren verschreckten, zitternden Hunden unterm Tisch irgendwas in 3 Leuten bewegt, aber das Problem liegt vielmehr wirklich darin, dass wir mehr darüber nachdenken müssen, wie es dem links und rechts neben mir geht.Wenn das alle tun, wirds ein wunderbares Leben für alle. Mehr soll es eigentlich fast nie sagen, wenn wir hier mal nörgeln:))
      Danke für deine Worte!

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