Verhälnismäßig

Auf mehr Realitätssinn im Leben

Gerade sind neue Rezepte auf den Blog gewandert, die im Laufe der Woche erscheinen werden und beim Korrekturlesen ist schlichtweg klargeworden, dass es hier kein 100% richtig oder falsch gibt (zumal weder Doreen noch ich immer 100% an Vorgegebenem hängen).
Da ist der Ofen, der bei jedem anders tickt (... die aktuellen Rezepte sind noch dazu GRILLrezepte... das absolute Fiasko, weil hier noch ein paar Unbekannte hinzukommen...), dem einen sind schon 2 EL Zucker zuviel, aber er traut sich nicht, seine Freiheit zu nutzen und diese einfach zu reduzieren... der nächste hat keine Form mit genau 22cm Durchmesser (habt Ihr je ein Lineal genommen, um eine Kuchenfom zu messen???)...

Es gibt also nichts, woran ich mich messen könnte, ausser dem gesunden Menschenverstand.
Schaut euch allein das Beitragfoto an... den einen begeistert das Legere, der mag es, wenn die Kochform einfach so aussieht, wie sie aus dem Ofen kommt, der nächste würde schön a la Foodblog gestylte Bilder mit Schieferplatten, Blumenwiese und romantischem Oma-Geschirr erwarten und fragt sich, ob wir verrückt sind... Und gibt nur 3 Sterne, weil das alles doch recht lieblos ist.

Dass er es genauso aus dem Ofen holen wird, unser Omageschirr (wenn wir es denn nutzen würde) eh nicht hätte und es auch NUR darauf ankommt, dass das Rezept toll ist, vergisst sich schnell. Auch, dass er wahrscheinlich nicht genau weiß, ob im die Kombination der Zutataen wirklich gefallen wird, das Rezept gelingt und, und, und..

Und schon sind wir beim Grundproblem... wir nutzen ein riesiges Lager an Infos, Internet genannt, und können nicht damit umgehen.
Wir begreifen nicht, dass es trotzdem Menschen sind, die da Infos einpflegen, dass Internet nicht vergisst und auch Infos bereit hält, die schon Jahre alt sind.... dass Fremde Dinge zu bestimmten Sachverhalten hinterlassen dürfen, die mit der Wahrheit so wenig zu tun haben, dass man manchmal weinen könnte...

Es ist mein tägliches to do, Sinn und Unsinn von Aktionen im Internet im jeweiligen Zusammenhang zu beurteilen und Kunden nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten, aber eigentlich kann ich nur sagen, dass es keine Regeln gibt und ich gerade jetzt erst wieder froh bin, dass dieser Blog weitestgehend von Menschen gelesen wird, die es machen, wie wenn man zu einem Buch greift... wenn es mich interessiert, lese ich es, wenn nicht, lege ich es beiseite. Wie soll jemand etwas schreiben, herstellen, erdenken... und damit alle Menschen gleichzeitig glücklich machen?

Und was warum begreift niemand, dass beispielsweise auch Bewertungen im Internet nur weiterhelfen, wenn sie so sachlich wie nur möglich sind... Was nutzt es mir zu lesen, dass da jemand seine Kartoffelreibe zurückgegeben hat, weil sie zu groß für seine Küche ist, ein Essen nicht wie erwartet geschmeckt hat (weiß ich, was er erwartet hat?) oder ein Stück Kuchen zu groß oder klein war (mal ehrlich.... mein Freund lacht sich tot, wenn er meine Portion auf dem Teller hat und fragt, wann es endlich losgeht... hier mit zu groß oder klein zu agieren wäre der Diskusssion gleichzusetzen, ob nun Pekinesen oder Wolfshunde die RICHTIGEN Hunde wären...)

Warum versucht einhergehend mit der großen Freiheit, überall seine Meinungen zu hinterlassen, niemand mehr den Sinn seines Tuns zu prüfen... also ist es sachdienlich, was ich da berichte oder so individuell, dass jeder ein falsches Bild von der Sache bekommt... macht es Sinn, hier Persönliches zu schreiben oder sollte man die Zeit der anderen respektieren und sie nicht mit Meinungen über alles zumüllen... und nicht zuletzt: ist es respektvoll, was ich da tue und wenn ich wirklich etwas zu sagen habe und das Glück habe, ein Gegenüber vorzufinden... warum suche ich kein Gespräch?

Mir persönlich purzeln täglich so viele Dinge, die ich verarbeiten muss, auf den virtuellen Schreibtisch, dass es mir so viel Zeit meines Lebens klaut, die ich gar nicht habe. Ich habe keinen wirklichen Ansprechpartner, kann nicht relativieren, was richtig und falsch ist, sehe Dinge, die nur Show sind...

Und genau das ist es, was krank macht, weil es diese Welt Stück für Stück unfassbarer wird...

Also bitte versteht das, was wir hier schreiben, einfach als das, was es ist... ein tolles Rezept (ob es euch gelingt, weiß man nicht, auch wir haben sie vorher oft mehrmals gebacken), eine Idee, eine Anregung... nehmt es mit, wenn es euer Leben bereichert oder klickt einfach auf den Knopf, der euch ins wahre Leben zurückbringt und kuschelt mit eurem Hund, geht mit euren Kindern baden oder legt euch einfach mal in die Wiese und tut gar nix.


2 Kommentare

  1. Wunderbare ehrliche Worte voller romantischer Reinheit, liebe Elke. Das sind genau die Gedanken, welche mich oftmals stur begleiten und ich mühevoll versuche abzuschütteln, wie lästige Fliegen.
    Also geh ich baden mit den Kindern, versuch einen Kuchen im gepunkteten Wohlfühlhaus auf dem Gaskocher (mir ist tatsächlich schon ein Frankfurter Kranz ganz ohne Anleitung und Maßeinheit im Omnia-Ofen geglückt -bei 33Grad Außentemperatur), les ein Buch und leg es wieder weg, schließ meine Augen, genieß die schöne Nichtstunzeit und kuschel mit dem schwarzen Wollknäuel. Das ist Liebe. Und das ist Leben. Das ist Glück. Und das ist, was bleibt. Ich freu mich auf neue Ideen und Rezepte aus der Patisserie. Zum probieren, schmausen und glücklich sein.

    1. Author

      Liebe Conny… es ist Sommer… Ihr macht es richtig. Abschalten (im wahrsten Sinne des Wortes) und mit dem zurechtkommen, was man gerade hat. Grüße ins mobile Häuschen!

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