Von Novembernebel

und Hamsterrädern

Der November kostet seine Existenz gerade so richtig mit aller Macht aus.
Überleben kann man das Ganze eigentlich nur mit ständig nachgefüllter heisser Schokolade, einem vorvorfristigen Adventskerzenmeer oder ganz viel Optimismus.

Dachte ich.
Dabei hat er so seine versteckten Qualitäten, der November.  Abgesehen davon, dass er noch die eine oder andere letzte Blüte blühen lässt und vielen die Gelegenheit gibt, die letzten Früchte des Jahres einzusammeln, die Kühe nochmal halbwegs frisches Grün kauen zu lassen und durch das frühe Dunkel so langsam zur Ruhe zu kommen, zumindest in Thüringen ungestraft zu merken, dass noch keine Winterreifen drauf sind (wie immer eigentlich) oder die Mützen so gut verräumt sind, dass es doch wieder eine neue sein muss, die man sich so sogar fast zum Nikolaus wünschen kann... steckt einiges an Philosophischem drin, das die eine oder andere Lebensweisheit werden könnte.

Seid ihr in den letzten Tagen durch einen so dicken Nebel gefahren oder gelaufen, dass um euch rum erst wieder jemand war, als nur noch ein paar Meter Luft waren?

Alles ist voller Stille, nichts ist wirklich klar erkennbar und man muss wirklich genau hinsehen, wenn man sehen will...  Annahmen funktionieren nur noch leidlich. Will man unbeschadet vorwärts kommen, hilft nur die Konzentration auf den Moment, das, was gerade passiert. Was hinter einem liegt, ist egal, das, was vor einem kommt, kann alles sein.

Und dazwischen ist eigentlich nur Ruhe und weil man sich konzentrieren muss auf diese eine Sache...nämlich das vorwärtsbewegen, fühlt sich alles klar, leicht und ruhig an. Eigentlich eine coole Option für`s Leben?

Könnten wir fernab von unserem Abgelenktsein, unseren Zielen (die wir am Ende ohnehin auf einem ganz anderen Weg erreichen als geglaubt) und dem, was uns unsere Annahmen und scheinbaren Bedürfnisse vorgaukeln, recht stressfrei und entspannt leben? Schon allein zu realisieren, dass jede Entscheidung anderer um uns herum auch unser Leben beeinflussen kann, lässt die Vermutung zu, dass entspanntes Beobachten des Moments die klügere Lebenshaltung wäre? Manche nennen es loslassen... das, was so wenige von uns können.

Beim Laufen oder Fahren im Nebel bleibt uns nur, das zu nehmen, was kommt, weil es davor und dahinter nichts gibt, was  wir bewerten könnten und Optionen zuließe.

Und plötzlich, ohne tausend Optionen, ist es ein bisschen wie in der Kindheit, in der wir entdecken, spielen und träumen konnten, weil wir das  getan haben, wozu wir gerade eben Lust hatten und sich unsere Erwartungen vermutlich auf ein behütetes Zuhause, die Freunde, den nächsten Geburtstag (der ewig zu dauern schien) oder Weihnachten und natürlich die Ferien beschränkten... alles in allem recht zuverlässige Ankerpunkte... überschaubar.

Diese Ruhe, der man mitten in so einer Fahrt oder einem Spaziergang im Nebel begegnen kann, ist ein Schatz. Manche treffen auf sie, wenn sie sich im Flow befinden... ich denke, Sportlern wird es so gehen, Kreativen, Denkern... Die Dinge ergeben sich von allein, reihen sich im Selbstlauf logisch aneinander und man selbst ist voller Glück angesichts dieser Leichtigkeit.
Solange man in diesem Prozeß ungestört ist und einfach nur tut, was die Sache, der Moment erfordern.

Ich habe es bei jedem erlebt, den ich mit verbundenen Augen (natürlich gesichert) klettern sehen habe... Erwachsene, Kinder, Trainierte, Anfänger... Ohne Ablenkung und mit Wahrnehmung nur des Momentes, in dem es etwas zu erleben, zu entscheiden und tun gab... voller Ruhe (schnell ist keine Option), war das, was vorher schwer schien, zu bewältigen, meist leicht und mühelos machbar und führte zu Erstaunen über das, was geht und wirklicher Zufriedenheit, die von Dauer ist und an die man sich noch nach Jahren erinnern kann.

Und das ist es, was man bei einem Gang durch den Nebel lernen kann, wenn man sich die Zeit nimmt und versucht, den Nebel zu mögen mit all dem, was es zu finden und wahrzunehmen gibt.
Vielleicht macht dieser Versuch ja die nächsten nebligen Tage zu einem (Lebens)Experiment. Nur auf das konzentriert, was wir eben erleben, tun oder denken, hört vielleicht auch das eine oder andere Hamsterrad für ein paar Momente auf, sich zu drehen. Und das nur, weil der Nebel das Zuviel ganz einfach mal verschluckt und dem Raum gibt,worauf es ankommt im Moment:))

 

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