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Wie oft hat man sich das gewünscht, was nun seit einiger Zeit gilt... und das sogar gezwungenermaßen: zu Hause bleiben und all das weglassen, wofür sonst die Zeit so draufgeht.

Spätestens jetzt merkt der eine oder andere, dass die Medaille zwei Seiten hat, was nicht nur die schwierigen Themen Arbeitsplatz, Umgang miteinander, fehlender Kontakt zu Familienangehörigen... betrifft. Es trifft die nicht ganz so hart, die nach scheinbar überholten Lebenskonzepten leben, also Generationen unter einem Dach, moderate Ansprüche an externe Ablenkungen, Selbstversorgung in einigen Bereichen...

Und... leichter hat es der, der seinen Tag mit sich selbst füllen kann und das ggf. noch als Gewinn betrachten.
Spätestens diese Situation dürfte uns einiges klar werden lassen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob da die Hoffnungen nicht zu hoch gesetzt sind: es gibt viele Dinge in unserem Leben, die wir weglassen können, ohne grundlegend zu leiden. Sie sind kein wirklicher Gewinn und ohne sie dreht sich die Welt wie gewohnt weiter. Oftmals haben sich in den letzten Wochen gezwungenermaßen sogar Alternativen ergeben, die bleiben könnten, wenn...

Wenn der Mensch irgendwie nicht dazu neigen würde, sich an dem zu messen, was ihm andere spiegeln, zu tun, was man halt so tut und gut zu finden, was viele gut finden. Gute Gelegenheit für neue Konzepte, Zeit zu binden... wenn nicht real, dann halt virtuell.
Zu Wort kommt man gerade nur online so richtig gut, also werden wir überrollt von Videos jeder Art in Massen, Selbstdarsteller und Verkäufer haben Hochkonjunktur... Mangels anderer Beschäftigung wird natürlich gerade auch extrem online konsumiert. Mehr oder minder Lebensweises oder Unterhaltendes, Konsumgüter und natürlich fast alles, was uns jetzt real fehlt, per Post ins Haus gebracht.

Wir klatschen für all die "Helden des Alltags" und gehen trotzdem aus einer fiktiven Angst heraus Panikshoppen (wo lagern die Massen an Dingen??) und erzeugen so die Überforderung der VerkäuferInnen. Wir kaufen online ein, überfluten die Paketdienste, die vermutlich Tag und Nacht unterwegs sein müssen... In dieser Flut an "Beschäftigung" vergeht die gewonnene Zeit wie im Fluge, bleibt aber zunehmend auch Leere, wie, wenn man das matschige Toast aus dem Supermarkt (dazu kommen wir noch) konsumiert... man isst und wird nicht satt, weil man genaugenommen NICHTS konsumiert.

Immer wieder hört man vom Gefühl der Leere, des Stehenbleibens und dem Wunsch, es möge wieder etwas weitergehen... Einserseits ist das der Tatsache geschuldet, dass man müde ist von Theorien, Spekulationen, Informationen... das ist ein ganz anderes Thema, das vermutlich auch sehr spannend wäre. Andererseits sind wir aber meilenweit davon entfernt, das wirklich als Schatz wahrzunehmen, was uns da eine ziemlich unangenehme Situation ganz nebenbei auch gebracht hat... Wir werden nie wieder geballt so viel Zeit haben, in der es nichts zu verpassen gibt, man eh nichts anderes tun könnte und dürfte. Erlaubtes Nichtstun ist das größte Geschenk, weil nach dem ersten Schreck einfach wunderbare Entdeckungen warten könnten... wenn man nicht mitten im Aushalten der Ruhe wieder in sinnloses Tun verfällt, nur um nicht aushalten zu müssen...

Alles, was uns gerade so richtig schlimm nervt, zeigt uns, wer wir sind. Dass das gewöhnungsbedürftig ist, ist klar und es wird gute und weniger gute Tage geben... aber in all dem liegt eine wirklich große Chance. Weniger ist mehr, ist das Credo der Zeit, ich bin gespannt, wie sich das gestaltet, wenn die Dinge sich lockern werden.

Haben wir gemerkt, wie schnell die Dinge weg sein können, auf die wir unser Leben bauen? Haben wir wirklich ein Gespür dafür entwickelt, was wirklich unverzichtbar für uns ganz persönlich ist und ob wir das vielleicht in ganz anderer Form bekommen könnten?

Um nicht nicht aus dieser Situation, die als Krise wirklich auch eine Chance ist, herauszugehen, ohne sie genutzt zu haben, ist es vermutlich langsam an der Zeit, sich noch einmal das zu nehmen, was wir ja mehr als sonst haben... Zeit und Muse (Wishlist?), aufzuschreiben, was bleiben soll. Für jeden persönlich, einfach nur, weil es sich als wirklich gut und ausreichend erwiesen hat oder anderes, scheinbar Verlorenes als gar nicht so wichtig. Schlimmstenfalls krempelt das, was da auf einem Zettel landet, euer Leben um... na und?

Funktionieren kann das alles nur, wenn man nicht gleichzeitig darüber nachdenkt, was einem gleichzeitig aus dem alten Leben "fehlen" wird, denn dann sieht alles wieder schnell wie Verlust aus. Verlust, der theoretisch ist, denn unsere Gedanken können nur von dem leben, was wir kennen... aber wie wollen wir sicher vorausnehmen, was neu ist? Also aufschreiben, was einem in den Kopf kommt... sortieren ist später.

Sollte sich auf dieser Liste etwas finden, das euer Herz hüpfen lässt oder euch schon einige Wochen lang jetzt wirklich gut tut, sollte das auf die To Do Liste für die Zeit danach...Das WIE wird sich ergeben oder ist dann halt das, wo Kraft und Mut nötig sein werden. Schreibt auf, was toll wäre, würde es bleiben, notfalls mit einem fetten Fragezeichen, wenn euch das Wie nicht klar ist. Dieses Fragezeichen darf aber nicht bedeuten, dass es nicht möglich ist, nur, dass hier vielleicht Hilfe, Gespräche, Ideen... fehlen. Noch.

Und wenn sie kommen... die diffusen Ängste, die Fragen von denen, denen man  sich ggf. anvertraut, die Zweifel (die eigenen und noch mehr die der anderen), dann sollte man sich ehrlich fragen, was konkret einem Angst macht... meist sind es nicht die Dinge selbst, sondern der Schritt in eine Richtung, die man nicht kennt, die einem nicht vertraut ist und unsere Angewohnheit, Neuem (ausser neuer Technik... warum eigentlich?), Veränderungen mit Argwohn zu begegnen... Vermutlich sollte man es halten wie mit dem Kauf einer neuen Hose... Anprobieren und wenn sie nicht passt, die Größe wechseln oder vielleicht ein wenig an der Passform schrauben.

 Dieses Zitat ist eines meiner Liebsten und hätte perfekt auf unendlich viele Situationen in den letzten Wochen gepasst. Sich trauen bedeutet im Ergebnis genausoviel, wie sich nicht trauen. Das halb leere und halb volle Glas...die beiden Seiten einer Medaille... nicht umsonst gibt es diese Bilder. Was hat man also zu verlieren?

Für den einen könne diese Wishlist Entspannung bedeuten, ein Plan B werden, falls das nötig ist... ein anderer erfüllt sich jetzt einen Wunsch, der einfach zu viel Kraft gekostet hätte in einer anderen Zeit, sich jetzt aber fast logisch von allein ergibt. Oder man erinnert sich an die vielen kopffrei entspannten und emotional "gut füllenden" Momente der letzten Wochen und behält bei, was großartig war.

Ich persönlich hatte die wundersamsten Momente, in denen ich ohne schlechtes Gwissen, ohne Wertung anderer (da ja keiner da war und man manchmal auch gut beraten ist, nicht alles von anderen bewerten zu lassen, man selbst genügt dann und wann als Maß der Dinge) in einer zeitfreien Zone gedankenverloren einfach gemacht habe... es hat vieles, worüber ich monatelang nachgegrübelt hatte, plötzlich ganz einfach entstehen lassen. Es kommt einem fast etwas entgegen, dass immer noch vieles beschränkt ist und man gezwungen ist, auszuhalten, aufzuhören aufzustampfen, wenn etwas nicht machbar scheint, sich einfach hinzusetzen und Zeit zu nehmen. Manchmal dauert es einfach, bis sich die Dinge ruckeln. Alle.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir tatsächlich aufmerksamer geworden sind, gern mal füreinander denken und die emotionalen Hashtags und Werbespots der letzten Wochen nicht plötzlich im Frühjahrsschlussverkauf landen.

Naja... und da es auf diesem Blog schon mächtig viel ums Essen geht, darf es das auch heute.
Ich habe die Zeit genutzt, um endlich etwas loszuwerden, was mir seit Monaten jede Woche wieder Ärger bereitet... in meiner Familie wird gern Toast gegessen und abgesehen von seinem schlechten Ruf (aber den hat Süßes ja allgemein, obwohl Süßigkeiten ganz  sicher als emotionales Superfood durchgehen würden) hat mich zunehmend das komplette Fehlen von Geschmack und eine Konsistenz von gepressten Papierschnipseln zur Weißglut gebracht. Legt mal einen Blumenkohl in der Einkaufstasche auf eine Packung Toast...die dadurch angenommene Form verschwindet nie wieder, was ganz sicher nichts mit der Frische dieses Produkts zu tun hat. Der Begriff Nahrungsmittel trifft es auch schon ewig nicht mehr, denn satt ist anders. Und so wird Toast zu etwas, was man wirklich nicht mehr kaufen sollte, auch nicht in der Ballststoffreiche- oder Chiaversion... es kann nur Müll drin stecken. Wie schnell sich Worte auf eine Verpackung drucken lassen und was sie in unseren Hirnen veranstalten, weiß man mittlerweile...

Deshalb haben wir mal wieder den Ofen angeworfen und Toast gebacken... wirklich kein Hexenwerk und wenn denn mal wieder all die Hefekäufer ihre im Kühlschrank gehortete Hefe verbacken, statt neue zu horten, dürfte es auch wieder welche geben und ihr könnt loslegen. (Wieso eine Zutat für einen Teig, der so viele Vorurteile und Ängste hervorruft, eigentlich aus ist, weiss ich übrigens wirklich nicht... sicher ist, dass Hefeteig nur geliebt werden will, ansonsten eines der einfachsten Dinge auf dieser Welt ist. Also traut euch, ihr Brotbäcker da draussen, die es jetzt ja massenhaft geben muss:)).

Das Toast ist herrlich fluffig, aber schön kompakt. Wenn man da mal drückt, gerät nix aus der Form und satt macht es auch noch. Die Haltbarkeit ist perfekt, eine Woche ohne Abstriche haben wir getestet. Mehr Testzeit war nicht drin, danach war es alle. Wichtig... selbst wer sein Toast süss ist, darf nicht am Salz sparen, weil sich das ganze sonst als geschmackliches Nichts entpuppt. Was im Teig vor dem Backen recht salzig schmeckt, passt am Ende genau.

Dann habt Freude mit dem Toastrezept, traut euch an die Hefe und vor allem auch an die Wishlist.
Wir packen eine Liste zum Ausdrucken als PDF an diesen Post und wünschen uns, dass vor allem eines bleibt in dieser Zeit...Mut zu tun, was ganz persönlich wichtig ist. Wie schnell alles andere nichts mehr wert sein kann, merken wir gerade.

> Wishlist
(So oft ausdrucken wie nötig und an den Linien zerschneiden, sodass Zettel in Postkartengröße entstehen.)

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