Zeit für Veränderung

oder: Wie weglassen zu mehr führt

Zugegeben, das ist nur die Spitze des Eisberges, aber zumindest die, die nicht einmal Einsatz erfordert, nur Nichtstun. Ist das nicht eine herrliche Nachricht?

Weglassen in dem Fall bedeutet, viel Zeit zu haben, faul in der Sonne zu liegen, nicht nachdenken zu müssen, ob es Samstag, Sonntag oder Feiertag ist, denn euer Rasenmäher wird einfach niemanden stören! Und die, die sich das ganz und gar nicht vorstellen können, werden Inselbesitzer... von Blumenwieseninseln. Zumindest das.

Und spätestens jetzt wird klar, worum es geht...um Bienen. Bereits beim Besuch der Schäferwagen in Weckersdorf war klar, dass auch dieses Jahr irgendwas nicht recht im Lot ist, denn die Bienenkästen der Imkerei Kern, die den berühmt berüchtigten Weckersdorfer Honig lieferten, sind komplett verschwunden. An diesem Punkt war klar, dass es hier ein paar Worte zum Thema geben wird, bis dann noch ein Querverweis in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung dasselbe Thema aufgriff. Es ist also an der Zeit...

Demnächst wird es noch mehr zum Thema geben, denn es gibt ziemlich innovative Imker ganz in unserer Nähe, die nicht unerwähnt bleiben dürfen.
Damit es weiterhin genug von dem Ersatzstoff gibt, den so viele nutzen, die nicht mit Zucker süßen wollen, sollten wir alle einen ganz kleinen Beitrag leisten und den Lebensraum der Bienen erhalten oder neuen schaffen.
Wenn allein jeder, der mit Honig süßt und damit einen gesunden Lebensstil zu führen glaubt, auch darüber nachdenkt, wie er den Nachschub an Honig sichern kann, wäre bereits ein großer Schritt getan, denn Honig kommt nicht von allein ins Glas.

Wir werfen uns auf alle möglichen Seiten, unterstützen diese und jene Initiative, aber denken im ganz kleinen, persönlichen Alltag so unglaublich wenig nach. Wir wettern (nicht ohne Grund) gegen Windräder, laufen dann aber durch einen Wald, der schwer geschädigt ist durch die Stürme der letzten Monate und bekommen nicht einmal mehr einen Schreck, es sei denn, der Baum ist auf unsere Ferienhütte gefallen... das Klima...ja, das Klima, aber auch Monokultur, schwere Technik im Wald usw. Und nicht wenige, die hier auf dem Dorf leben, haben Wald, könnten also entscheiden.

Man muss es aber tun, und wenn man ganz klein beginnt. Wir haben wunderbare Nachbarn, die bereits vor einigen Jahren einfach mal an der Tür geklopft haben und uns darum gebeten, unseren herrlichen lila Mohn komplett ausblühen zu lassen und den Samen auszustreuen. Dass wir ohnehin nicht vor hatten, etwas anderes zu tun und bereits kräftig Samen verschenken oder irgendwo ausstreuen, konnten sie nicht wissen. Aber sie haben es einfach getan... uns erklärt, dass sie es schwer haben mit ihrer Einstellung, ihre Wiese wachsen zu lassem, den Blumen überhaupt die Chance zu geben, zu blühen, damit wiederum ihre Bienen eine Chance haben. Und ein paar Tage später wanderte Mohn auf das Grundstück des Nachbarn und ein Glas Honig stand vor unserer Tür...  Einfach doppeltes Glück... mal miteinander geredet (nein, auch auf dem Dorf kennt man sich nicht) und nicht über das Wetter und ein bisschen Glück verteilt.

Es muss also nicht jeder Insektenhotels bauen und auch derjenige, der keinen Garten hat, kann gut etwas tun.
Nehmt doch einfach einmal eine Hand Wildblumensamen (manchmal gibts die auch als Bienenweide zu kaufen) und verstreut die. Irgendwo. Vielleicht nicht unbedingt beim Nachbarn, dessen Rasenroboter im Dauereinsatz ist, nein, auch draussen an Feldwegen, in Parks, an Strassenrändern... überall dort, wo nicht sofort wieder gemäht wird, haben Wildblumen eine Chance und damit die Bienen.

Der in den letzten Jahren immer früher einsetzenden Blüte, Parasiten, Monokultur und den exzessiven Rasenmähern kann damit etwas entgegengesetzt werden. Und wer erinnert sich nicht daran, als Kind durch kniehohe Wiesen gerannt zu sein? Ach, da gab es ja auch die Zecken irgendwie noch nicht, die von gemähtem Gras gar nicht so schön an uns hochspringen können....

Wir betrachten immer ein Problem, das uns, meist von aussen, in den Fokus gerückt wird und schauen wie durch einen Tunnel nur auf dieses kleine Thema, ohne zu merken, wie weitreichend die Folgen sind, wenn wir weiter engstirnig durch die Welt laufen. Das betrifft den Umgang miteinander, das Thema Plastik und vieles mehr... Wie schlimm die Folgen sind, hat mir ein Artikel gezeigt, den ich gestern las... das Thema angeblich von Tierschützern in die Welt gesetzt (ich hoffe mal nicht) und dahin ausufernd, dass ein ganzer Absatz der Haltung von Hunden und Katzen gewidmet war. Die sind doch tatsächlich schädlich für die Klimabilanz, weil Futter hergestellt werden muss.... Bitte? Ich musste tatsächlich mehrmals lesen... wir stellen Energiesparbirnen (und fühlen uns gut beim Kauf) her mit einem Energieaufwand, der einen weinen lässt und hier gibt es tatsächlich Menschen, die einen solchen Unsinn verbreiten? Man mag wirklich glauben, wir hätten das Denken verlernt.

In dem Sinne...es wird mit aller Macht Frühling. Nachfolgend ein paar Vorschläge, wie jeder von uns das Problem ein Stück kleiner machen kann und noch dazu die Natur um uns herum schöner... was gibt es da noch zu entscheiden?

* Sät Blumen...wohin auch immer. Am besten Wildblumen, exotisch mögens die Bienen nicht so unbedingt.
Wer keinen Garten hat, nutzt Blumenkästen, Wiesen, Feldraine, Parks... (Vielleicht nicht unbedingt die Wiese des Nachbarn, ich bin mir nicht sicher, ob das Ärger geben kann...vielleicht hilft ja aber reden...)
* Wer Büsche oder Bäume pflanzt, achtet auf die Behandlung mit Insektiziden, zusätzlich bekommt ihr in einem guten Gartenmarkt auch tolle Beratung über Sorten, die Bienen wirklich anziehen.
* Schafft Streuobstwiesen und lasst das Gras zwischen den Bäumen wachsen...
* Achtet bei der Auswahl der Pflanzen in euren Gärten auf Arten, die bienenfeundlich sind... der Omagarten ist ein großes Thema (und ist der nicht sogar IN?): Wicken, Zinien, Ranunkeln, ungefüllte Rosenarten, Kresse, Stockrose...
* Kräuter haben doppelten Nutzen... in der Küche und für Bienen, die mit Thymian, Salbei, Schnittlauch, Zitronenmelisse, Bohnenkraut und Co. wirklich viel anfangen können.
* Und... gebt dem Rasenmäher eine Auszeit oder schafft zumindest Blumeninsel in euren Gärten. Für das Geld, das ein Rasenroboter kostet, könnt ihr soviel anderes Tolles tun (wer dann hilflos ist, besucht ein Sensenseminar...auch das gibts hier ganz in der Nähe, dazu auch später einmal.) Und für die, die dann immer noch zu gern mähen: lasst dem Nachbarn seine Wildnis. Euer Gras wird eh nicht hoch genug, als dass sein Samen bei euch "Unheil" anrichten könnte.

In diesem Sinne... macht es euch bunt dieses Jahr und genießt das Gesumme um euch herum.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.