Monat: Dezember 2019

Zwischen den Jahren

Ganz unerwartet gleich morgens dann doch gleich das nächste Thema, das unbedingt hierher gehört.

Total verknallt war die erste Schlagzeile im ersten Newsletter, der sich heute in meine Mails geschlichen hatte.
Total verknallt ist der Startschuss für eine anstrengende Zeit in vielerlei Richtungen.

Die Zeit voller Herzenswärme, hunderter sozialer Projekte, Geschenkelieferungen und offener Herzen ist vorbei. Es bleiben die, die das das ganze Jahr über tun. Viele aber vergessen, dass gerade die Nachwehen des Weihnachtsfestes und die Ansprüche eines neuen Jahres (auch wenn die nur künstlich erzeugt werden, denn wie oft im Jahr wechselt ein Monat...) mit den "alles wird anders" Vorhaben dann doch viele auch mächtig unter Druck setzen. Nicht umsonst sind Weihnachten und Silvester Zeiten erhöhter Suizidraten.

Selten sehen wir klarer, dass wir keine Ahnung vom Menschen direkt neben uns haben (sehr unterhaltsam übrigens auch in einem gerade aktuellen Kinofilm... Das perfekte Geheimnis).
Ob durch Erwartungsdruck (ob selbstgemacht oder von anderen geliefert... egal) oder fehlendes Vertrauen werden Bilder voneinander gepflegt, die mit dem wahren Menschen nix zu tun haben und ich bin mir sicher, dass mindestens 70% aller Menschen nur einen Bruchteil dessen an die Öffentlichkeit (inklusive Familie/Freunde) tragen, was sie wirklich beschäftigt.

Der eine oder andere kann damit umgehen, andere zerbrechen daran. Und Silvester ist eine beliebte Zeit, den Druck steigen zu lassen. Also schaut euch um, vergesst die nicht, bei denen dieser Tag aus irgendeinem Anlass eine unschöne Tradition ist. Ein guter Zeitpunkt, die kleinen, leisen Dinge in Bewegung zu bringen. Jemandem wieder zu vertrauen, füreinander zu sorgen, auch mal ganz ohne Gegenleistung oder Bitte darum, nur für ein Dankeschön.

Und neben vielen Menschen haben auch Tiere eine sehr unschöne Zeit vor sich in dieser total verknallten Zeit.
Gerade für die, die im ländlichen Raum leben, sollte es ein Herzensbedürfnis sein, das zu schützen, was Leben auf dem Dorf ausmacht... die Tiere (abgesehen von unsäglichen Tonnen Müll, Rauch etc, die absolut unnötig sind).

Geschätzt hat mindestens jeder 3. Haushalt auf dem Dorf Tiere, selbst in der Stadt leben Millionen von Hunden, Katzen, Kaninchen etc... Wir sind eher bereit, unseren Tieren beruhigende Mittelchen zu verabreichen (hurra... eine neue Gelegenheit, Geld zu machen, die allerdings mehr schlecht als recht hilft), als zu verzichten.

Dass das diejenigen, die keine Tiere haben, aus den Augen verlieren, kann ich mir noch vorstellen, aber jeder, der Tierhalter ist und seine Tiere schon Tage vorher nicht mehr draußen haben mag, sollte doch mehr als genug Gründe haben, sich nicht mehr zu beteiligen. Bereits vor den Feiertagen (ich hätte es ja nicht geglaubt, aber am 1. Weihnachtsfeiertag sind unsere Hunde bereits panisch vor dem ersten privaten Feuerwerk geflüchtet und es gibt nicht wenige, die das nicht ins Innere des Hauses tun, sondern weglaufen.) bauen Suchdienste vor, geben erfahrene Pettrailer (Menschen, die mit Hunden entlaufene Tiere suchen) Hinweise, wie beim Entlaufen eines Tieres vorzugehen ist, haben TASSO und Co. voll zu tun.

Das alles ist vollkommen unnötig, vor allem auch in Zeiten, in denen uns bewusst ist, dass Umweltprobleme bei weitem nicht mit dem Stehenlassen des Autos zu lösen sind. Wenn wir alle das eine oder andere Luxusding weglassen, wäre verdammt viel geholfen... der Umwelt, den Tieren und vielleicht ja sogar dem einen oder anderen Gewissen. Und ganz sicher kommt man auch ohne Rakete gut ins neue Jahr, notfalls dann halt mit einer ruhigen Version des Ganzen.
Und vielleicht beginnt ja hier auch etwas, was das Miteinander ehrlicher macht... wenn jeder, der das hier ganz privat unterschreiben würde, die Menschen um ihn herum bitten würde, genau das zu bedenken... Es könnte so ein Schneeballeffekt daraus werden und gewinnen würden alle.

Und... egal, wie man diese total verknallten Tage handhabt, man könnte von der Vorhabenliste für das neue Jahr gleich eines als erledigt markieren:
etwas für jemanden gemacht zu haben, den man nicht kennt. Einfach so.

PS: Da fällt mir ein, dass Kerzengießen ohne Blei als Bastelversuch ja noch aussteht. Das kommt auf die to-do-Liste fürs Wochenende und ich werden berichten, ob Bleigießen mit Wachs auch als do it yourself funktionieren, denn Kerzen hat ja gerade wohl gerade jeder noch zuhause... Man wird sehen.

Weihnachten Ade
Die Weihnachtstage sind vorbei und neben der Tatsache, dass ich trotz toller Tage nicht dahinterkommen konnte, weshalb der  volle Weihnachtszauber mit Lichtgeschwindigkeit an mir vorbeigerauscht ist, sitze ich hier mit schlechtem Gewissen.

Ich habe eben der Müllabfuhr eine gehörige Portion Arbeit vor die Tür gestellt, der DPD-Mann musste aus dem Haus, weil ich es nicht geschafft hatte, alle Weihnachtsgeschenke zeitig genug zu bestellen und eines die Weihnachtsfeiertage zwischen dem Händler und mir verbracht hatte und heute zugestellt werden wollte... da müssen Menschen heute schon wieder in den vollen Alltag, weil wir Dinge nicht einfach mal verschieben können. Weils eben immer so ist und weil wir ja nicht dafür können, dass es so ist.

Wer dann? Immer, wenn wir etwas nutzen, können wir dafür, natürlich. Weil dadurch scheinbar ein Bedarf entsteht. Welche Marketingabteilung wäre wohl auf die Idee gekommen, heute zwischen 7!!!! Und 10 Uhr irgendeinen Sonderverkauf bei Media-Markt zu machen, wenn nicht anzunehmen wäre, dass der genutzt wird? 7 Uhr nach 3 wirklich übervollen Tagen??

Ich glaube, der Mensch ist nicht dafür gemacht, mit dieser Fülle umzugehen. Man kann alles, muss alles und am besten alles parallel. Vor dem Fest Black Fridays, Prozente bis zum Überlaufen ( ist uns aufgefallen, dass es diese Mails fast jeden Tag gab, die allerdings auch im Laufe des Jahres unterwegs sind, also keine dringende Notwendigkeit zu sofortigem Handeln besteht?), das richtige Weihnachtsmenü, die passenden Kleidung zur romantischen Geschenkeübergabe vor dem natürlich perfekten, ökologisch sauber erzeugten Baum ( habt ihr mal einen Bericht über Zapfenpflücker gesehen???)...

All das würde Sinn machen, wenn wir jetzt Rosa-Wolken- Gedanken im Kopf hätten und glücksverklärt vor dem Weihnachtsbaum sitzen würden und den Nachklang dieser wunderbaren Zeit genießen würden.

Aber wir hasten auf Arbeit, um Dinge zu tun, die nicht in jedem Fall jemand dringend benötigt, packen die Ski, um einen der letzten Skiurlaube in greifbarer Nähe auf übervollen Pisten zu verbringen oder böllern hier und da schonmal locker los, weil man Silvester ja in Form sein will. Und im Laden sind die Weihnachtsmannfiguren schon seit vor Weihnachten vom Fasching verdrängt worden.

Und nun sitzen wir da und wundern uns, dass uns alles zwischen den Fingern wegrinnt... die Gefühle, die Erinnerungen, die Besinnlichkeit und Ruhe.
Als wir unseren Weihnachtsgruss geschrieben habe, war das alles so gemeint, wie geschrieben... haben wir uns Gedanken gemacht um jemanden, für den Weihnachten nicht so toll war und ihn zu uns geholt oder ein dickes, liebevolles Paket gepackt mit Dingen, die diesen Menschen glücklich machen,.., haben stundenlang telefoniert, weil dieser Mensch zu weit weg wohnt und haben mit ihm Weihnachtslieder gesungen oder Geschichten vorgelesen? Haben wir bemerkt, dass jemand, dem gerade die Familie zerbrochen ist, gerade vielleicht auch die unsere genügt und ihn in unser Leben gelassen?

Mir ist schon die Adventszeit zwischen den Fingern durchgeronnen und ich habe auch mit soviel Kerzen, dass schon die Heizung überflüssig wurde, nichts dagegen tun können, dass das richtige Weihnachtsgefühl auf sich warten ließ. Die beste Idee schien, zu sortieren, welche Erinnerung an Weihnachten die stärksten waren und was man am meisten vermisst oder bei anderen scheinbar zu sehen glaubt, auch wenn ich denke, dass es vielen von uns ebenso geht.

Was diese Dinge dann gemeinsam hatten, war recht simpel. Es waren nicht die perfekten Geschenke, kein traditionelles Essen, keine bestimmten Abläufe... es waren schlicht und ergreifend zwei Dinge... fehlende Hast und das Besondere.

Als Kind fehlt einem dieses Gefühl, noch tausend Dinge erledigen zu müssen, bis... man denkt nur an den 24. und tolle Tage, nicht darüber hinaus und schon gar nicht an das neue Jahr, in dem es auch wieder tausend Erwartungen zu erfüllen gilt. Man ist einfach im Jetzt...der Adventszeit mit tausenden an Lichter, Geheimnissen, guten Gerüchen, schöner Musik, Tannennadelduft... das ist es auch, das wir mitnehmen in unser Erwachsenenleben und dann nicht mehr erleben können, weil wir nur so klitzekleine Zeitfenster haben, um zu Genießen, dass die gar nicht reichen, um genug zu sein. Ob sich das allerdings ändern lässt, ist schwer zu sagen.
Und das Besondere... daran könnte man arbeiten. Es gab Dinge, die nur zur Weihnachtszeit gehören. Weihnachten war die Zeit, in der es Schokolade gab, die sonst nie in dieser Auswahl verfügbar war, wir bekamen Dinge, die nur „ der Weihnachtsmann“ brachte, wir hatten gerade dann genug Zeit, diese in Ruhe zu genießen... Jetzt werden Geschenke verteilt, die oftmals keine Herzenswünsche sind, weil wir einfach zu vieles bereits haben. man freut sich, aber dieses große Glücksgefühl bleibt aus. ich kann mich auch nicht genau erinnern, ob es so viele Geschenke gab.

Eile, Beliebigkeit, ständige Verfügbarkeit der Dinge...das sind wohl die Momente, die uns das richtig glitzernde Weihnachtsgefühl auch mächtig verderben. und daran kann man zumindest ein wenig drehen... bei mir kommen z.B. Dinge auf den Wunschzettel, die ich wirklich sehr gern besitzen würde, mir aber trotzdem nicht selber kaufe... sie landen dann auf dem Zettel und entweder so in meinem Leben oder bleiben halt weg... Und wenn sie dann kommen, hüpft das Herz...auch wenn das erst beim übernächsten Fest ist und ich merke, dass sich da jemand wirklich Mühe mit meinen Wünschen gegeben hat oder einen erahnt hat, bevor ich ihn richtig aussprechen konnte. Wir erfüllen uns unsere Wünsche zu inflationär selbst, wollen nicht mehr warten, halten Vorfreude und Nicht-Besitzen-Können nur schwer aus. Das verdirbt und spätestens an besonderen Tagen die ganz große Überraschung. Und... wir schenken Dinge, die es eigentlich nicht braucht. Wenn das Neue nicht wirklich unser Leben bereichert, wie soll es dann besonders sein? Ebenso ist es mit den Dingen, die man tut... besondere Speisen, ein Adventskalender, der eigentlich nur helfen soll zu zählen, bis der 24. kommt, aber heute oft nur dafür da ist, jeden Tag Geschenke bereit zu halten. Wenn ein Kalender mittlerweile den Wert eines großen Weihnachtsgeschenkes hat, wie soll dann Weihnachten noch überraschen?

Unterm Strich bleiben mal wieder die Dinge, die so oft die Lösung scheinen... weniger, langsamer, seltener... vielleicht ist das die Formel, mir der das nächste Weihnachstfest ein wenig besinnlicher und näher an dem wird, was man als Kind gefühlt hat. Auch, wenn das als Erwachsener schwer wird. Aber da gibt es ja noch unsere Kinder, die das leben, was wir ihnen zeigen. Ein bisschen ist ja auch noch zu retten. Da glücklicherweise gerade wieder Wochenende ansteht, kann Weihnachten einfach andauern... das Weihnachtsoratorium weiterdudeln, die Geschenke jeden Tag wieder hervorgeholt werden und mit Ruhe genossen und vor allem nicht zum Alltag übergegangen werden.
Und vielleicht hat man mit diesen Gedanken schon die ersten Wünsche fürs neue Jahr parat?

Und nein... es ist noch nicht Knut... Knut ist dann, wann wir es wollen!
Auch das sollte sein, wenn wir einen Baum, der Jahre zum Wachsen gebraucht hat, in unsere Wohnungen holen... aus ihm keinen Wegwerfartikel zu machen, nur weil wir schon wieder genug von ihm haben und an seine Stelle eigentlich ein neues Möbelstück könnte...

Und nein, ich muss nicht am Tag nach Weihnachten wieder für Aktionen sorgen. (Uns rief gestern, am 2.Weihnachtsfeiertag jemand an, der die Tage zwischen dem Fest planen und sich über Öffnungszeiten informieren wollte... weder war Weihnachten vorbei und es musste schon neue Betätigung her, noch hat sich da jemand Gedanken gemacht, dass eigentlich für ALLE Feiertag war. Solange wir so gedankenlos sind, wird die Leere bleiben.)

Eine schöne Nachweihnachtszeit für euch alle...

Wir wünschen euch allen wunderbare, verträumte, überraschende, herzliche, liebevolle, berauschende... Festtage mit all denen, die euch am Herzen liegen und denen, die euch gerade in diesen Tagen brauchen.

Und...
danke Silvio und dem Lichtbildkombinat Gera e.V. für den wunderbarsten Weihnachtsmann aller Zeiten.