Monat: April 2020

Faszinierende Menschen

Mal wieder einer der unkontrollierten Spontanbeiträge:))

Aber ich glaube, es ist eine gute oder fast DIE Zeit zu sehen, wo sie stecken... die besonderen Menschen.
Das Gute gerade...es gibt Einschränkungen, aber online flufft alles wie gehabt und man hat etwas mehr Zeit, zu lesen, was da alles geschrieben wird.

Es finden sich gerade Beiträge von/über Menschen, die einfach, weil sie für etwas stehen, wirklich Bewunderung verdienen. Für mich sind das nicht unbedingt die, die sich zu verkaufen wissen und noch das unwesentlichste Detail ihres Lebens für so bemerkenswert halten, dass nicht mehr unterschieden wird zwischen Mitteilungen, die andere wirklich bereichern oder welchen, die selbst fürs Familienalbum zu unwesentlich wären. Da gibt es die, die auf jeden Zug aufspringen, nur weil er sich verkaufen lässt und damit scheinbaren Erfolg generieren und es gibt die, die einfach da sind und machen. Manches davon bringt Finanzielles, vieles davon gehört einfach zum eigenen Menschsein und bedarf  weder der unbedingten Erwähnung noch einer Gegenleistung. Die wollen nicht grossartig sein und sind grossherzig... die wollen nicht beeindrucken aber berühren tief im Herzen.

Ich wünschte mir so sehr, es gäbe sie häufiger auf dieser Welt, in der Ansehen an Erfolg gemessen wird, der oft einschliesst, dass man tut, was gerade so getan wird... nichts Eigenes, Gewagtes, Unsicheres, Liebevolles, Berührendes.
Was hinterlassen wir der Welt, wenn wir erfolgreich Thermomixe verkauft haben oder den nächsten Superfood erfunden, der vegan hin oder her keine Menschen wirklich satt macht... auch die nicht, die die Zutaten dafür liefern müssen?

Corona muss ja sehr  dafür herhalten, für eine Kehrtwende zu stehen, für Rückbesinnung, zum Wenigen... zu dem, was Leben wirklich ausmacht... Aber warum sind dann Städte leer, wenn kein Geschäft offen hat, sind Menschen unglücklich, wenn sie mehr als erwartet Zeit miteinander haben, arbeiten wir mehr an einer Rückkehr zu Gewohntem, als die Chance wahrzunehmen und vielleicht ein klein wenig das Gefühl der Leichtigkeit für uns zu erhalten, das zeigt, dass Leben von anderen Dingen geFÜLLT wird?

Die Menschen, die mir wirklich ein Lächeln zaubern sind die, die mit unscheinbar kleine Gesten, die sie selbst oft nicht als so groß wahrnehmen, reich machen.

Da begegnet mir jemand, der mir nur mit einem Foto klar macht, was es bedeutet, die Dinge mal nicht mit der erlernten Bewertung zu sehen, sondern neutral....mit dem Blick darauf, was es wirklich ist:
eine kleine zerfallene Laube mit wirklich brüchigem Mauerwerk, der vermutlich jeder handwerklich Begabte das nahe Ende prophezeihen würde, die aber dank ihrer vielen desolaten Stellen überall im Inneren die Sonne tanzen lässt... und schon wird aus etwas Kaputtem etwas Bezauberndes... Dasselbe Ding... und gleichzeitig das eine und andere Ende der Werteskala.

Da ist jemand, der mit seinem Kind ein kleines Boot aus Korken die Elbe entlangschippern lässt, damit jemand die Nachricht finden kann, die mit unterwegs ist... Habt ihr das schonmal gemacht?... eine Flaschenpost oder eben so ein Boot auf die Reise zu schicken ist wie die ganze Welt umarmen... denn man weiss nie, wo sie ankommen, wen sie berühren, was daraus entsteht...

Und da gibt es die, die unermüdlich ehrenamtlich jahrein jahraus aus einer tiefen Tierliebe heraus vermisste Tiere retten und den eigenen damit eine wertvolle Aufgabe... und noch dazu sich selbst unfassbares Glück, wenn sie sehen, was die eigenen Tiere bei der Suche leisten und wem man damit großes Unglück erspart.

Da nimmt jemand sein Kind mit auf eine Wanderung durch blühende Wiesen, an einen kleinen, verwunschenen Teich, klettert mit auf Bäume, zaubert dann das Lieblingsgummibärchen aus der Hosentasche und macht diesen Tag voller Lachen und tollen Gerüchen zu einem unfassbaren Geschenk, weil es sich später immer wieder bei diesem Geruch an dieses Glücksgefühl erinnern wird. Und gelernt hat man auch noch was.

Oder da steht abends jemand vor deiner Tür, der weiss, dass du einen echt blödenTag hattest und schenkt dir einen glitzernden Moment mit einer Wunderkerze, sodass du diesem  wirklich blöden Tag doch mit einem Lächeln beenden musst?

Ich empfinde wirklich zutiefste Achtung vor Menschen, die so ihren Platz im Leben gefunden haben... bei denen  es nicht vorrangig um Anerkennung und Selbstdarstellung geht, sondern um Sachen, die dadurch bleiben, dass sie sie selbst oder andere einfach nur berühren. Ohne Plan, ohne Berechnung, ohne Erwartungen... einfach nur, weil sie Glück teilen. Ich glaube, das ist das Größte, was es zu finden gibt.

Wenn ihr solche Menschen um euch habt, kann nichts besser  werden, ausser, dass man selbst jeden Tag für Augenblicke sorgen kann, die bleiben... für sich selbst oder andere... eigentlich ist das egal.

Ein Dankeschön...

Manchmal ist es Zeit, danke zu sagen...
Auch ohne auf dem Balkon zu  klatschen, denn systemrelevant ist so Vieles... vermutlich ist es das, was bleiben könnte "danach"... die Erkenntnis, was alles so nötig war, um weiterzumachen, wo das wegbricht, was wir alle für selbstverständlich hielten... verlässliche Strukturen, immer Wiederkehrendes, das uns innere Sicherheit gibt.

In dieser verrückten Zeit, wo sich das Leben neu sortiert, möchte ich danke sagen:
* ... meinen Kindern, die das Hoch und Tief der Mama jetzt jeden Tag erleben... sie können ja nicht weg. Die, die selbst mit sich zu tun haben, viel lernen müssen, mit dem Haushalt konfrontiert sind, der irre Raum bekommen hat, weil so viele Mahlzeiten gekocht werden müssen. Die, die keine Freunde sehen können und sich jetzt als Geschwister umeinander kümmern müssen.
Und trotzdem ist eine Ferienstimmung bei  den Bergmanns. Wir konnten schon immer gut miteinander.
*... dem Ehemann, der alles erträgt. Jedes Hoch und Tief manchmal wechselnd in derselben Minute, obwohl er das im Krankenhaus bereits den ganzen Arbeitstag über aushalten muss.
*...den besten Freunden die da sind. Elke die unermüdlich in ewigen Telefongesprächen zuhört und wirklich alles mit mir bespricht, während ich, den Hörer am Ohr, dabei backe, aufräume, die Kinder unterrichte, während sich das Café neu erfindet.
*...den Gästen. Soviel Freude mit meinen Gästen hatte ich die ganzen letzten Jahre nicht. Unheimlich viele positive, lustige, ohne Hashtags zusammenhaltende tolle Menschen kommen zu uns. Danke für all die Gespräche. (Endlich gibt es die mal wieder... so wie früher... die Zeit zum Reden.)
Das Café wurde gegründet, weil ich immer mehr backen wollte, als irgendjemand essen konnte und wegen des Hungers nach sozialen Kontakten und nach Menschen.
Heute treffe ich täglich Leute, die reden wollen und das tun wir hier wieder... miteinander reden und süße Herzenswärmer genießen.
*...  den Großeltern, die die Geduld haben, zu warten, bis wir uns wieder umarmen können und sich gleichzeitig über Briefe freuen, die die Kinder plötzlich schreiben lernen... ganz normale... aus Papier (mit oder ohne Briefmarke... aber das ist auch schon wieder eine Geschichte, die man nur hinter der Kuchentheke erzählen kann:))
*...den Eltern, die immer für ihre Kinder da sind, wenn die Hilfe brauchen, auch wenn sie erwachsen sind.

Die Liste ist unendlich und zeigt eigentlich nur eines... Jedes noch so Schlechte hat etwas Gutes .
Lasst uns dieses neue Gefühl mitnehmen... auch nach Corona .

Doreen.
Anmerkung Elke:
Danke, Doreen, dass du das alles tust, denn da oben ist gerade dein Alltag beschrieben.
Von aussen gesehen ist ist das alles ein riesiger Berg an Dingen, gerade 7 Tage die Woche open End. Das Café hat nach einer kurzen Besinnungspause eigentlich wieder voll gestartet, auch wenn man das von aussen nicht sieht.

Denn das, was das Ausser-Haus-Geschäft an Möglichkeit ist, bringt neben der Chance, wenigstens irgendwie weitermachen zu können, alle an die Grenze... und das betrifft die gesamte Gastronomie. Fast alle arbeiten allein oder mit nur wenigen Mitarbeitern, weil es anders nicht geht... ertragen es, erklären zu müssen, warum sie von bestimmten Dingen viel kaufen zu müssen (machen sie ja immer, aber sonst hat auch keiner Angst, zu kurz zu kommen), bereiten den Ausser-Haus-Verkauf meist fast allein vor, um ihn dann auch noch selbst zu organisieren... aber wer verkauft, kann nichts herstellen... wer verkauft, kann sich nicht um erlaubte Zahlen an Besuchern im Raum kümmern, Menschen mit genügend Abstand erklären, warum sie auf der Straße warten oder den Hof verlassen müssen, obwohl da noch ein paar Stühle stehen... und genaugenommen rechnet sich das alles nur, wenn man über die eigenen Grenzen geht.

Das heisst, dass täglich neu getunt und gedacht werden muss, was heute richtig schien, erweist sich morgen als undurchdacht... Insofern ist es wirklich toll, dass sich all die Onlinearbeit gelohnt hat und die Gäste sich informieren und geduldig aushalten, dass immer mal wieder etwas neu ist.

Aber eine Option ist das Ganze einfach nicht...ebenso, wie Schulklassen nicht in halben Klassen unterrichtet werden können, ohne dass nix Wirkliches dabei raus kommt, können Gastronomen ohne Mitarbeiter und mit der Hälfte oder noch weniger Plätzen leben, ihre Konzepte jeden Tag neu überdenken oder auf die Geduld ihrer Gäste hoffen.
Es wird also noch ein Weilchen dauern... das kunterbunt Improvisierte... aber es passt ganz gut zu den kunterbunten, liebevoll hergestellten Sachen, die die Patisserie jeden Tag wieder aus dem Ofen holt.
Es wird mittlerweile Trend, die Sachen zu machen, wie es sie in der Patisserie gibt (und natürlich gerät man sofort an die Grenze:)) und man zeigt stolz seine Tortenschachtel voll kunterbunter Schätze und kann sich sicher sein, dass man neidische Blicke erntet. Das einzige Mal, dass es mir schon einmal so ging, war beim wunderbaren Koriat aus Weimar, dessen orientalische Torten der Hammer sind.

Insofern gibt es für mich viele Helden des Alltags, nicht nur die, für die wir klatschen (wo genügen würde, dass wir sie achten und ordentlich bezahlen), nur weil wir ein schlechtes Gewissen haben, dass sie täglich einfach weiterarbeiten, während viele von uns von zu Hause aus werkeln. Vielleicht entsteht an dieser Stelle wieder ein wenig Achtung vor den Dingen.

Also danke auch an Doreen.
Ich bin gespannt, wohin der Weg führt.