Monat: Oktober 2020

COOL & NACHHALTIG
Tag 3 der Boxenmahlzeiten ist vorbei... Box leer, nur wenig übrig. Soweit passt das Versprechen, Lebensmittel nicht zu verschwenden. Inwieweit mir das vielleicht auch so hätte gelingen können, ich also genau die nötigen Zutaten hätte auch einzeln kaufen können, um nichts wegzuwerfen und vor allem zu welchem Preis, wird sich zeigen.
Ich werde meine Hello Fresh-Bilanz nutzen, um meinem immer noch rumorenden Bauchgefühl auf den Grund zu gehen.

SPINAT-TORTELLINI
Tag 3 brachte Pasta ins Haus... riesige Tortellini... mit einem leckeren Dip drauf. Fix gings, die Tortellini waren toll anzusehen und zu essen. Nicht aussergewöhnlich aber sehr in Ordnung. Satt war gut möglich... nörgeln wäre also wirklich unangebracht, was dieses Essen betrifft. Fotos von Tag 3 hier:

Meine Hello-Fresh-Reise ist vorbei, in der nachhaltigen Box liegen nur noch Abfälle, die ich sammeln wollte, um zu sehen, was wirklich im gelben Sack landen wird und inwieweit sich das vom normalen Einkaufs-Koch-Alltag unterscheidet... denn eigentlich soll die Box ja helfen, gesund und möglichst ohne mehr Abfall (es kann ja nicht nur Essen gemeint sein?) zu konsumieren.
Ich bin kein Unverpackt-Käufer, zu oft habe ich im Einkaufskorb die losen Möhren liegen und bin froh, dass ich die dann wenigstens in die grosse Einkaufstüte werfen kann und nicht einzeln unterm Arm nach Hause tragen muss, weil ich wieder die extra angeschafften Gemüsenetze vergessen habe... Aber so oft wie machbar lasse ich Plastik weg. Auch wenn's  Mühe macht.

Was vor mir liegt, seht ihr ja... man mag davon dann halten, was man will. Und unser Fazit... ich habe das HelloFresh-Konto vorerst lahmgelegt und werde es nur dann unter Umständen kurzfristig reaktivieren, wenn es wirklich mal eng wird mit den Essensplänen... aus welchem Grund auch immer. Das mit dem NIE sagen ist so ein Ding...

Warum die Entscheidung nach 3 schon ganz guten (aber nicht herzergreifenden) Mahlzeiten so ausfällt, zeigt meine Hello-Fresh-Bilanz:

Meine HelloFresh-Bilanz:

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Ich hätte für 3x2 Mahlzeiten auf meinem Einkaufzettel gehabt:
Joghurt, Sahne, Schmand, Grillkäse, Hartkäse, Tortellini, Aubergine, Rucola, Zwiebel, Möhre, Maiskolben, Kartoffeln, Kräuter, 1 Limette, Frühlingszwiebeln, 1 Gurke, frischer Spinat, dazu ein paar Gewürze, Brühe, eine Handvoll Walnüsse und Senf. Sonderkäufe habe ich fett markiert, alles andere hat der Durchschnittskoch oft irgendwie im Vorrat.

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Der Objektivität wegen habe ihm ich mit diesem Einkaufszettel auf den Weg gemacht und hätte bis auf Maiskolben und Halloumi (dafür eine Menge vergleichbarer Grillkäse) alles auch einzeln kaufen können. Im Schmand wäre etwas mehr Inhalt gewesen, auch Rucola und Spinat hätte ich etwas zuviel gehabt.

All das hätte mich 15,54 Euro gekostet.
Die Box  kostet in derselben Version 39,25 Euro + 4,99 Euro Versand.

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Herkunft der Gemüse zum Teil: Niederlande... HelloFresh liefert klimaneutral... eine kurze Anfrage bei Mr.Google erklärt euch, was das heißt... Mein Kopf sagt... da fahren verdammt viele Autos herum und wer glaubt, dass E-Autos klimaneutral sind, vergisst Herstellung, Entsorgung und alles weitere, was so in die Klimabilanz eines Transportes einfließt.
Auf der Website findet man vorrangig die deutschen Lieferanten...aber auch die sitzen einige Stunden von mir entfernt. Im Nachbardorf gibt es einen Hofladen. Zugegeben... die Möhren sind krumm, die Kürbisse BIO ohne Zertifikat (stört nicht). Ihr habt das Gemüse auf den Fotos gesehen... 1A Modelmaße... Wo genau die Dinge herkommen, bleibt bei vielen Zutaten doch leicht offen.

Wieso schreibe ich das? Ich habe nach 3 Tagen Kochbox und etwas Zeit zum Setzen der Eindrücke noch  immer  Bauchgrummeln und frage mich täglich, ob das kleinlich ist. Deshalb habe ich auch den Abfall gesammelt, mir die Mühe gemacht, den Supermarkt zu durchwühlen und zu sehen, ob ich wirklich alles einzeln bekäme und für welchen Preis. Es behauptet sich so schnell etwas... und gefühlt hatte ich den Eindruck, so teuer sei die Box gar nicht... naja.

Dann habe ich gestern Abend ein Video eines bekannten Kochs gesehen und mitten in seinem Redeschwall war klar, was u.a. der Bauchwehmoment ist... mir hat die ganze Zeit im Tun das Gefühl von Liebe gefehlt... ich habe weder eine Zutat ausgesucht und mir vorgestellt, wie sie zu meinen Kochplänen passt, noch irgendwie ein Gefühl für das bekommen, was ich zusammenrühre... weil ich mich gar nicht reindenken musste.
Dazu der Stapel an Müll, für jedes Rezept eine neue Rezeptkarte, die ich vermutlich zum Nachkochen nicht aufheben würde, weil ich ihr zwar auch Mengen entnehmen könnte, aber die in den Zutatenlisten kleingedruckt stehen... so würde ich nicht kochen und einkaufen wollen... mir fehlt also die Motivation, daraus eine Art Kochbuch zu machen, wenn es mir geschmeckt hat. Stattdessen wieder Müll...auch Papier ist ein Rohstoff.
Was mich stört, ist also schlicht der schöne Schein.

Die Boxen haben ohne jeden Abstrich ihre Berechtigung. Es gibt Zeiten, in denen sie sich als nettes kleines Helferlein entpuppen und einfach Teil meines Konsumverhaltens sein könnten. Warum sie es nur mit schlechtem Gewissen sind, zeigen die Bilder, die mit Nachhaltigkeit einfach gar nichts zu tun haben. Mich stört der grüne Stempel, das Werben mit Preisen für Nachhaltigkeit, die suggerieren, dass all das wunderbar modern in unser neues zukunftsorientiertes Lebensbild passt. Ich würde mir wünschen, dass das, was nachhaltig und gut ist, einfach selbstverständlich ist, sicher auch kommuniziert, aber nicht als Kaufgrund missbraucht wird.

Ich kann all die Dinge in der Box gut und ohne wirklichen Stress selbst kaufen und dabei lebe ich nicht einmal städtisch mit Unverpacktläden, Bio-und Wochenmärkten. Es wird uns vermittelt, wir wären ohne dieses Helferlein nicht in der Lage, uns gesund zu ernähren, frisch und auch in kleinen Portionen einzukaufen oder Rezepte aus dem Internet zu nutzen (übrigens oft auch mit Portionsrechnern bei den Zutatenlisten).

Fazit... seid ehrlich zu euch selbst... Frisch, gesund und einfallsreich essen geht auch ganz stinknormal und ohne den IN-Faktor. Die Boxen sind relativ unkompliziert, die Zutaten frisch und appetitlich und es gibt Momente, da kann es  sicher mal die Box sein, zumal man im besten  Falle sogar miteinander kocht.
Aber auf sich selbst und die Umwelt zu achten, geht anders.
Statt nachhaltig zu entsorgen könnte man ja auch  gar nicht entsorgen müssen, weil es (auch für den gestressten 40h-Arbeiter) Alternativen gibt.

Und deshalb gab es gestern bei uns 15-min-Pasta... Lasagneplatten, Gewürzmischung aus dem Gewürzregal für die Tomatensoße, frische Tomaten, Schmand, Käse und frisches Hack... und noch 20 Minuten Ofen dazu. Schwierig ist anders und der restliche Schmand wandert in das nächste Backrezept:) Der Kühlschrank will derweil auch was zu tun haben.
Es macht wirklich Sinn, die Dinge etwas zu hinterfragen und sich selbst ggf. dafür zu entscheiden, nicht jedem Trend etwas abgewinnen zu müssen, auch wenn es Millionen begeisterte Nutzer gibt. Ihr seid ihr und solltet entscheiden, was in euer Leben und zu euren ganz persönlichen Werten passt.

Was mit will, kommt rein...
Mitten im kopfbefreiten Kochboxtesten landet meine Lieblingsbackform in meinen Händen... uralt, aus Keramik und schon mit einigen Schrammen versehen. Die ersten Kuchen rochen dann beim Backen auch noch kräftig nach Dachboden (schmeckten aber gottseidank nicht so), aber mittlerweile hat sie sich akklimatisiert.

Mitten im Herbst, der nun nicht mehr schönzureden ist, habe ich diese Form in der Hand und das Bedürfnis, einen wunderbaren Gugl zu backen, der irgendwie zu diesem Herbsttag passt... Weißweingugl ist schnell im Kopf und zwecks Inspiration das Internet befragt... vielleicht gibt's da noch eine Idee, die mir noch gar nicht gekommen ist... Google spuckt Thüringen-verzaubert.de aus und ich lande auf unserem eigenen Blog. 🙃 Den Weißweingugl gibts nämlich als Backmischung. Also Griff zum Bewährten, denn das Rezept war wirklich superlecker. Aber satt vom reinen Kochen nach Rezept passiert gottseidank mitten im Backen das, was einfach nur dann passiert, wenn man sich treiben lässt und dieses Flow-Ding passieren darf.

Da liegen im Garten noch die restlichen Äpfel vom Mosten und Apfelgelee würde ich eh gern machen. Nur braucht der wiederum einen Grund, denn bei Nicht-Frühstückern wird der auch schnell mal schlecht, ehe er gegessen werden kann. Da kommt der Gugl gerade recht... ob Apfel zum süßen Gugl passt? Keine Ahnung... aber es fühlt sich gut an... also ran an die Äpfel und den Gelee.

Und weil später dann noch Walnüsse ins Spiel kommen und der Weißwein eh geöffnet ist, passiert es, dass der Kuchen auch noch Nüsse im Teig bekommt und Weißweincreme den Apfelgelee bedecken darf. Damit ist dann zwar die schöne Guglform aus dem Rennen, weil die sich für die Creme nicht wirklich gut eignet... aber mein Magen freut sich schon so unbändig auf den Kuchen und ich kann die Finger nicht vom Teig lassen.

Dieses Gefühl hat mir die letzten Tage einfach nur gefehlt. Dieses Treiben lassen und sehen, was sich entwickelt und worauf mein Magen Lust hat. Nicht wenige glauben übrigens, dass der Körper eine Art Selbstregularium hat und man verstärkt auf Dinge aus ist, die der Körper gerade auch braucht (gilt natürlich für einen halbwegs sinnvollen Lebensstil, nicht das Bier um 10 Uhr morgens...).
Sicherhalbsweise schaltet sich der Kopf ein und warnt, das mit der Creme zu lasch anzugehen... da ist Alkohol drin und da ist es mit der Festigkeit immer so eine Sache der Zeit, es sei denn, man erhöht den Anteil Gelatine, was ich nicht wollte. Also Kuchen ausgekühlt, Apfelgelee auch und dann die zu gelieren beginnende Creme auf den Kuchen und ab damit zur Nachtruhe in den Kühlschrank. Morgens dann unter normalen Zimmertemperaturen etwas ankommen lassen (kalt schmeckt man nur wenig vom Aroma) und der Sonntagskuchen war perfekt mitten am Sonntag startbereit.

Und was soll ich sagen... meine kuchengeplagte Familie schien leise begeistert, gabelte ihn gleich direkt vom großen Kuchenteller weg und empfahl ihn sogar zufällig hereinschneienden Freunden zum Probieren.... also offensichtlich hatte es funktioniert... das Ding mit den Nüssen, dem Apfelgelee und der Creme. Und mein testgeplagtes Gehirn hatte seine verdiente Auszeit. Hier also wieder, sicher zum unzähligsten Male unser Rat... nehmt nicht alles zu bitterernst, erweitert und verändert unsere Rezepte so, wie es euch gefällt... macht eures draus und backt euch glücklich.

Ohne Stress
Das war es an diesem zweiten Tag... relativ stresslos, aber vermutlich, weil Samstag war. Ich hielt mich an den Rat meines Freundes... gut lesen, dann tun... also Zutaten zusammengesucht und los ging es: Mais und Kartoffelsalat.
Die Maiskolben waren riesig, alles sehr frisch und qualitativ toll... meine Familie voller Vorfreude, weil es wirklich gut roch,.. nach frisch geriebener Limettenschale. Die Maiskolben in der Pfanne hatten eine wunderbar gelb-braune Farbe, die Zutaten des Kartoffelsalates waren zu dem Zeitpunkt leider schon in Creme fraiche ertrunken... lecker, aber optisch kein Highlight.

Die übliche Kochzeit... 45 Minuten... also muss Hello Fresh-Tag dann doch immer einer sein, an dem 45 Minuten drin sind. Richtig gute Spaghetti mit selbergemachter Tomatensoße aus frischen Tomaten dauern bei uns maximal 20 Minuten... Zeit einsparen ist also definitiv bei Hello Fresh nicht das Thema. Vermutlich meint man im Werbeversprechen auch eher den Einkauf... den ich doch aber trotzdem habe, weil mein Leben irgendwie aus mehr als dieser einen Mahlzeit besteht (wäre ja vielleicht DIE Idee für Hello Fresh... das Ganztagsmenü inkl. Pausenbrote... geht bestimmt...😳).

Es läuft also vorerst gut im Vergleich zu Tag 1, ich überlege dennoch die ganze Zeit, warum sich kein wirkliches Wohlgefühl breitmacht... zu viel Vorurteile? Dann eben mal anders gedacht... was habe ich davon... Ja... alles sehr frisch, die Zutaten sind wirklich 1A, besser als im Supermarkt oft.
In der Zubereitung kann ich wenig Plus gegenüber einem herkömmlichen Rezept von Blogs oder Rezeptdatenbanken oder auch einem Kochbuch entdecken. Ich muss lesen, was die von mir wollen... immer wieder Zwischenschritte gehen. Bei einem Rezept klappt es besser als beim anderen.

Und was die Frage stresslos betrifft... ja... die Kiste für drei Tage entspannt mich halbwegs... zumindest, weil es draußen so kalt ist, dass die Zutaten für 3 Tage frisch bleiben können und ich es tatsächlich an drei aufeinanderfolgenden Tagen schaffe, sie zu kochen.
Ich vermute, einen Tag Pause könnte man sich im Sinne der Zutaten nicht leisten. (Kann man sich oftmals im Supermarkt natürlich auch nicht,.. aber da macht sich längst die Erkenntnis breit, dass öfter kleine Mengen kaufen die bessere Entscheidung ist... Man mag glauben, das wäre nicht ganz systemlos wegen der zu erwartenden Beikäufe... na, egal...) Aber eigentlich soll meine Kiste ja Überfluss in meiner Köche verhindern... Hier muss man sich also ganz mächtig kultivieren oder einfach nur 2 Tagesportionen bestellen... Aber dafür Paketdienst, Verpackung... in Kauf nehmen?

Bleibt der Stesslosfaktor Einkauf prinzipiell... ich hasse es, einzukaufen und noch mehr, mir am Wochenende Gedanken darüber zu machen, was ich an den nächsten Tagen essen will. Das fiel an diesem Wochenende weg... hurra. Und es war das, was mir so gute Laune beim Erhalt des Paketes gemacht hat.
Aber da ich nunmal ein Mensch bin, der schnell vergisst, was er die Tage zuvor gemacht hat, scheine ich vergessen zu haben, dass ich mir diese Gedanken natürlich auch bei Hello Fresh machen muss... nur eben VOR der Bestellung. Und zur Entspannung tragen die eintrudelnden Mails... noch 24h bis zur nächsten Bestellung... auch nicht bei. Also nix mit Plus.

Gut... Wohlgefühl begrenzt, mal sehen, was das Essen an Tag 2 schafft...
Maiskolben mit Kartoffelsalat

Ich mag Kartoffelsalat, Maiskolben abknabbern hat mich hingegen noch nie gereizt und der Abend wird zeigen, dass das nicht unbegründet ist. Sie sehen toll aus, auf einigen Stellen des Maiskolbens landet auch die tolle Limettenbutter... aber 20g Butter für zwei große Kolben sind doch einfach zu wenig... ich hätte zubuttern sollen... die Butter statt des Öls in die Pfanne werfen sollen und sie fett darin braten... war nicht vorgesehen... zu teuer für die Zutaten des Gerichts?? Und die Knabberei ist dann doch mehr Zeitvertreib denn essen... ich bin froh, dass der Kartoffelsalat wirklich reichlich ausfällt und die Lücken im Magen füllt, die der Maiskolben hinterlässt, Mein Freund hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits dem Experiment ergeben und mäkelt nicht mehr wegen der Menge.... der Geruch hatte ihm auch richtig Appetit gemacht.

Und noch eines wird mir klar... einfach mal auf ein Rezept klicken, das cool klingt und sich dieses Gericht ins Haus holen, ist unklug. Zutaten lesen und schauen, wie sie zum eigenen Essverhalten passen, ist wirklich ratsam. Das heißt, auch hier verliert ganz eindeutig der Stressless-Faktor. Ansonsten wird es wie Schulspeisung: man schaut, was es gibt und wenn’s nicht ist, dann weg damit auf den Biomüll. Aber das war ja nicht Sinn der Sache, schon gar nicht, bei 45min Zubereitungszeit.

Also Tag 2 erfolgreich geschafft, es sah nicht mehr aus wie ein Schlachtfeld, der Abfall in einigen Teilen vollkommen unsinnig (aber dazu am Ende der 3 Tage), aber doch in Maßen. Kartoffelsalat landete dann doch noch im Biomüll, weil keiner Kartoffelsalat ohne alles essen wollte... aber Kühlschrank war tabu... es war ja Hello Fresh-Tag. Im Restaurant bestellt man sich dann auch nicht schnell mal noch ein Rührei dazu.

Wie ist das eigentlich mit Ei... Eipulver? Das ist eine Frage, die mir gerade in den Kopf schießt und was ich herausfinden werde bis zum nächsten Post... ebenso: was ist, wenn ich mich vertue in der Bestellung. Onlinebestellungen darf man zurücksenden und bekommt den Preis erstattet. Geht das bei HelloFresh und fliegt dann der ganze Kram auch in den Müll? Muss er ja eigentlich...

Ich fürchte, man darf am Ende sich nicht so genau hinsehen, wenn es um Werbeversprechen geht. Nach dem Essen gibts dann noch schnell ein Stück vom frisch gebackenen Kuchen...  Äpfel gesammelt und gemostet, dann Gelee gekocht... ja, viel mehr Aufwand, als wenn ich den Saft (selbst Bio) kaufen würde... aber eben auch mehr Lust am Machen und Zufriedenheit, weil man sich um sich gekümmert hat.

Vielleicht haben sich meine Prioritäten mitten im Landleben verschoben, aber ich kann den scheinbar ökologisch wertvollen und gesunden Versuchen, hip zu sein, immer weniger abgewinnen und tendiere dazu, wirklich handmade zu leben... soweit das in ein normales Leben passt.

Das ist übrigens leichter als man denkt, man muss sich eigentlich nur darauf einlassen und Lust drauf entwickeln. Vor ein paar Jahren noch habe ich Flüssigseife in Spendern genutzt, die natürlich nach der Nutzung in den Müll flogen... manchmal nachgefüllt... aber auch da bleibt ja nur Müll. Also was soll das Umweltversprechen an der Stelle... Irgendwann saß dann jemand bei uns am Tisch, der Seifen herstellt. Seifen, die wie ein Kräutergarten rochen... Auch die Hände rochen noch stundenlang frisch und wenn sie einmal rundgewaschen waren, liegen sie angenehm in der Hand und Händewaschen wird ein wirklich tolles Ding.

Seitdem gab es nie wieder Flüssigseife, statt dessen immer wieder Neugier, wenn mal eine neue Seife ins Haus kommt, die übrigens auch viel länger hält. Und meist gibts ein paar Seifen mehr, die dann verschenkt werden...

Wir sollten uns Zeit nehmen, unser Leben an der einen oder anderen Stelle wirklich etwas klüger zu gestalten... vielleicht ist es das, weshalb ich diesen ganzen Test mache.

Heute Abend gibts Tortellini... ich bin mir nicht sicher, ob sie satt machen und habe vorsorglich eine weitere Packung gekauft. Eigentlich würde ich versuchen, sie selber zu machen, aber dafür reicht gerade die Zeit dann doch nicht... ich bin gespannt.

test it... Tag 1

Es ist soweit... seit Langem landen als Beigabe zu bestellten Dingen Gutscheinkärtchen von Hello Fresh bei mir und immer landen sie im Papierkorb, nicht ohne wachsender Lust darauf zu wissen, wieso das irgendwie funktioniert... also was alle daran finden.
Und irgendwie blubbert immer der Gedanke, dass das alles vermutlich nicht so ist wie es aussieht. Ausgangslage: ich habe Vorurteile und halte das Ganze für einen der üblichen Auswüchse unserer Überflussgesellschaft. (Man muss fairerweise sagen... Dorfmenschen sehen die Dinge eh etwas anders als Stadtbewohner.)

Soweit die Ausgangsbedingungen. Und dann ergibt sich die Gelegenheit, das Ganze tatsächlich zu testen, weil ein lieber Freund mir etwas Gutes tun will und mir eine Testbox spendiert. 3mal 2 Portionen Hello Fresh. Ich bin immer noch skeptisch und kapiere in der Probierversion kaum die Bedingungen und klicke vorsichtshalber auf Veggie und irgendein Datum, das mir plausibel erscheint. Am Wochenende... weil unter der Woche wird das irgendwie zuviel (und da war mir noch nicht einmal klar, was kommt). Egal... ich will auch endlich nicht mehr ohne Grund nörgeln, wenn mein Freund von seiner neuesten Lieferung berichtet, also startet der Selbstversuch.
Man muss dazu sagen... ich backe deutlich lieber und besser, als ich koche... aber damit qualifiziere ich mich wohl auch em ehesten für die Kochbox. Ambitionierte Köche sind ganz sicher nicht das Zielpublikum.

Tag 1... Liefertag und erstes Gericht

Hello Fresh gibt mir Bescheid, dass meine Box bald landet (noch immer habe ich nicht kapiert, ob alles auf einmal kommt oder verteilt auf  3 Freitage). Also lasse ich mich überraschen, es ist eh kaum Zeit, nachzudenken, weil 4 riesige Bigpacks Äpfel auf Mostung warten und Arbeitstag ist. Und Hello Fresh soll ja entspannen. Mit dem Auto voller Saft komme ich nach Hause und weiß, dass noch genug Arbeit wartet. Und da steht sie... die Box mit unserem Wochenend-Abendessen. In diesem Moment bleibt nur Erleichterung, weil ich schlicht kein Hirn freimachen muss, um zu überlegen, was es am Wochenende gibt und es auch nicht besorgen muss.

Soviel zur Skepsis:)
Ich fange vorerst an zu ahnen, was der geneigte Abonnent dran findet.
Auspacken ist auch irgendwie cool... zumindest wird sich jetzt zeigen, wieviele Portionen drin stecken.

Alles sieht erst einmal ziemlich vernünftig aus....ich beschließe, mir eine möglichst objektive Meinung zu bilden, indem ich alle Verpackung sammle und am Ende sehe, was es dazu zu sagen gibt. Was ich recht schnell weiss ist, dass mit steigender Temperatur in der Kiste (es ist tatsächlich noch einmal warm Ende Oktober) ein Kühlelement verabschiedet hat. Es war wohl beschädigt, was man tatsächlich im gefrosteten Zustand nicht merkt. Dumm aber für den, der die Kiste nicht gleich öffnen kann, um alles herauszuholen, weil alles, was im Kühlbeutel steckt, nun baden geht.

Ich räume also aus, stecke in den Kühlschrank, was besser dort aufgehoben ist (bei 5 Tagen Lieferung für mehr Personen sollte man vorbereitet sein... muss man ja aber auch, wenn man vorsorgend einkaufen geht) und entscheide mich mit meiner Familie für das erste Gericht. Gemüse und Salat bleiben in der Kiste... nachts ist es draussen kühl genug, damit alles 3 Tage durchhält, hoffe ich. Jedes Gericht ist in einem extra und nach deppentauglichen System gekennzeichneten Papierbeutel verpackt, dazu gibts die Rezeptkarte mit derselben Zahl und Farbe... Soweit so gut... der erste Abend kann kommen.

Zubereitung Gericht 1: Halloumiburger

Ich weiss nicht so recht, was Halloumi ist, bis ich später beim Essen merke, dass ich den Quietschkäse doch kenne... vom Sommergrillen. Mit Möhren, Pastinake und Aubergine sind keine Zutaten in der Tüte, die ich nicht schonmal verarbeitet habe und selbst die Zubereitung, die man der Rezeptkarte entnimmt, kenne ich aus meinem Alltag... Es steht viel da an Nährwerten, Mengenangaben und so weiter... ich versuche, mich auf die Zubereitung zu konzentrieren und merke schon jetzt, dass ich  es anstrengend finde. Mein Freund... der, der das öfter tut, macht es, weil er mit herkömmlichen Kochbüchern nicht gut kann... der Unterschied erschließt sich mir nicht ganz.  Ich verliere mich komplett in Einzelschritten, versuche, 3 verschiedene Pfannenbestandteile hintereinander abzuarbeiten und bin froh, dass mein Kind schon das Wurzelgemüse schnippelt und in den Ofen packt. Alles, was ich sonst recht selbstverständlich und mit Menschenverstand mache, hinterfrage ich bereits an dieser Stelle und lese hundertmal nach. Vielleicht ja auch, weil ich sehen will, inwieweit ich mit den vorhandenen Zutaten zurecht komme, also ohne eigene Vorräte zu nutzen.

Spätestens, als wir uns nicht mehr sicher sind, ob wir das Ofengemüse würzen sollen und womit, fängt es an, richtig zu nerven und wir beschließen zu tun, was wir sonst tun würden... also Öl drauf, Salz, Pfeffer und ab mit gewohnter Temperatur in den Ofen. Wir sind 2 Personen... soll ja vielleicht auch so sein... also Kocherlebnis und so. Person 1 verabschiedet sich an der Stelle und lässt mich mit den restlichen Schritten allein, die grundlegend nicht aufwändig sind, mich aber, weil ich krampfhaft versuche, mich an alle Vorgaben zu halten, um den perfekten Burger zu kreieren, zunehmend müde machen.

40 Minuten später sind alle Bestandteile des Burgers bereit, die BurgerPettis im Ofen kurz vor zu hart und wir bauen zusammen... Sieht toll aus, was wir da gemacht haben, auch wenn die Zwiebeln, die u.a.mit Zucker weichgedünstet sind, einfach schon hart karamellisiert sind (ich würde die persönlich als letzten Schritt machen, nicht als ersten), ergibt sich ein tolles Ergebnis und man ist kurz mehr stolz als kaputt.

Wir setzen uns zum Essen (genauso spät wie sonst) und Genuss ist angesagt. Der Herr des Hauses murrt wegen zu viel Gemüse, aber das Ganze schmeckt wirklich gut. Wurzelgemüse und Salat gibts reichlich, aber ich vermute, er wird nicht wirklich satt. So isses dann auch. Aber der durchschnittliche Büromensch sollte gut damit zurechtkommen (nicht das fehlende Fleisch ist das Thema, sondern wirklich die Menge für Männer  mit gesundem Hunger).
Mein Kind mümmelt in sich rein und blickt direkt auf den Küchenschrank, um festzustellen "hier siehts aus wie auf dem Schlachtfeld".
(Ich erspare euch ein Foto.)

Und sie hat recht. Das, was ich sonst mit einer überschaubaren Menge Utensilien hinbekomme, ist heute vollends entglitten. Menschen fast alle satt, geschmeckt hat's auch, Raketenwissenschaft war es nicht. Ob's also nötig ist... wer weiss. Aber möglich.

Ich räume das Schlachtfeld auf, staple die Abfälle und entsorge die Reste an Grünzeug im Biomüll. Eigentlich ist der Sinn des Ganzen... ich habe keine Reste. Geht nicht ganz auf, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Mehr Rucola als Burger ist vielleicht ja was für Hardcorevegetarier.  Die zu lange gegarten, weil in einem Schritt mit den Möhren in den Ofen gepackten Pastinaken sind zu trocken geworden und werden als Dörrgemüse den Mäusen überlassen. Der Rest Rucola wandert in den Kühlschrank. Ich hab keine Ahnung, wofür, denn morgen gibts ein neues Gericht... auch mit Salat... der muss ja dann auch irgendwie weg (und schon kommt leichter Stess auf, wo ich ja eigentlich relaxt sein sollte). Ich  vermute, der Rucola muss Glück haben, um verwendet zu werden.

Ich ergötze mich noch schnell an den netten  Vorschlägen, was  ich mit dem (nicht trinkbaren) Wasser der nachhaltigen Kühlelemente so anfangen kann, leere sie aus (zur Erinnerung... einer tropfte die Kühltasche bereits am Nachmittag komplett nass, wurde aber gottseidank entdeckt:) und packe sie zum Müll. Aber der ist ja gottseidank nachhaltig entsorgbar. Hm. Man wird sehen... Tag 2 kommt bestimmt und ich bin gespannt und versuche, halbwegs die Objektivität zu wahren.
(Und ich verspüre das starke Bedürfnis, irgendetwas leckeres zu backen... irgendetwas, was mir nur mein Magen diktiert.)