schön

in dieser Woche... ein Besuch bei Alina Kroll und den Unstrutlamas. Der war besonders schön und hat uns mal wieder daran erinnert, was schön, besonders oder auch eben besonders schön ist.

Das betrifft vieles... die Vorfreude von Alina auf unseren Besuch, den Ort, an dem man auf die Lamas trifft, die ganze Atmosphäre, die Art, wie Alina den Gästen und ihren Lamas begegnet und vieles mehr. Und dabei waren wir noch nichtmal einfache Gäste, weil wir den Besuch als Übungseinheit für unsere Hunde geplant hatten, die nicht unbedingt Juhu schreien, wenn es um fremde Menschen oder langbeinige Tiere geht, die sie nicht kennen.

Bei den Lamas ist man für alles offen. Für die, die kommen, für das, was passiert. Es gibt keinen strikten Plan, nur eine einzige Regel: die Lamas sind der Chef.
Das macht vielfach Sinn... natürlich im Sinne des Tierschutzes UND besonders auch im Sinne derer, die kommen, weil man vielleicht ja anders geht, als man gekommen ist. Wenn man etwas mitnimmt, dann vor allem Achtsamkeit. Eigentlich allem gegenüber... den Tieren, dem, was man erlebt und den Leuten, die mit einem unterwegs sind.

Lamawandern an der Unstrut gibt es schon 10 Jahre... lange, bevor die Lamas Einzug auf dem Sticker-, Plätzchenformen- und T-Shirtmarkt gefunden haben. So eine Trend ist ja nicht immer hilfreich... die Geister, die man rief... in dem Fall heißt das, dass auf dem einen oder anderen Grünland nun Lamas stehen statt Ziegen oder Schafe. Und mit den Lamas kommen die Lamawanderungen, von denen es jetzt die und eben die gibt.

Wenn man genau hinschaut, sieht man den Unterschied, aber dazu reicht es nicht, eine Preisliste zu vergleichen oder den nächstgelegenen Anlaufpunkt zu nehmen. Was die Unstrutlamas unterscheidet, sind viele wesentliche Punkte, die sicher am Ende auch dazu führen werden, dass sie sich weiterentwickeln werden, weil sie mehr zu geben haben, als das Wort wandern beinhaltet.
Die Lamas kommen aus schlechter Haltung und sind in Herbsleben im Paradies gelandet. Nicht nur lokal gesehen, denn der Gartengrundstück direkt an der Unstrut, in dem sie wohnen dürfen, ist wirklich paradiesisch.

Vielmehr ist es die Art der Haltung und des Umgangs mit den Tieren, die mich immer wieder überzeugen würde, genau da zu wandern. Gewandert wird in kleinen Gruppen, sodass wirklich die ganze Gruppe immer überschaubar ist und auf Unvorhergesehenes reagiert werden kann.
So begegnet uns ein freilaufender Hund und wenn ich mir vorstelle, im freien Gelände mit einer großen Gruppe unterwegs zu sein und dort genau diese Situation: -Lamaherde, Hunde und freilaufender Hund ohne Besitzer- klären zu müssen, wird mir schon ein wenig mulmig. So war sofort Stopp, alle begriffen das auch ebenso schnell, weil jeder die ganze Gruppe selbst überblicken konnte. Kein Hundedrama, das die Lamas aufregen konnte, keine blöde Situation für die Gäste der Lamawanderung... schon mit 2 Lamas mehr oder der Aufmerksamkeit auf eine viel größere Gästegruppe wäre das schwer möglich gewesen.

Ebenso fand ich die Entscheidung, sich an den Lamas zu orientieren, wenn es darum geht, wo die für sie fremden Hunden (die eigenen sind kein Thema) am besten mitlaufen, damit sie keine unnötige Unruhe in die Herde bringen, sehr angenehm für alle. Selbst das vorn laufende Lama Oskar, das nicht die besten Hunderfahrungen hat, blieb gechillt, weil es die voranlaufenden Hunde gut im Blick behalten konnte. Gegenseitiger Respekt geht genau so. Wer von den Gästen hingeschaut hat, hatte gelernt.

Die Lamas werden an der Unstrut immer zu zweit geführt... ein Vorteil für die, die doch etwas Respekt vor der Aufgabe haben. Unterwegs futtern dürfen sie nur nach Ansage von Alina und Leckerlis gibts aus dem Futterbeutel der Lamas... nämlich kleine gepresste Heupellets.
Mir war die Ruhe der ganzen Wanderung sehr angenehm. Wenn die Lamas es wollten, gab es Pause, in der sie auch wirklich ihre Ruhe hatten... was ich für die Gäste schade fand, war, dass nur ein Teil derer die Wanderung voll genießen konnte... das waren die, die ihr Smartphone nicht im Dauerbetrieb hatten. Ich war als Fotograf dabei... wie einfach wäre es gewesen, mich um Bilder zu bitten?
Wir sind wirklich sehr geübt mittlerweile darin, alles zu dokumentieren und zu teilen... auch Erlebnisse, die für uns ein weitaus kleineres ist, weil wir damit beschäftigt sind, es möglichst groß zu machen, um es teilen zu können.
Was uns dabei entgeht, ist der Zauber, den die Tiere ansich haben. Sie sind völlig ruhend und irgendwie geht alles in einem schön langsamen Tempo vor sich... und jede Bewegung bringt eine andere, meist wirklich komische Mimik hervor, die einem immer ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Es ist ganz einfach schön, so wie Pippi Langstrumpf nur dazusitzen, die Beine baumeln zu lassen und zu schauen. Zu diesem Moment finden die wenigsten.

Eigentlich ist Lamagucken wie Bäume umarmen oder meditieren und vielleicht solltet ihr, liebe Unstrut-Lamas, genau das in euer Angebot aufnehmen. Ich fürchte, man muss so ähnlich wie beim Waldbaden (man kann auch Waldspaziergang dazu sagen) einen In-Begriff dafür finden, damit man nicht mehr erklären muss, dass das toll ist.
Aber vielleicht findet sich der eine oder andere hier, der einfach mal runterkommen muss und Alina und ein Lama bucht und sich auf eine Wanderung mit laaanger Pause und Lamagucken begibt. Man muss dazu nicht in die Berge fahren, wenn man sich den Weg gerade kürzer machen will... das Gute liegt manchmal ganz nah.

Was mich auch sehr beeindruckt hat, war die Klarstellung, dass die Lamas kein Streichelzoo sind... die wollen nicht gedrückt, gehätschelt oder von hinten übergriffig angefasst werden... ebenso wie jedes unserer Haustiere, das fälschlicherweise oft genau dafür angeschafft wird. An dieser Stelle beginnt für mich Tierschutz... bei der Achtung und dem Respekt vor der natürlichen Veranlagung und den Bedürfnissen dieser Tiere. Klar ist, wenn die Lamas anders reagieren, als wir es erwarten, haben sie sich meist die Menschen entweder nicht an die Regeln gehalten oder nicht gehört, was über die Eigenheiten des einzelnen Tieres, das man zum Führen bekam, gesagt wurde.

Also alles in allem wirklich eine Zeit der Achtsamkeit und des gegenseitigen Respekts, wenn man das sehen wollte. Für mich war das besonders... gerade weil die Tiere im Mittelpunkt standen und nicht sein mussten, was die Mensche von ihnen erwarten, sondern das, was sie sind. Unsere Hunde mussten nichts, was sie nicht leisten konnten, die Lamas ebensowenig und alle kamen prima miteinander klar. Und... ihre Menschen waren entspannt und mussten ebenso nichts, was sie nicht wollten. So stelle ich mir Miteinander vor.

Und genau das ist es übrigens auch, was die Lamas oder auch alle anderen Tiere zu Therapietieren macht, die die Lamas nämlich sind.
Wir können dadurch, dass wir sie beobachten, ihr Miteinander wahrnehmen und sie in ihrer Art, Dinge zu tun respektieren für unser Leben lernen. Da finden sich Tiere, denen es unangenehm ist, wenn man sich auf überraschende Weise nähert oder die ungefragte Berührung einfach übergriffig finden und sich... entgegen uns Menschen... sofort mit Körpersprache reagieren.
Sie lehren uns so, uns zu zeigen und Verständigung zu vereinfachen... durch nonverbale Kommunikation, eindeutiger Körpersprache und Respekt.
Stattdessen bezahlen wir in der Menschenwelt Coaches, die uns lehren, Körpersprache dazu einzusetzen, unser Gegenüber zu manipulieren und zu verwirren. Was letztlich passiert, ist Vertrauensbruch und es bedeutet viel Arbeit, wenn man den wieder wett machen will und etwas, was die, die auf diesem Weg unterwegs sind (warum auch immer) vielleicht nicht einmal verdienen.

In der Welt der Tiere wird kein Bild gemacht, zeigt man sich so, wie man ist und wird bestenfalls genau so angenommen. Auch in der Welt der Menschen trifft man die, die in die eigene Welt passen. Zu lernen, diese von denen zu unterscheiden, die es nicht tun, ist in unserer Welt weit schwerer, weil wir geschult sind, uns zu verbergen. (Treffen wir allerdings auf genau diese Menschen, heißt es eben lernen und vielleicht, an sich selbst das zu entdecken, was es diesem Menschen möglich gemacht hat, zu täuschen... ich selbst sortiere gerade ein bisschen schweren Herzens aber mit Erleichterung aus... befreie mich ENTtäuscht von meinen eigenen Täuschungen, die nichts anderem als meinen eigenen Wünschen entsprangen und fühle mich freier. Alles in allem eine Zeit, die es im Tierreich nicht gibt, was eben diese zu guten Lehrmeistern unserer selbst machen.)

Zum Thema tiergestützte Arbeit erfahrt ihr übrigens auf der Website der Lamas so einiges... was die nämlich auch von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass ihre Chefin Alina pädagogische Ausbildungen hat, die Dinge im Ganzen sieht und natürlich ständig die Augen offen hält, was neueste Entwicklungen betrifft. Ihr findet auf der Website auch einige Onlinangebote für die, die an tiergestützer Arbeit interessiert sind. Zu wünschen wäre, dass das Thema noch mehr in unseren Fokus rücken würde, weil Tiere so manches Mal die besseren Therapeuten sind.

Wir werden dazu demnächst auch eine Thüringer Ergotherapiepraxis begleiten, die bereits einen Therapiehund führt und ab dem kommenden Jahr einen zweiten ausbildet. Der eine oder andere wird vielleicht für sich darin eine Lösung für ein Problem finden, für das es bisher mit herkömmlicher Therapie nicht zu lösen war.

Danke also für alles... liebe Alina und ihr Lamas... wir waren vollkommen platt... aber glücklich platt. Das sind so Tage, an denen man glücklich geschafft ins Bett fällt und noch dazu das Gefühl hat, man hatte eigentlich einen Tag Urlaub:)

Und... hier geht’s direkt zu den Lamas: www.unstrutlamas.euwww.unstrutlamas.eu

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