AUS DER BACKSTUBE (Page 15)

Vom Backen, Liebe & Genen
Es beginnt irgendwann. Aber vermutlich merkt man  es immer erst, wenn man Hals über Kopf verliebt ist.. ins Backen.

Immer wieder stehen Menschen mit geschlossenen Augen in unserer Backstube, saugen den guten Geruch frischen Gebäcks förmlich in sich hinein und erinnern sich... AN FRÜHER. Bei mir war das genau der Grund, ein Studium nicht zu ernst zu nehmen und zu den Wurzeln zurückzukehren, in die Backstube.

Nun hat es die nächste Generation erwischt. Von 4 Kindern ist es Lucia, die Kleinste.
Alle anderen zieht es zu Medizin, in den Zirkus oder zu Greenpeace und zur Schauspielerei. Zumindest vorerst... so richtig weiß man das ja immer erst hinterher.
Und so kommt es, dass Lucia an einem kindergartenfreien Tag nach der Begrüßung der Hühner und Schafe mit den Händen voller Eier und Quitten in die Backstube zurückkehrt... der Quittenbaum lag nämlich auch noch am Weg und es könnte ja sein, dass die herrlich gelben Früchte Gutes ergeben... es ist klar: Lucia hat das Back-Gen.

Und so passiert, was passieren muss.
In der Backstube findet sich an diesem wundervollen Tag, an dem das Frühstück für heute, den Feiertag, vorbereitet wird (freien Tage sind in der Pâtisserie nur scheinbar freie Sofa-Tage), auch ein Teig, der verdammt an Weihnachtsplätzchen erinnert. Und egal, was er eigentlich werden sollte und ohne es geplant zu haben, ist man mitten drin in der Weihnachtsplätzchenbäckerei.

Das alles klingt einem ziemlich glücklichen Zusammentreffen von guten Dingen, denn Lucia passiert das, was ich als Kind bei meiner Oma erlebt habe...  Duft der Backstube, das Kneten des Teiges und die Vorahnung dessen, was passiert, wenn die Plätzchen im Ofen langsam braun werden. Ganz sicher hat Lucia schon im Kopf, wie die Plätzchen verziert werden, denn irgendwann zwischendurch hat sie ihr Prinzesssinnenkleid zum Backen angezogen... es wird also eher üppig werden:)

Da meine Erfahrung mit dem Back-Gen sagt: diese Lust ist sehr nah an der Sucht, bei der man nachts mit dem Backbuch in der Hand im Bett einschläft und von der nächsten Torte träumt oder vor Freude hüpft, wenn die nächste, noch unberührte Backzeitschrift ins Haus trudelt (die förmlich nach neuen Ideen duftet und ab dem ersten Öffnen ihren Wert dadurch bekommt, dass sie wahnsinnig geliebt aussieht und voller Teigspritzer und Eselsohren ist).
Und so wird das, was einmal mit Oma begann, sehr sicher in der nächsten Generation weitergehen.
Wie wundervoll.

Achso... die Plätzchen... die sind was geworden und schon wieder alle. Lucia hat sie verschenkt an alle, die sie liebt. So geht Glück.


Gelegenheit zu ein wenig Nostalgie... haben eure Eltern noch die Flaschen Milch, die aus irgendeinem Grund nicht frisch getrunken wurden stehen gelassen, bis sie richtig schön sauer war, dann abgegossen in ein sauberes Tuch im Sieb bis am Ende mit etwas Geduld Quark daraus wurde?

Zugegeben... als Kind hat mich das mäßig begeistert, aber genaugenommen haben  meine Eltern und Großeltern über Generationen das gemacht, wofür heute Frischkäsebereiter und Co. verkauft werden. Und trotzdem dauert es, bis man die richtigen Zutaten findet, aus denen selbst hergestellter Käse und Quark werden.

Ein Grund für liegt im Milch, was wir in der Pâtisserie auch irgendwann erkannt haben. Glücklicherweise endete unsere Sucherei nach den richtigen Zutaten in der Dittersdorfer Milch GmbH, also netterweise direkt um die Ecke.
Hier können wir so richtig oldscool (oder auch hipp mittlerweile) Milch in Kannen ordern. Drin ist Milch, die für den Käse funktioniert und für uns hat sich mit einem Schlag ein zweites Problem geklärt: Plastikabfall. Keine Tetras mehr, dafür eine große Kanne Milch, die wieder abgeholt und neu befüllt werden kann. Hurra also im doppelten Sinne: naturbelassene Milch als wunderbaren Zutat und Müllvermeidung.

Und an dieser Stelle kommt bei uns in der Pâtisserie Estera ins Spiel, die in 3 Tagen perfekten Käse aus der Dittersdorfer Milch macht. Mit Milch und Lab, Wärme, dem Kühlhaus, weiteren 2 Tagen Geduld, einer Prise Salz und viel Liebe entsteht unser wunderbarer Käse in Salzlake, den unsere Gäste auf dem Frühstückstisch so lieben.

Und heute war wieder so ein Tag,an dem die Milchkanne frisch gefüllt in die Backstube kam und Käsemachen angesagt war:)
Und morgen ist Frühstück. Einfach wunderbar.


Ein bisschen Feenstaub

Hier findet man ihn gleich zweifach...den Feenstaub. Regentin ist die Backfee, aber ohne Blumenfee wäre halt alles nur halb so schön.

Und dass wir es mit Blumen haben, sollte schon lange kein Geheimnis mehr sein. Fast jede unserer Leckereien bekommt ihren letzten Schliff durch etwas, was entweder bei uns im Garten wächst oder zumindest saisonal typisch ist.
[Übrigens wurde gerade unsere Quitte von ihrer üppigen Last befreit und man kann sich auf Leckeres mit Quitten freuen.. in der Pâtisserie und hier auf dem Blog.]

Jeder, der zu uns kommt, begegnet lange vor den herrlichen Torten den Zauberwerken von Simone, unserer Blumenfee. Mindestens viermal im Jahr hat sie eine wunderschöne Idee für die Außendeko.
Was sie für diesen Herbst so alles gezaubert hat, seht ihr hier.
Und wer keine Blumenfee hat, freut sich an den Bildern...
Und... danke Simone!


Gugl-Liebe
Auch, wenn es für eine Backstube alles andere als ökonomisch ist (so ein kleiner Kerl blockiert den Ofen für fast eine Stunde...), tun wir natürlich das, was uns ausmacht...
unsere Priorität gilt der Lust am Essen und wir lieben ganz eindeutig Gugl.

Und natürlich nicht nur wir, denn es hat sich rumgesprochen, dass immer mal ein Gugl in unser tägliches Angebot kullert und es gibt Gäste, die sind genausso süchtig wie wir nach dem Kuchen, den Oma noch immer fleißig in den Muckefuck (oder Blümchenkaffee, Ersatzkaffee oder den, den wir als Kinder auch immer bekamen...) getaucht hat.
So ganz ist aber nicht alles wie früher, denn viele kennen diesen Kuchen auch noch mit Trockenfrüchten und die ursprüngliche thüringische Version kam oft sogar mit Kartoffeln daher.
Und dann ist da ja noch der Aschkuchen, der aber wie der Gugl derselbe Rührkuchen ist, den wir so lieben. In einem tiefen Gefäß/Napf gebacken, wurde er von Oma so genannt und in nicht wenigen Familien in Thüringen hört man das noch heute so.
Lange Rede, kurzer Sinn... so ein gerührter Gugl-Asch-Kuchen wird sogar stylisch und geht noch viel schneller als der große Bruder, wenn man ihn in kleine Mini-Gugl-Förmchen packt. Unser Mini-Gugl-Lieblingsrezept an anderer Stelle, für heute unserer großer Liebling, der Vanille-Gugl.
Ebenso gelingsicher wie lecker und auf den Fotos zu sehen:
Rotweingugl, Nougatgugl, Eierlikörgugl

Aber hier nun endlich der Lieblings-Vanille-Gugl:


 Von Äpfeln, Familie und dem alten Land
Eigentlich wollten wir unterwegs sein in diesem sonnigen Herbst... unterwegs in meine und die Vergangenheit meiner Großeltern, die nicht unbeträchtlich ein Grund dafür ist, dass Ihr jetzt so lecker genießen könnt in Stelzendorf.

Opa erntet noch mit 88 Äpfel, egal wie hoch der Baum ist, Oma hat mir eine nicht totzukriegende Liebe zu allem, was lecker ist, vererbt, beigebracht, sie schätzen gelehrt... wer weiß. Wichtig nur, sie dauert an und ist der Grund für Backbücher im Bett, nur ein freies Wochenende im Monat, immer ein wenig zu wenig Zeit für die Kinder und vor allem aber unbändiges Glück an jedem Tag in meiner Backstube.

Zurück zu den Äpfeln... denn die werden hier noch eine große Rolle spielen. Apfelzeit und Altes Land gehören für mich zusammen und wenn Oma sich nicht just in diesem perfekten Herbst auf ein Kräftemessen mit einem LKW eingelassen hätte, hätten wir den perfektesten Apfelstrudel eingepackt und wären mit der ganzen Familie dorthin gefahren. Apfelstrudel unter Apfelbäumen, den Wind um die Nase wehen lassen, Bäckereien besuchen (man lernt ja nie aus), in Hofläden regionale Produkte finden...

Da das nun alles verschoben werden muss, bleibt der Apfelstrudel, den es natürlich gab und dessen Rezept ich gern mit euch teilen werde.
Nix mit Strudel- oder gar Blätterteig, sondern Mürbeteig muss es bei dieser Variante sein. Opa kommt aus dem Sudetenland, da macht man das so und natürlich habe ich von Oma genau das gelernt. Probiert es aus, in der Pâtisserie war der Strudel in Windeseile ausverkauft... aber ab sofort gibt es ja den eigenen:)

Viel Spaß beim Backen... und wenn euch mal das Fernweh packt... ab ins Alte Land!