LECKER (Page 2)

Torte für zwischendurch

Nicht immer ist Gelegenheit für eine ganze Torte, aber natürlich gibt es hier das eine oder andere Rezept, bei dem mehr als nur die beste Freundin dabei sein muss, um es zu schaffen, bevor so eine Creme oder frische Früchte nicht mehr schmecken. Und eine ganze Torte einzufrosten... das gibt zwar gerade das Wetter vor der Tür her, aber oftmals nicht der Tiefkühler.

Also haben wir beschlossen, ein paar der Tortenrezepte zu "schrumpfen" und diesmal ist es sogar ein hier noch nicht veröffentlichtes Rezept, das eigentlich nur die Backbuchkäufer in der Tortenversion haben.

Das Backbuch bekommt übrigens im Februar seine Nachauflage... wir führen gerade eine Bestell-Liste und informieren alle, sobald der Nachdruck raus ist. Die erste Auflage war weg, bevor es alle so richtig erfahren hatten, aber mit Nr.2 seid ihr ganz sicher rechtzeitig zur Osterzeit dran. Wahrscheinlich gibt es sogar ein Osterspecial extra, daran arbeiten wir gerade. Beides soll so erscheinen, dass genug Vorbereitungszeit für Ostern bleibt.

Weil im Moment oder vielleicht auch prinzipiell die kleinen Versionen gar keine schlechte Idee sind, haben wir die Apfelmus-Blaubeer-Torte aus dem Backbuch für euch in Gläser gepackt.


Bei der Wahl der Backform für die Minis entscheidet man sich am besten nach Sichtung der Zutaten... weil in der Apfelmus-Blaubeer-Torte einige flüssige Bestandteile sind und vielleicht auch nicht jeder dem Thema Gelatine vertraut, haben wir uns hier für die Gläser entschieden, die auch problemlos eingefroren werden können. Immer auch möglich: kleine Dessertringe, zumal wir den Boden vorher auf dem Blech gebacken und dann ausgestochen haben, also keine der Formen hier in den Ofen wandert.

Beim Essen der Miniversion hat sich gezeigt, dass die kleine Version im Unterschied zur großen gern direkt auf die Creme oder auch untergehoben entweder ein wenig gehobelte Zartbitterschokolade oder weisse Schokokugeln vertragen könnte.
Wir vermerken das als Option in den Zutaten.
Noch mehr Minitorten für den kleinen Hunger stehen auf dem Plan. Bleibt also wie immer neugierig:)

Noch 2 Tage...

und schon ist das, was eigentlich ewig hätte dauern sollen (wie jedes Jahr?:) wieder vorbei.

Und... es kommen die 3 Tage des Jahres, die einen einzigartigen Zauber auf uns ausüben. Wir haben bis zum letzten Moment die Backbücher und Kalender versendet... und sind komplett ausverkauft. Es ist wunderbar zu sehen, dass sich all die Mühe nun wirklich gelohnt hat und wir sind wirklich gespannt auf eure Backerlebnisse mit dem Buch.

Und was machen Menschen, denen nicht viele Dinge mehr Entspannung bringen, als backen? Sie packen die Korrekturausdrucke und Speicherkarten bis zum Anfang des Jahres (ja... es wird eine neue Auflage des Backbuches geben für die, die in Runde 1 keines ergattern konnten... wir drucken im Januar nach) in die Ecke und backen... was sonst.

Und weil Weihnachten naht, gibt es hier eine zwar etwas divenhafte, aber beliebte Torte in leicht abgewandelter Form... die Baisertorte. Eigentlich ist sie die perfekte Weihnachtstorte... weiss wie Schnee, oberaus lecker und irgendwie für jeden etwas. Unsere Version (also auch die auf dem Foto) hatte als Füllung ein Orangenmarzipan mit Amarettinicrunch und weißer Schokolade, aber da die Vorbereitung des Orangenmarzipans etwas zeitaufwändig ist und man Weihnachten nicht in der Küche verbringen möchte, reduzieren wir hier für euch das Rezept auf Amarettinicrunch, mit dem die Baisertorte auch einen kleinen Pfiff bekommt und auch die Thüringer Oma, die diese Torte vermutlich schon lange kennt, noch überraschen kann.
(Wer Lust auf Orangenmarzipan hat: zum Amarettinicrunch Orangenmarzipan unterrühren, bevor der Crunch auf den Baiserboden gelangt...die Vorgehensweise bleibt also dieselbe, es dauert nur länger.)

Wir haben auf der Baisertorte mit Orangenmarzipan auf Deko ganz verzichtet und als letzte Schicht nur Baiser gewählt, das mit dem Brenner kurz gebräunt wurde. Da in dem Rezept, das wir hier für euch notieren, das Orangenmarzipan fehlt, kann ruhig etwas Säure AUF die Torte und wir würden empfehlen, für die Deko (nicht nur aus optischen Gründen) auf Granatapfelkerne zurückzugreifen... Wir vermerken das als Hinweis im Rezept.

Da man Baiser und Amarettinicrunch gut am Vortag vorbereiten kann, dauert die Torte nicht sehr lange und blockiert euren Tiefkühler nur minimal. Reste dürften nicht entstehen, sodass nach dem Kaffee dann wieder Platz im Tiefkühler sein sollte... Im Prinzip stapelt ihr am Tag des Essens nur die Böden und geschlagene Sahne... am besten gleich nach dem Aufstehen... und habt am Nachmittag eine schön gefrorene Baisertorte. Nach dem Schneiden der Stücke (Messer... heißes Wasser) noch ein paar Minütchen warten und schon hat die Torte die perfekte Konsistenz zwischen tiefgefroren und leicht angetaut, die sie unwiderstehlich macht. Habt Mut, auch, wenn es vorher vermutlich zu knapp für einen Test wird. Es kann eigentlich nix schieflaufen und ihr könnt die Torte auch servieren, wenn ihr sie noch niemals vorher gemacht habt.

Und hier ist sie, die Baisertorte, die bei uns genau 1 Tag (ohne Gäste) überlebt hat...:)

 

Freestyle-Backen

Wir haben uns etwas rar gemacht, was klar mit dem Backbuch zu tun hat, das aber inhaltlich  nahezu fertig, mehrmals korrekturgelesen (danke an alle tapferen Leser ♥ ) ist und demnächst in den Probedruck geht. Für Blogbeiträge ist einfach wenig Hirn übrig, weil jeder Gedanke um Rezepte kreist und darum, was alles noch zu sagen gibt bei einem Backbuch, das viel Mit- und Hineindenken braucht und für "exakt-Rezept-Abarbeiter" schon eine Herausforderung darstellt.

Und genau in diesem Moment entsteht ein Rezept, voller Freestyle... wie das eben so ist. Eigentlich waren nur die Komponenten klar, also ein Kürbiskernteig aus einem Rezept, das ich gelesen hatte und Birnen, weil die schon ewig als Thema auf der to do Liste standen und mir ein Dessert über den Weg gelaufen war, das Birnen und Kardamom vereint... beides gerade so ziemlich meine Lieblinge.

Und: mit halbem Ohr zugehört aus einer Kochshow das Wort "Kürbiskerncrumble"...
Genug Trigger für ein Sonntagskuchenrezept und wenn der Teig klar ist und die Hauptzutaten im Haus,  kann es ja zumindest schon einmal losgehen. Machte es... und irgendwie schmuggelte sich mitten im Kürbiskernhacken dann noch Quark rein und der Crumble modifizierte stark und wurde zu karamellisierten Kürbiskernen. Amaretto war gar nicht geplant, fand seinen Weg ins Rezept nur, weil ich mich nicht durchringen konnte, Marzipan aufzulösen oder Bittermandelaroma in den Kuchen zu geben (was ihr natürlich machen könnt). So gehts.

Und als wäre das alles noch nicht Freestyle genug, war mir erst, als der Kuchen bereits im Ofen war klar, dass eigentlich in den Crumble, der dann eh schon keiner mehr war, keine Amarettini gehörten sondern Cantucci (mein Rezept-Idee-Zettel sagt das auch eindeutig) und dass da irgendwo noch geschmolzene Butter rumsteht, die tatsächlich nicht übrig sein sollte...
Hier erwies sich die ebenfalls zufällige Entscheidung für den Quark als goldrichtig, denn die Butter fehlte im Boden...autsch... aber da zu diesem Zeitpunkt eh nix mehr zu retten war, durfte der Kuchen weiterbacken und die Dinge kommen, wie sie kommen sollten.
Es landete etwas mehr Butter in den Birnen (und auf dem Kuchen) und die Quarkschicht hatte dafür gesorgt, dass alles trotzdem nicht zu trocken geworden war. Der Kuchen war ein Gedicht und ein neues Rezept geboren... (natürlich MIT Butter im Teig).

Blieb nur noch die Schwierigkeit, aus den ursprünglichen Grundgedanken das echte Rezept nachzuvollziehen bei soviel Freestyle. Jetzt steht es hier, der Kuchen ist bereits alle und DER Beweis dafür, dass Backen nicht ganz zurecht den Ruf hat, keinen Freestyle zu vertragen. Natürlich muss etwas Grundwissen her und ab und an wird Freestyle zur Enttäuschung... aber so ist das ganze Leben.
"Abenteuer beginnen, wo Pläne enden."
Lasst es euch schmecken:)

Von Sommerglück und Inspirationen

Oft muss man Dinge erst verlieren, um zu merken, was sie wert sind.
Uns geht es gerade so mit einem Kischbaum. Der ist schon ewig da und hat sich vor Jahren mehr oder minder ins Leben geschmuggelt, indem ein versehentlich abgemähter Kirschbaum aus dem Baumarkt dem Rasenmäher zum Opfer fiel und aus dem Setzling unter der Veredlungsstelle wieder das wurde, was er mal war... eine Wildkirsche.

Die ist nun da und bringt jedes Jahr aufs Neue fast unerntbare Kirschen (...darüber hinaus sind sie nur einen Bruchteil so gross wie die veredelten Sorten, was die Ernte mühseelig macht), weil sie nicht sehr günstig steht. Eigentlich werden immer nur die unteren Äste leer und über den Rest freuen sich die Vögel. Dass diese Ignoranz ein grundlegender Fehler war, wird mir wirklich erst in diesem Jahr klar, einem Jahr, in dem ich entweder langsam zu begreifen beginne, was gutes Essen bedeutet oder diese ganze Backerei dankbar all da annimmt, was die Jahreszeiten so bieten. Ich habe sie wirklich nie so richtig gekostet... dabei schmecken sie richtig gereift ganz tief nach Kirsche, fast in wenig wie eingelegte Kirschen...weder sauer noch süss... einfach nur aromatisch. Sie sind wunderbar saftig und man sieht aus, als hätte man ein Blutbad veranstaltet, wenn man der Entkerner sein darf:) Aber all diese Schweinerei steht in keinemVerhältnis zum Genuss, der auf einen wartet. Irgendwie geht so Glück.

Nun gut... dieses Jahr ist leider das letzte dieses wunderbaren Baumes, der weichen muss, damit der Teich, an dem er steht, repariert werden kann. Wir hoffen, Setzlinge ziehen zu können und nutzen dieses letzte Jahr, um wirklich alle Kirschen irgendwie zu verwerten. Das heisst... es gibt in den kommenden Wochen ab und an mal ein Kirschrezept an dieser Stelle, denn die Früchte sind wirklich die Entdeckung dieses Sommers für mich.

Das gesamte Wochenende musste jeder, der sich in meine Nähe getraut hat, Gebackenes mit Kirschen kosten, was unter anderem den Hintergrund hat, das wir gerade intensiv am Backbuch arbeiten, das schon Ende des letzten Jahres kommen sollte. Mancher erinnert sich vielleicht, dass wir einmal um eure Lieblingsrezepte baten.

Der Plan war, das Backbuch mit Lieblingsrezepten zu füllen, die bestenfalls auch schon Leben haben, also irgendwie von Oma stammen oder Erinnerungen an die Kindheit sind. Wir haben einige bekommen... diese auch gut aufbewahrt, uns aber entschieden, dass diese einen Platz auf dem Blog bekommen, das Buch aber mit welchen gefüllt wird, die aus unserer eigenen Feder stammen. Das hat vorrangig rechtliche Gründe. Rezepte unterliegen wie Fotos und Texte einem Urheberschutz, wenn sie kommerziell genutzt werden. Das betrifft niemanden, der privat seine Bäckereien auf einem der vielen Portale veröffentlicht, aber uns. Da wir nicht einschätzen können, wieviel von einem Rezept wirklich Eigenschöpfung ist (und die eingereichten zum Teil aus solchen Portalen stammten, was sie natürlich trotzdem zum Lieblingsrezept machen kann), ist Selbermachen die sicherste Lösung.

Und natürlich ist es wie mit dem Fahrrad, das egal, was es an Neuentwicklung gibt, nie grundsätzlich neu erfunden werden kann... man "klaut" immer irgendwie irgendwo, indem man (auch unterbewusst) Ideen nutzt, sich inspirieren lässt... Ein Hefeteig ist ein Hefeteig, auch wenn es gefühlt 100 Rezepte dafür geben mag... aber am Ende wird ein Rezept nur das Eigene, wenn man neu kombiniert, Geschmäcker und Texturen auf die eigene Art zusammenfügt und seine eigene Intuition anschaltet, wenn es darum geht, etwas zu backen.
Man muss also keinen neuen Trend schaffen (zumal die meisten eh aus Amerika stammen und irgendwann hier landen, oft aber nur aus Alt mach Neu  heissen)... oftmals ist es spannend, einem Koch über die Schulter zu schauen und zu sehen, was ein Kräutergarten hergibt oder die Backtraditionen anderer Nationen als Inspiration zu nehmen.

Was passiert, werdet ihr im Backbuch merken... ihr werdet lernen müssen, eurer Intuition zu trauen. Es ist schwer vorzuschreiben, wieviel Zucker man wirklich braucht (weil jeder entsprechend seiner sonstigen Ernährungsweise ein ganz eigenes Gefühl von SÜSS hat) oder ob von einer Frucht 200 oder 250g als Zutat nötig sind (weil jede anders schmeckt, unterschiedlich in der Konsistenz ist...) und manchmal braucht es einfach die Entscheidung, dass Nüsse ebenso verwendbar sind wie Mandeln, wenn man eben nur die im Haus hat. Wir wollen, dass ihr euch traut, dass es egal ist, ob ein Ergebnis genau so aussieht wie im Backbuch und vielleicht braucht  es auch die Erkenntnis, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn man mal eine Torte löffeln muss... Also keine Vorschriften bis ins Detail.

Kürzlich brachte die Drehscheibe vom ZDF zwei Rezepte von Doreen (Videos und Rezepte auf der Website von Doreen und bis Juli 2021  >HIER in der Mediathek des ZDF) und  es gab tatsächlich Kommentare, dass im Rezept enthaltene Zutaten nicht im Video zu sehen waren, wie sie in den Kuchen wanderten. Um dem Backen ein wenig den Glorienschein zu nehmen.. es kann wirklich sein, dass diese Backzutat fehlte und der Kuchen trotzdem toll war... oder... sie war drin und der Kameramann, der natürlich kein Bäcker ist, hatte die Sequenz nicht auf dem Schirm... seht es etwas lockerer, vertraut eurem Gefühl und euren Sinnen... nur dann wird Backen unabhängig vom Ergebnis zum Genuss.
Denn am Ende geht es darum... dass schon das Machen selbst besonders ist, weil man sonst nie das erleben kann, was der Umgang mit guten Zutaten an Bereicherung bereit hält.

Ihr werdet also vermutlich mit dem Backbuch wachsen, euch Fragen selbst beantworten, die eine oder andere Zutat mal todesmutig ersetzen oder weglassen und erleben, wie man Backen verstehen lernt. Es braucht Zeit... aber halt auch die Gelegenheit dazu und die sind dann in diesem Fall unsere Rezepte 🙂

Also nutzen wir den Sommer, um endlich diesen Plan vom letzen Jahr, den wir daraufhin in der Corona-Pause schaffen wollten (naja... die war dann doch deutlich zu wenig  Pause) umzusetzen. Ab und an gibt es schonmal ein Rezept hier, wie heute eine Kirschlimo. Einen kleinen Kuchen im Glas aus Schokoteig mit Milchreiscreme, Kirschen und Pfirsisch findet ihr in den nächsten Tagen auch noch unter den Rezepten, also lohnt es sich, nochmal hier reinzuschauen.

Wer wie wir einen Kirschbaum hat, der gerade voller Früchte hängt, sollte in den Froster packen, was geht... Auch für die Winterzeit gibt es tolle Rezepte mit schwereren, reichhaltigeren Teigen und Kirschen. Da uns aber gerade die Sonne verwöhnt, hier eine schön erfrischende Limo, die auf Vorrat gemacht werden kann, weil sie aus Fruchtpüree und Sirup besteht, das alles gekühlt etwas haltbar ist.
Macht es euch schön, geniesst die sommerlichen Gerüche und Aromen und freut euch auf alles, was kommt:)

Ja, wir leben noch...

Wir hatten uns ja selbst geschworen, nur zu schreiben, wenn es etwas zu sagen gibt und nicht der Gewohnheit wegen einfach irgendwas irgendwie jeden Tag.

Ich habe kürzlich eine der täglichen Instagram-Storys einer jungen Frau gesehen und mich in kürzester Zeit tot gelangweilt und gefragt, was eigentlich der Anlass für das Ganze war. Es gab weder etwas zu sagen noch war das Nichts wenigstens nett verpackt. Wozu also anderen die Zeit klauen?
Gäbe es einen Knigge 2.0 (nettes Thema übrigens... da würde ich glatt reinschreiben, dass zu exzessives Rasenmähen auch unter PEINLICHKEIT zählen muss ab sofort...aber ich schweife ab. Das ist dann schon wieder das Welt-retten-Thema.), müsste "Menschen mit Nichts die Zeit zu stehlen" auch mit rein...

Aber das Thema ist es bei uns gar nicht... nichts zu sagen gibt's eigentlich nie, abgesehen davon, dass man manches nicht besser macht, wenn man das Fass auch noch aufmacht...
"Man bekommt die Welt nicht bessergemeckert..." Immer wieder dieser nette Spruch.

Bei uns ist es eher wirklich die Gelegenheit, die fehlt...mittlerweile backe ich nachts 24 Uhr die Brote, die ich irgendwann nachmittags endlich zum in Ruhe Gehen angesetzt habe  (nicht die Brote... die Hefe:)), Doreen schafft es nicht, die Kühltheke so schnell zu füllen, wie sie leergefuttert ist. Gottseidank hat sie zwei Paar helfende Hände in der Backstube... es lebe das Praktikum. Man wird sehen, ob daraus die Backleidenschaft wird, die uns längst im Griff hat oder die Erkenntnis, die mein Kind bei einem  Praktikum in einer Konditorei hatte... morgens 4 Uhr aufstehen, damit man per Bus und Zug kurz vor 7 in der Backstube stand... und das war schon spät.
Das Backen selbst war das Gute, aber Torten wurden vorrangig fürs Wochenende gemacht, sodass neben unchristlichem Aufstehen auch das halbe Wochenende hin war. Es blieb die Erkenntnis, dass das Backen schon toll war, aber der Job nicht der, der zum Lebensentwurf passt.

Das sind übrigens auch die zwei Seiten der Sache... es ist schwer, jemandem das Gefühl zu erklären, was man hat, wenn man selbstvergessen Fruchtmus rührt und sich vom Duft  wie von weicher Zuckerwatte eingehüllt fühlt oder einen Laib Brot das letzte Mal rund formt, bevor er in den Ofen geht und den luftigen Hefeteig unter den Händen spürt, der klar macht, dass das, wenn man jetzt die Zeit im Ofen noch im Griff hat, eine wirkliche Offenbarung wird.
Dem gegenüber steht das, was man tun muss, um sich immer weiterzuentwickeln, neue Rezepte zu probieren, nicht aufzugeben, wenn das wirklich verlockend klingende Rezept einfach nur Mist geworden ist und es zurück auf Anfang geht oder die Zeit einem im Nacken sitzt und mal wieder nichts gelingt.

Es ist immer ein Auf und Ab... genauso übrigens mit dem Rezept, das schon letzte Woche hier stehen sollte.
Es hat dann doch gedauert (und die realeTarte ist längst gegessen), weil wir an einer wirklich schönen Sache arbeiten, über die später hier geschrieben werden wird:)

Thema war aber die Erdbeertarte...eigentlich die Tartelletts, aus der durch den nächsten Erdbeerfeldbesuch dann doch noch eine Tarte wurde...
Da kleiner ja immer geht, hier das Rezept für die grosse Tarte, für ca. 8 Tartellets die Zutaten einfach halbieren... in  etwa.:) Wir hatten das ja schon... ein bisschen mehr oder weniger von allem ist beim Backen immer auch richtig... auch wenn das nicht jeder unterschreiben würde. Aber ich glaube, das funktioniert nur nicht, wenn das Bauchgefühl ausgeschalten ist. Mit Liebe gebacken hat man irgendwann ein Gefühl dafür, was geht und wo noch nachgeholfen werden muss. Und notfalls wird die Tarte gelöffelt:))

Und hier nun endlich das Rezept:

Ich kann schon seit Jahren wenig anfangen mit den Erdbeertorten auf trocken-sandigem Buiskuit (bestenfalls der Eile wegen noch für knapp einen Euro aus dem Supermarkt). Manchmal musste die dreifache Menge Pudding das Ganze retten, aber es dauert scheinbar ein wenig, ehe man den Geschichten  der eigenen Familie zuhört...der von Erdbeertartes in Frankreich auf dem Weg zu einem Auftrag... sündhaft teuer, knusprigerBoden, kein Guss... aber unvergesslich.

Nach der Ladung der oberleckeren Tarteletts (gottseidank aus Faulheit lieber schnell mit Mürbeteig statt Buiskuit, weil der Mixer im Schrank bleiben konnte) endlich der Klick im Kopf... selbst auf das Risiko hin, dass der Boden beim Schneiden auseinanderfällt: Mürbeteig muss unter die Erdbeeren.
Tattaa....und da ist sie, die wirklich unverschämt leckere französische Erdbeertarte. Ohne Creme Patissiêre, das ist der einzige Abweg vom Klassiker...naja...und der Nussmürbeteig... Also doch ganz schön abwegig toll:)

Genießt Sie... habt den Mut zu glauben, dass ihr den Mürbeteig heil aus der Form bekommt... wer Tartes liebt, legt sich vielleicht ja bei der Gelegenheit sogar eine Tarteform mit Hebeboden zu. Ich habe es relativ uneitel und mit Rücksicht auf volle Küchenschränke so gelöst, dass ich eine runde Silikonform genutzt, den Teig vor dem Stürzen schön auskühlen und ihn vorher kross backen lassen habe (deshalb die dunkle Farbe). Dann die wunderbare Creme drauf, reichlich frische Erdbeeren und alle Lücken gefüllt mit süssen, in Gelierzucker gekochten Erdbeeren.

Zum Schluss das Ganze schön gekühlt serviert und gehofft, genug abzubekommen:)))