Warum man vielleicht doch nicht nichts sagen darf

Ziemlich spontan wurden gestern Lucia (7), Paul (8), Cara (16) und Celine (18) in Stelzendorf zu Interviewpartnern... vielleicht, weil immer wieder Artikel auftauchen, in denen es um Kinder geht und darum, wie sie ihr Leben gerade empfinden...
Die OTZ schließt sich an und befragt die, deren Eltern das Thema schon lange nicht mehr unter den Tisch gekehrt sehen wollen.

Nie zu wissen, wie die nächste Woche aussehen wird, ist eine zeitlang sicher spannend und war im Frühjahr mit viel Sonne und der Möglichleit, den ganzen Tag draussen zu sein, auch etwas anderes... aber die Neuauflage entwickelt sich durch ständig in neuen Konstellationen auftauchenden Quarantänen zum Problem... auch für Kinder und Jugendliche.

Die  ersten Prüfungstermine in Caras Jahrgang beginnen zu wackeln und wenn man dann Celines Geschichte hört, die jetzt bäckt, statt vor dem Studium, das vorerst auch ins Wasser fällt (kein Auslandsstudium mehr... mehr Studenten in Deutschland... härtere  Zugangsbedingungen trotz prima Abi), ist das der erste, einfach zu frühe Vorgeschmack auf ein Leben voller Beschränkungen. Dass das verunsichert und alles andere als neugierig und weltoffen macht, ist verständlich.

Wir wollten Corona hier eigentlich rauslassen, weil es einfach massiv ungesund ist, den Tag damit zu beginnen und zu beenden, weil Unsicherheit, Frust, Angst oder Fassungslosigkeit nicht viel gesünder für den täglichen Gebrauch sind, als Zigaretten, Alkohol oder FastFood.
Aber nachdem wir einen halben Tag darüber nachgedacht haben, wie man nun formuliert, dass die Patisserie zu ist und die Lage gleichzeitig demotiviert, zumal keine Eckdaten (Unterstützung für die Gastro, Dauer des Lockdowns) klar sind, aber trotzdem immer irgendwas gebacken wird und die Tür offen steht.. aber eben nicht einforderbar, weil es auch keinen Sinn macht, einen Kühltheke mit verderblicher Ware zu füllen, wenn keiner weiß, ob wer kommt.

Allein das zu lesen erschöpft und eigentlich trifft es dieses Wort ganz gut. Das Hin-und her erschöpft... man ist es leid, sich täglich mehrere  Corona-Updates reinzuziehen, die am Ende mehr Fragezeichen hinterlassen als endlich verlässliche Antworten, weil irgendwie auch keiner so recht interessiert erscheint, sinnvolle Wege zu gehen.

Was Lockdown 1 von Nr.2 deutlich unterscheidet ist die Kälte... nicht die draussen... eher die im täglichen Umgang. Man fragt sich, wie in aller Welt man in diese Realität geraten konnte. Da müssen Menschen allein sterben, weil Corona bekommen schlimmer gemacht wird als der tatsächliche greifbare Tod (tatsächlich Realität und zutiefst unethisch)... da vereinsamen Menschen, zerbröseln Familien, weil jeder seine eigene Meinung zu den Dingen hat und man sich mit dem nahe Sein so ganz und gar uneins ist... Kinder werden plötzlich isoliert, weil sie mit den "falschen" Menschen zu einer Freizeit zusammengetroffen sind und ein Coronafall sie selbst zum Quarantänefall macht, der streng isoliert aus der Schule entfernt wird... und wir beginnen, Gefallen an Kontrolle zu finden. Zivilcourage scheint mehr denn je ein Fremdwort zu werden... selbst da, wo sie mehr als nur nötig wäre... und aus dem kreativen Miteinander des ersten Lockdowns ist ein selbstbeschützendes, resigniertes Ignorieren geworden.

Und plötzlich haben wir zur selbstgewählten Isolation, die wir unserem Umgang mit  Smartphones zuzuschreiben haben auch noch diese angeordnete, mit abschreckenden Strafen belegte. Corona ist die Ausrede für alles... vor allem, für Menschlichkeit und sinnvolles Tun.
Da passiert es dann auch, dass ein ignorant beantworteter Post auf Facebook das Thema Kinder auf den Plan ruft, deren (emotionale) Not wir ebenso schön übersehen wollen wie die vieler, die es nicht mehr ertragen, im Halbtagestakt zu googeln, was man überhaupt darf.

Es ist keine Option, so zu leben und ich finde es zutiefst verstörend, in einer Welt zu leben, in der ich meine Eltern fragen muss, was die Alternative sei, wenn sie mich nun nicht besuchen wollen, weil ja alles so gefährlich ist. Uns nie wieder zu besuchen??
Auch Paul darf seine Freunde nachmittags nicht treffen, weil irgendwer das formale Risiko, an einem Virus (beim Treffen mit denen, die vormittags neben ihm in der Klasse sitzen) zu erkranken , gegenüber dem höher bewertet, was es bedeutet, keine sozialen Kontakte mehr zu haben.

Aufwand und Nutzen... eigentlich ist es das, an dem wir bisher die Dinge gemessen haben... irgendwie sind die Proportionen verrutscht, ist der Maßstab verloren gegangen.
Gut, dass ich heute Glück hatte und mit einem Glückskeks von Lucia die Patisserie verlassen habe. Ein wenig Weihnachtsduft schon (das allein war bereits sehr seelenstreichelnd) und dann die Möglichkeit, immer wenn's mal so richtig blöd läuft, eine (Glücks)Ecke abbeißen zu können... so als Trost... Ich habe 2 Kekse... 12 Ecken... dann hoffen wir mal, dass das reicht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × vier =