Zeit für Anderszeit

Es ist Montag und ich schwebe immer noch ein wenig wie auf Wolke 7.
Und nein, es war kein Urlaub, kein Fest, kein Shoppingtag, kein Geburtstag... nur Wochenende, vor allem Sonntag.

Ein Fest des Weglassens irgendwie. Und tatsächlich ein Sonntag mit einem kleinen verschämten Gedanken an Doreen, bei der die Pâtisserie sicher aus allen Nähten platzt und gleich doppelter Zufriedenheit auf meiner Seite, weil mein Tag zwar zu früh (danke, ihr Vierbeiner...) beginnt, aber mit einer Tasse Kaffee und dem einen oder anderen kleinen Schwatz mit einem Freund. Der bereichert spontan unser Wochenende, weil er eh unterwegs ist und sein Boot mal schnell in Thüringen parkt, weil das an Ostern die thüringer Gewässer testen soll.

(Vielleicht lässt er sich ja überreden, davon zu berichten, dann gibst hier demnächst etwas zu lesen.)

Dankenswerterweise gab's nix vorzubereiten, weil man nur vorbereiten kann, was man geplant hat... Schön.
Auch schön... ein entspannter später Abend, an dem ich tatsächlich noch Freunde treffen konnte, ohne unter Zeitdruck zu geraten, weil das ganze Wochenende unter dem Motto SPONTAN zu stehen schien.
Warum das alles, was viele andere vermutlich maßlos in Panik versetzen würde, bei uns so entspannt ablief, lässt sich recht einfach erklären. Es ist dasselbe Thema, das unseren Alltag in ein Irrenhaus verwandelt:
Zeitqualität, also wie schnell oder langsam wir Zeitabschnitte wahrnehmen und gestalten.

Wir sind nur dann entspannt und zufrieden,wenn unser Leben in verschiedenen Zeitqualitäten abläuft.
Ein normaler Alltag fühlt sich schnell wie Hamsterrad an, weil einfach alles im System von to-do-Listen abgearbeitet wird. Egal ob Job, Familie oder Freunde... der Tag hat 24h und alles, was ansteht, wandert auf diese Liste und knabbert an den 24h, in denen dann auch noch geschlafen werden muss (beim Schreiben erst merke ich, dass ich hier eigentlich DARF hätte schreiben müssen, aber ich habe MUSS gedacht...)

Und selbst wenn ich mich freue, Freunde zu treffen,weiß ich, dass das von meine 24h abgeht und ich eigentlich in dieser Zeit die Wäsche hätte machen können, vielleicht mal das Päckchen an meine Oma packen,was seit 3 Wochen passieren soll, der Ofen vermutlich beim nächsten Anfeuern immer noch qualmt, weil wir immer erst beim nächsten Feuer merken, dass der Abzug gereinigt werden muss...oder ich hätte einfach schlafen können.

Ich habe im Internet einen tollen Begriff dafür gefunden: Zeitliche Artenvielfalt. Also ruhig Stress, aber auch komplettes Nichtstun, ein bisschen Dümpelei, wildes Leben, volle Power und Couchschlaffheit.
Jeder für sich muss da sein Rezept finden, das richtige Maß an allem, das ihn glücklich macht (was auch einschließt, wann und wieviele Menschen man um sich braucht).

Ich persönlich kann ganz gut ohne ständigen Trubel, die richtigen, von mir aus auch spontan und vorbeirauschend wie ein Orkan sind mir lieber, als langes aufwändiges Vorbereiten von ausuferndem Zusammensein, das meinen Tag so sehr schrumpfen lässt, dass ich nichtmal mehr Zeit habe, in Ruhe sacken zu lassen, dass es schön war, sich zu sehen.
Vielleicht war‘s deshalb auch toll, dass einer der Spontanbesuche mitten in der Nacht stattfand, nur, weil bei uns noch Licht brannte und nur eine halbe Stunde dauerte... ein netter Plausch zur Nacht:)

Es soll ein bereicherndes Buch zum Thema geben (Das Lob der Pause), das erklärt, warum unproduktive Zeiten wichtig sind und dass entweder-oder keine Lösung ist (also weder ständige Hektik macht den Berg kleiner, ständiges Entspannen bringt es aber auch nicht), sondern ein gesundes Gemisch.
Also pfeif auf die Wäsche, das Ofenproblem löst sich vorerst mit dem Frühling und das Paket an Oma hat so lange gelegen, dass es eben wird, wann es wird...

Stattdessen krönt das Wochenende dieser wunderbare Sonntag mit den Kaffeeklatschgesprächen am Morgen, einer Backorgie, die den halben Tag in Anspruch genommen hat und deren Ergebnisse es hier als Rezepte geben wird und einem Spaziergang mit wild im Schneeregen herumrennenden Hunden.
Nichts Besonderes. Aber lauter Lieblingssachen ohne Termindruck, nichts Virtuelles, nur viel Luft für alles.

Vorhaben, aber keine to-do-Listen, die schon allein bei ihrem Anblick rufen "das schaffst du eh alles nicht".
Andauernde Negativeindrücken setzen dauerhaft unter Stress und geben das Gefühl,dass einem das Leben entgleitet und man kann das Geschaffte weder wertschätzen noch daraus Kraft ziehen.
Eine wunderbare Idee: das Gegenteil... Listen, was ich heute alle NICHT tue. (Ich liebe Kalender mit Spalten, in denen ich Dinge notieren kann, die dran sind, wenn sie eben dran sind. Nicht eher, halt irgendwann später.)

Und deshalb gibts auch täglich mitten am Tag eine Miniauszeit zu einer Zeit, zu der  dieser kleine fiese Nörgler in mir immer schreit "eigentlich müsstest du..." und zu der andere Vierbeiner keine Gelegenheit zum draußen Herumrennen bekommen, einen Spaziergang, der sich jeden Tag aufs neue wie eine riesige Freiheit anfühlt und alles dann ganz leicht erscheinen lässt... eben langsam im schnellen Einerlei des Tages.

Probiert es aus... werft die Bremse rein, wenn sich alles anfühlt, als würdet ihr euch gleich selbst überholen und genießt dann, dass wuselige Chaos danach... lasst weg, was nicht mehr in den Tag passt und denkt nicht drüber nach, eine  übervolle Liste des nächsten Tages noch mehr zu überfüllen.

Lasst dem Leben einfach ein wenig mehr Sonntagsluft.

UND...

Mein Sonntag hatte Luft für Osterrezepte.
Hier gleich die Lösung für mein Osterkranzproblem...ich mag trotz dicker Butterschicht und Marmelade die trockene Version einfach nicht. Aber dieses Jahr wird alles anders... es gibt Osterzöpfe in schön fluffiger Form mit Eierlikör-Frischkäse (der Eierlikör entstand mal abends nebenbei...das ist wirklich wenig Hexerei, nur Vorbereitung) und Birnen gefüllt.
Und wer es etwas aufwändiger mag: Oster-Möhren-Törtchen mit Eierlikör- und Preiselbeercreme... das passende Rezept nach einem Klick auf den Menüpunkt REZEPTE...
Traut es euch auch ohne große Testphase und überrascht euch selbst an Ostern:))

 


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