…oder: Don‘t forget To hüpf

Irgendwann landete in meiner unermessliche Sprüchesammlung (Warum sagen Menschen eigentlich so viel Kluges und schaffen es nicht, danach zu leben?)... nein... kein Pippi Langstrumpf -Spruch, aber dieser:

(hier gern Spruch auf A4 downloaden: dont't forget to hüpf)

Wäre es zu Lindgrens Zeiten schon Mode gewesen, alles in sprachübergreifende Texte zu packen, dann hätte sie sicher großen Gefallen an diesem Spruch gefunden und ihn glatt in Pippis Vorrat gepackt🙃

Aber Pippi sein, ist irgendwie jenseits der 6 nicht mehr ganz so einfach. Nicht allein, dass man doch ab und an mal die Kinderrutsche nimmt oder so fast jeder Mann irgendwann im Leben mal ein Baumhaus baut, das er lieber bewohnt als der Nachwuchs, bringt einem das schöne wohlige Kindergefühl zurück, sondern, dass man wirklich irgendwann den Mumm hat (oder sich die Zeit nimmt) die tagtäglichen Abläufe umzukrempeln.

Irgendwie liebt unser Gehirn Wiederholungen... das, was schon funktioniert hat, wird auch wieder funktionieren, also wird's gemacht wie immer. Und schon sind wir, auch vermutlich aus Energiespargründen, im Hamsterradmodus. Wir tun die Dinge einfach so, wie wir sie tun und mit der Zeit sind wir so geübt darin, dass uns nicht mal mehr ein Zweifel daran hindert, genauso weiterzumachen...
(Den Zweifel auszuräumen würde mich wiederum eh nur die Energie kosten: die, mein eigenes Muster infrage zu stellen und die, mein Umfeld zu überzeugen. Du willst aus der Wohnung raus? Ach nein... der Wohnungsmarkt ist so zu, das gelingt dir nie... eigentlich ist es doch ganz schön so... ODER... Du willst dich selbständig machen? Diese Unsicherheit würde ich nicht in Kauf nehmen (vergessend, dass jeder Arbeitgeber selbstständig ist und damit auch jeder Arbeitnehmer ebenso unsicher wie jeder Selbständige...).
In jedem Fall rauben dir zu den eigenen Zweifeln die Zweifel der Zweifler zusätzlich Energie und jeder noch so kleine Neuanfang wird zur Aufgabe.

Gottseidank gibt's da aber jetzt die Rettung: Podcasts und Coaching-Seiten, die dir sagen, wie du dich selbst optimieren kannst... dein Hamsterrad anhältst und ein guter Mensch wirst. Da nehmen wir 20 kg ab und passen in die Klamotten unserer Kinder, probieren den neuesten Ernährungstrend oder plappern die Leitsätze der PsychoPodcasts nach, die uns binnen dreier Folgen zur Erkenntnis geführt haben, dass ich wertvoll bin, mich gut fühle und vor allem glÜcklich (!).
Soweit so gut, nur haben eben die meisten Dinge so ihren Grund und dem würde man sich mit ein bisschen Pippi sein viel eher nähern, als mit einem Podcast-Abo. Aber dieses Fass (auch manchmal ohne Boden) ist den meisten dann doch zu tief und statt sich der Pippi in uns an die Fersen zu heften, sperren wir sie deshalb lieber energiesparend  ins Hamsterrad. Klappe zu, Affe tot, Dauerabo Hamsterrad zum Sonderpreis.

Dabei könnte es einfach sein... dem Hamster in uns gefällt nämlich nur die geplante Dauerbewegung. Einfach nicht mehr hinterherrennen, aufhören, zu machen, was andere vorschlagen, in sich reinhören und schauen, wohin einen das führt. Bestenfalls eben nach einigen Schlaglöchern, der einen oder anderen Falle, ein paar unangenehmen Entdeckungen, etwas Labyrinthgefühl und Mutlosigkeit dann doch dahin, wo das Glück ist.

Das wirkliche Glück ist flüchtig wie ein Duft, erwischt einen meist unverhofft und bleibt oft nur kurz und als Ahnung dessen, was es war.
Die Menschen, die ich kennengelernt habe und als glücklich oder zufrieden bezeichnen würde, haben nicht den Ansatz des Bedürfnisses, jemandem zu erklären, sie seien glücklich, Sie SIND es einfach... und sie haben es sich verdient. (Nicht, weil sie besser oder klüger sind, sondern weil sie sich getraut haben, den Weg zu gehen, der nur ihrer ist und auf dem man manchmal keinen neben sich hat, bis an der nächsten Ecke dann doch jemand ist, der einen ein Stück begleitet.)
Das sind die mit dem Bedürfnis zu dem zu finden, was sie wirklich ausmacht, was ihnen wichtig ist, was sie geben können und was das eigene Leben bereichern kann. Sie geben nicht UM ZU... sondern tun es einfach und vergessen kurz darauf, dass sie es überhaupt getan haben... weil es dazugehört wie atmen.
Ihnen begegnen Gelegenheiten und Menschen, die es ihnen leichter machen, etwas zu begreifen... und manchmal sind das eben auch Podcasts, Bücher oder eine Erfahrung mit einem Menschen, meist aber nur die Begegnung mit sich selbst. Sie messen sich recht wenig und es gibt keinen Preis zu gewinnen... ausser dem, dass man Stück für Stück nicht mehr so viel muss... und dadurch mehr kann, weil man eben nur sich selbst genügen muss. Das wiederum klingt nach Pippi in der Nachbarschaft.

Aber wir Menschen sind nun mal wie wir sind und es fällt uns mal leichter und mal schwerer, die Dinge, überhaupt infrage zu stellen, zu erkennen, ob sie zu uns gehören oder wir sie nur übernommen haben und sie uns eigentlich zu viel Kraft kosten.
Es ist, als würde uns die Sparflamme, auf der das Gehirn dann laufen darf, die Kraft für das sich immer schneller drehende Hamsterrad geben. Und nix mehr mit hüpfen... nicht im Rad.

Der Anlass für all die Hamsterradgedanken sind Begegnungen in den letzten Wochen. Ich begegne aktiven, wachen Menschen, denen irgendwie die Kraft ausgeht, die sich ausgelaugt und müde fühlen.
Das liegt nicht zuletzt an den sich tagtäglich ändernden Bedingungen, den Einschränkungen, dem Zwang, sich täglich neu zu orientieren, Menschen neu einzuordnen und mit einem Alltag zurechtzukommen, der schöne Worte bekommen hat, aber für den 24h oft nicht zu reichen scheinen. Selbst die, die zeitweise nix tun, sind getrieben, denn nix tun ist auch irgendwie weder befriedigend und ausfüllend noch passt es in unser Wertesystem.
Irgendwann macht unser Körper dann genau das, was er macht... er schaltet den Gang runter und ein Großteil von uns fährt dann eben auf 3 Rädern trotzdem Vollgas. Machen wir ja immer schon so.

ODER?

Wie war das mit dem Dazulernen?
Ich weiß, es gibt Menschen, die glauben, sie wüßten schon alles und Dazulernen würde überschätzt, wenn man eh schon gut wäre darin, sein Leben zu leben.
Willkommen Hamsterrad.

Eigentlich bekommen wir alles, was wir dazu brauchen ja auch vorgesetzt... die richtigen Menschen, Gelegenheiten und Mittel.
Nur hilft das nicht, wenn wir uns nicht trauen, dem Leben zuzugestehen, dass es sich verändern muss... so wie jeder neuer Tag immer wieder ein neuer Anfang ist und jede Zeit im Jahr nicht ist wie die im letzten. Und mit ihm... wir selbst. Du bist morgen ein anderer Mensch als heute, weil sich alles um dich herum längst verändert hat, auch wenn es dir noch so gut gelingt anzunehmen, dass man auch nur irgendetwas festhalten kann.
Und wenn sich eh alles ständig und ohne Einfluss darauf, welche Dinge sich zu welcher Zeit in welcher Konstellation auch immer auf uns auswirken, verändert, was fällt uns dann so schwer daran, durch die Welt zu hüpfen, zu schauen, was kommt und dann vollkommen unverfroren nach Möglichkeit auch noch die Seite der Medaille zu nehmen, die uns besser gefällt?

Einfach ein bisschen mehr Pippi sein, so gut man das kann?
Wir teilen unsere Wohnungen und Häuser in Räume ein, obwohl Leben eigentlich in nur einem Raum stattfinden kann... spätestens mit dem Trend zum Loft dürfte uns aufgefallen sein, dass die Badewanne neben dem Bett stehen kann und das Fahrrad im Wohnzimmer an der Wand hängen. (Gottseidank gibt es manchmal Trends, die uns erlauben, was wir uns sonst nicht trauen.)

Wir tun uns schwer, freie Menschen zu sein (heute viel mehr denn je!!), unsere eigenen Entscheidungen zu treffen, mutig zu sein und hoffen, dass der ausgelatschte Weg der Vorgänger für uns schon zum richtigen Ziel führt. Und dabei ist es genau die Freiheit, zu tun, was einem selbst gut tut, das einzige, das uns vollständig und zufrieden machen kann. Glück gibt's irgendwie nicht abgepackt und um zu Pippi zurückzukommen... es bedeutet Mut. Mut, den unsere Kinder noch haben, weil sie all unsere "erwachsenen" Regeln nicht kennen und tun, wonach ihnen der Sinn steht. Sie sind die wirklichen Entdecker, die Genießer und Glücklichen... solange wir ihnen den Raum dazu gewähren.

Umgekehrt gewähren sie uns allerdings ewig Zutritt zu ihrem Reich.... nur wer traut sich schon, den Schritt zu machen... wer läuft mit zwei verschiedenfarbigen Socken die Dorfstraße lang, weil Schuhe anziehen zu lange gedauert hätte, baut ein Zelt im Wohnzimmer auf, wenn’s draußen regnet und man nicht draußen zelten kann oder kocht Suppe aus Gummibärchen, nur um mal zu schauen, was da so rauskommt...

Und  (:))
weil es diese Sehnsucht nach diesen Momenten gibt, in denen wir uns einfach nur angekommen und richtig fühlen, in denen nix muss, aber alles kann und wir uns an nichts messen müssen außer unserem eigenen Glück und die uns dann so unendlich viel  Schwung dafür geben, doch mal was anders zu machen, startet jetzt mit einer tollen Sächsin ein neues Projekt...

Die eigene Erfahrung sagt uns, dass diese Herzhüpfmomente viel mehr Kraft in sich tragen, als jeder schlaue Satz. Deshalb werden wir versuchen, für euch 12 wundervolle Herzhüpfmomente zu finden (es gibt noch keinen Namen fürs Kind... aber vielleicht ist der das ja sogar), die ihr übers Jahr verteilt nutzen könnt, um einfach mal wieder anzukommen und für Momente diese kindliche Unvoreingenommenheit zu spüren... wer weiß, wohin einen das am Ende bringt.
Allein der Gedanke, dass ihr alle dann die verrücktesten Sachen einfach mal tut, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und ich würde gern Mäuschen spielen. Und in Grit, die als Heilpraktikerin in Freiberg/Sachsen arbeitet und sich als Bauchfeelings (.de) gut mit Bauchgefühlen auskennt, habe ich einen wunderbaren Partner an der Seite. Und das schönste ist... die meiste Arbeit wird in Thüringen passieren... im August, wenn Grit auf dem Berghof in Weckersdorf das schöne Thüringen genießt und völlig kindisch im Schäferwagen wohnt, in der Sommerküche der Lautenschlägers kocht, mit den Hunden durch die Wiese rennt und vielleicht nachts am Teich sitzt und Sternschnuppen zählen kann...

Das und nix anderes ist das, was  ich mir unter Glück vorstelle.
Und vermutlich ist man von dem allen dann so ergriffen, dass man das gar nicht in Worte fassen kann und einfach auch nur für sich genießen will, so wie einen Schatz, der weniger wird, wenn man zu viel davon aus der Truhe holt. Glück ist irgendwo in uns drin, ganz klein und flüchtig. Wer da was anderes behauptet, dem ist leider die Ehrfurcht davor verloren gegangen, was Leben so für uns bereit halten kann, wenn wir mutig genug sind, es zu entdecken.

 

 

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