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Rhabarbertörtchen und warum es so Toll ist, schöne Erinnerungen zu haben

Rhabarber ist für mich so volle Pulle Kindheitserinnerungen. Als Kompott (gibt's den Begriff überhaupt noch oder ist heute alles Dessert??) mag ich Rhabarber immer noch nicht... aber dafür umso mehr beim Backen und in Getränken... Rhabarberlimo ist der Hit und ich kaufe sogar im Winter Rhabarbersaft dafür. Ein bissel Grenadine dazu und Wasser und schon ist das Frühlingsgefühl fertig.:)
Dieses Jahr bin ich so schlau, Rhabarber einzufrieren, schön in kleinen Portionen, damit der nächste Winter nicht zu sehnsüchtig wird. Seit hier so oft gebacken wird, werden Tiefkühlschränke immer wesentlicher... Zum Rhabarber, den es in meiner Kindheit als besagtes, doch recht saures Kompott gab, das auch mit Vanillesoße (abgesehen davon, dass es optisch unschön ist) nicht besser wurde, weil die Süße der Vanillesoße das Saure nur noch schlimmer gemacht hat, gehört die Erinnerung an großartige Frühjahrsferien, die wir immer in Thüringen ganz einsam in einer Hütte auf einem Berg in Leutenberg verbracht haben. Die waren so toll, dass sie sogar in den ärgsten Teeniejahren immer noch schön waren. Im Baum sitzen und Bücher lesen, den Zügen zuschauen, die unten im Tal mit Holzstämmen beladen wurden oder auf den gegenüberliegenden Hängen Rehe beobachten... morgens von den Vögeln geweckt werden, Wasser aus einer Pumpe holen und die Brötchen im Tal vom Bäcker, bei dem man noch anstehen musste. Alles ohne Eile.

Und da gab es neben Rhabarber, Löwenzahnhonig und den Brötchen noch Salat. Auf dem Berg hatte Gärtner Jahn sein Domizil und mehrmals in der Woche Ferien sind wir ein paar Meter den Berg herabgestiegen, um Gärtner Jahn zu besuchen und Salat zu holen... irgendwie habe ich 60 Pfennig im Kopf. Ob das wahr ist... wer weiß. Aber danach gab es frisch geernten Salat mit Kartoffeln und Ei... Alles wirklich Lieblingserinnerungen.
(Damals habe ich auch gelernt, was ein Schock ist... nein nicht der Schreck, sondern 5 Dutzend...(5x12) gleichartiger Dinge... also 60 Stück. Ob Gärtner heute noch so rechnen?)

Und deshalb gab's am Wochenende neben dem guten Gefühl der Frühlingserinnerungen etwas mit Rhabarber und heute eine Fahrt in die Gärtnerei Bähr nach Saalburg. Ich mag es, wie dort gegärtnert wird... weniger der Mode entsprechend als vielmehr so, dass ein Nutzgarten entstehen kann, der gleichzeitig schön zum Leben ist. Man sieht das schon, wenn man die Gärtnerei betritt und verlässt diese nicht ohne eine Unzahl an guten Tipps und Inspirationen. Ich habe das erste Mal nun wirklich Salat geordert, weil ich es leid bin, dass Salat immer zum Teil auf dem Kompost landet, weil die Packungsgröße nicht immer meinem Bedarf entsprechen kann und einzeln nunmal nicht geht... (was cool wäre... so, wie ich mir Möhren auch lose kaufen kann, würde ich das mit Pflücksalat auch gern tun).
Auf viele der Ideen wäre ich gar nicht von allein gekommen und das Heranziehen der Pflanzen wäre mir zu mühsam gewesen. Wer gerade unser Bad betritt, weiß, wovon ich rede... da wachsen im Schneckentempo Chilies, Paprikas und Tomaten, um irgendwann in Bigpacks zu wandern... an der Stelle weiß ich die Mühe, die in einer Gärtnerei steckt, sehr zu schätzen. Aber mehr zu dieser Gärtnerei demnächst... Die Fotos sind schon in der Kiste... das war der schöne Nebeneffekt der heutigen Fahrt dorthin. Für mich ist es in jedem Fall ein Besuch, den man machen sollte, wenn man voller Fragezeichen in seinem noch unbestellten Garten steht...

In jedem Fall sorgen meine Kindheitserinnerungen, also diese völlig unspektakulären Urlaube mit Gummistiefeln und alten Hosen, für die schönsten Gefühlen jetzt. Immer, wenn ich in den Wald gehe, sind sie da, wenn ich Salat kaufe oder eben Rhabarber esse... Das würde ich mal als ein ausgesprochen cooles Aufwand-Nutzen-Verhältnis bezeichnen:))) Ich hoffe sehr, dass mir das bei meinem Kind ebenso gelungen ist, die sich heute einen Haufen Kräuter bestellt hat (natürlich auch mit den coolsten Tipps) und vielleicht so einiges davon wieder weitergeben kann, was genaugenommen ihr Uropa mal mit seiner Kleingartenparzelle begonnen hat, in dem meine Lieblingserinnerungen die Hollywoodschaukel und die Himbeerhecke sind. Naja, vielleicht auch noch die Limo vom Fass in der Kantine des Kleingartenvereins, Roster, meine Schaukel, Erdbeeren ernten, riesige Sträuße Astern, die mein Opa am Wochenende immer zu uns nach Hause brachte, mein Meerschwein, dass dort mal gründlich Auslauf auf der Miniwiese bekam... Gott, es gab schon viel richtig Schönes!

So... genug frühlingserinnert... anbei das Rezept für wirklich leckere Törtchen, die sehr freesyle entstanden sind... die Schorle habe ich beim Wochenendeinkauf entdeckt, nachdem schon Rhabarber im Korb lag. Warum sollte Schorle nicht ebensogut wie Sekt in einer Creme sein... und wie man sieht... sie ist es... dazu ein bissel Schoki und viel Frucht und fertig ist der Genuss. Nehmt euch etwas Zeit für's Ganze, es ist gut, wenn alles in Ruhe gelieren kann. Wer es nicht so mit Gelatine hat, nimmt für's Fruchtmus Stärke, für die Creme Sahnesteif und füllt alles in Gläser... da muss nicht alles so arg fest werden. Statt Fruchtspiegel gibt es eben wieder Fruchtmus obenauf und schon kommt man auch ohne Gelatine ans Ziel.

Macht es euch schön, wir stecken mitten in der wunderbarsten Zeit des Jahres und es wäre doch dumm, wenn man das erst wieder bemerkt, wenn sie rum ist...

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