COOL & NACHHALTIG
Tag 3 der Boxenmahlzeiten ist vorbei... Box leer, nur wenig übrig. Soweit passt das Versprechen, Lebensmittel nicht zu verschwenden. Inwieweit mir das vielleicht auch so hätte gelingen können, ich also genau die nötigen Zutaten hätte auch einzeln kaufen können, um nichts wegzuwerfen und vor allem zu welchem Preis, wird sich zeigen.
Ich werde meine Hello Fresh-Bilanz nutzen, um meinem immer noch rumorenden Bauchgefühl auf den Grund zu gehen.

SPINAT-TORTELLINI
Tag 3 brachte Pasta ins Haus... riesige Tortellini... mit einem leckeren Dip drauf. Fix gings, die Tortellini waren toll anzusehen und zu essen. Nicht aussergewöhnlich aber sehr in Ordnung. Satt war gut möglich... nörgeln wäre also wirklich unangebracht, was dieses Essen betrifft. Fotos von Tag 3 hier:

Meine Hello-Fresh-Reise ist vorbei, in der nachhaltigen Box liegen nur noch Abfälle, die ich sammeln wollte, um zu sehen, was wirklich im gelben Sack landen wird und inwieweit sich das vom normalen Einkaufs-Koch-Alltag unterscheidet... denn eigentlich soll die Box ja helfen, gesund und möglichst ohne mehr Abfall (es kann ja nicht nur Essen gemeint sein?) zu konsumieren.
Ich bin kein Unverpackt-Käufer, zu oft habe ich im Einkaufskorb die losen Möhren liegen und bin froh, dass ich die dann wenigstens in die grosse Einkaufstüte werfen kann und nicht einzeln unterm Arm nach Hause tragen muss, weil ich wieder die extra angeschafften Gemüsenetze vergessen habe... Aber so oft wie machbar lasse ich Plastik weg. Auch wenn's  Mühe macht.

Was vor mir liegt, seht ihr ja... man mag davon dann halten, was man will. Und unser Fazit... ich habe das HelloFresh-Konto vorerst lahmgelegt und werde es nur dann unter Umständen kurzfristig reaktivieren, wenn es wirklich mal eng wird mit den Essensplänen... aus welchem Grund auch immer. Das mit dem NIE sagen ist so ein Ding...

Warum die Entscheidung nach 3 schon ganz guten (aber nicht herzergreifenden) Mahlzeiten so ausfällt, zeigt meine Hello-Fresh-Bilanz:

Meine HelloFresh-Bilanz:

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Ich hätte für 3x2 Mahlzeiten auf meinem Einkaufzettel gehabt:
Joghurt, Sahne, Schmand, Grillkäse, Hartkäse, Tortellini, Aubergine, Rucola, Zwiebel, Möhre, Maiskolben, Kartoffeln, Kräuter, 1 Limette, Frühlingszwiebeln, 1 Gurke, frischer Spinat, dazu ein paar Gewürze, Brühe, eine Handvoll Walnüsse und Senf. Sonderkäufe habe ich fett markiert, alles andere hat der Durchschnittskoch oft irgendwie im Vorrat.

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Der Objektivität wegen habe ihm ich mit diesem Einkaufszettel auf den Weg gemacht und hätte bis auf Maiskolben und Halloumi (dafür eine Menge vergleichbarer Grillkäse) alles auch einzeln kaufen können. Im Schmand wäre etwas mehr Inhalt gewesen, auch Rucola und Spinat hätte ich etwas zuviel gehabt.

All das hätte mich 15,54 Euro gekostet.
Die Box  kostet in derselben Version 39,25 Euro + 4,99 Euro Versand.

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Herkunft der Gemüse zum Teil: Niederlande... HelloFresh liefert klimaneutral... eine kurze Anfrage bei Mr.Google erklärt euch, was das heißt... Mein Kopf sagt... da fahren verdammt viele Autos herum und wer glaubt, dass E-Autos klimaneutral sind, vergisst Herstellung, Entsorgung und alles weitere, was so in die Klimabilanz eines Transportes einfließt.
Auf der Website findet man vorrangig die deutschen Lieferanten...aber auch die sitzen einige Stunden von mir entfernt. Im Nachbardorf gibt es einen Hofladen. Zugegeben... die Möhren sind krumm, die Kürbisse BIO ohne Zertifikat (stört nicht). Ihr habt das Gemüse auf den Fotos gesehen... 1A Modelmaße... Wo genau die Dinge herkommen, bleibt bei vielen Zutaten doch leicht offen.

Wieso schreibe ich das? Ich habe nach 3 Tagen Kochbox und etwas Zeit zum Setzen der Eindrücke noch  immer  Bauchgrummeln und frage mich täglich, ob das kleinlich ist. Deshalb habe ich auch den Abfall gesammelt, mir die Mühe gemacht, den Supermarkt zu durchwühlen und zu sehen, ob ich wirklich alles einzeln bekäme und für welchen Preis. Es behauptet sich so schnell etwas... und gefühlt hatte ich den Eindruck, so teuer sei die Box gar nicht... naja.

Dann habe ich gestern Abend ein Video eines bekannten Kochs gesehen und mitten in seinem Redeschwall war klar, was u.a. der Bauchwehmoment ist... mir hat die ganze Zeit im Tun das Gefühl von Liebe gefehlt... ich habe weder eine Zutat ausgesucht und mir vorgestellt, wie sie zu meinen Kochplänen passt, noch irgendwie ein Gefühl für das bekommen, was ich zusammenrühre... weil ich mich gar nicht reindenken musste.
Dazu der Stapel an Müll, für jedes Rezept eine neue Rezeptkarte, die ich vermutlich zum Nachkochen nicht aufheben würde, weil ich ihr zwar auch Mengen entnehmen könnte, aber die in den Zutatenlisten kleingedruckt stehen... so würde ich nicht kochen und einkaufen wollen... mir fehlt also die Motivation, daraus eine Art Kochbuch zu machen, wenn es mir geschmeckt hat. Stattdessen wieder Müll...auch Papier ist ein Rohstoff.
Was mich stört, ist also schlicht der schöne Schein.

Die Boxen haben ohne jeden Abstrich ihre Berechtigung. Es gibt Zeiten, in denen sie sich als nettes kleines Helferlein entpuppen und einfach Teil meines Konsumverhaltens sein könnten. Warum sie es nur mit schlechtem Gewissen sind, zeigen die Bilder, die mit Nachhaltigkeit einfach gar nichts zu tun haben. Mich stört der grüne Stempel, das Werben mit Preisen für Nachhaltigkeit, die suggerieren, dass all das wunderbar modern in unser neues zukunftsorientiertes Lebensbild passt. Ich würde mir wünschen, dass das, was nachhaltig und gut ist, einfach selbstverständlich ist, sicher auch kommuniziert, aber nicht als Kaufgrund missbraucht wird.

Ich kann all die Dinge in der Box gut und ohne wirklichen Stress selbst kaufen und dabei lebe ich nicht einmal städtisch mit Unverpacktläden, Bio-und Wochenmärkten. Es wird uns vermittelt, wir wären ohne dieses Helferlein nicht in der Lage, uns gesund zu ernähren, frisch und auch in kleinen Portionen einzukaufen oder Rezepte aus dem Internet zu nutzen (übrigens oft auch mit Portionsrechnern bei den Zutatenlisten).

Fazit... seid ehrlich zu euch selbst... Frisch, gesund und einfallsreich essen geht auch ganz stinknormal und ohne den IN-Faktor. Die Boxen sind relativ unkompliziert, die Zutaten frisch und appetitlich und es gibt Momente, da kann es  sicher mal die Box sein, zumal man im besten  Falle sogar miteinander kocht.
Aber auf sich selbst und die Umwelt zu achten, geht anders.
Statt nachhaltig zu entsorgen könnte man ja auch  gar nicht entsorgen müssen, weil es (auch für den gestressten 40h-Arbeiter) Alternativen gibt.

Und deshalb gab es gestern bei uns 15-min-Pasta... Lasagneplatten, Gewürzmischung aus dem Gewürzregal für die Tomatensoße, frische Tomaten, Schmand, Käse und frisches Hack... und noch 20 Minuten Ofen dazu. Schwierig ist anders und der restliche Schmand wandert in das nächste Backrezept:) Der Kühlschrank will derweil auch was zu tun haben.
Es macht wirklich Sinn, die Dinge etwas zu hinterfragen und sich selbst ggf. dafür zu entscheiden, nicht jedem Trend etwas abgewinnen zu müssen, auch wenn es Millionen begeisterte Nutzer gibt. Ihr seid ihr und solltet entscheiden, was in euer Leben und zu euren ganz persönlichen Werten passt.

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