...jauchzet, frohlocket 2020

Es ist geschafft und nach einer vermutlich überall ziemlich verqueren Adventszeit stecken wir mitten im versucht normalsten Weihnachten.

Das Weihnachtsoratorium läuft, es duftet nach Räucherkerzen und alles könnte sein wie immer. Ist es aber nicht... die Geschenke kamen per Paket, ausgepackt wird, ohne (es sei denn, ich werfe die Videokonferenz an) den Schenkenden und das Weihnachtsoratorium sende ich als Link an mein Kind, die mit einer vorgeschriebenen Zahl Haushalt feiert.

Man mag das werten wie man will, die richtigen Weihnachtsgefühle mögen nicht aufkommen, was nicht zuletzt daran liegen mag (selbst der Schnee kommt gerade, wenn auch nur ganz sanft), dass ausser dem Gefühl, schnell noch nett zu irgendwem sein zu wollen und Nettigkeiten auf einem der möglichen Wege rechtzeitig verteilt zu bekommen, dieses richtige Weihnachtsgefühl mit all der Herzlichkeit und Empathie nicht vorhanden war, weil jeder damit beschäftigt war, auf Dinge vorbereitet zu sein, die noch gar nicht fassbar waren.

Ich denke, dass das nicht allein an einer Anzahl Personen unter dem Weihnachtsbaum liegt, sondern daran, dass wir vergessen haben, dass keine Videokonferenz der Welt eine wirkliche Umarmung ersetzt... sicher ist es auch toll, mal wieder ein voller Überraschungen steckendes Paket Stück für Stück auszupacken, nachdem es ein paar Tage bereits unter dem Weihnachtsbaum darauf gewartet hat, geöffnet zu werden und irgendwie spannend, in die Wohnzimmer (warum zeigen wir die eigentlich so freizügig aller Welt) von Fremden zu schauen, wenn die per Video zugeschalten werden und gemeinsam singen oder was auch immer... aber was das alles eben nicht  ist, ist wirklich weihnachtlich.

Was mir geblieben ist von Weihnachten, sind Gerüche, Wohnzimmerkonzerte (ja, die gabs auch schon vor Jahrzehnten... da saß ich mit meinen Eltern gut angezogen im Sessel vor dem Plattenspieler und wir haben das Weihnachtsoratorium gehört... warum das Ganze, weiss ich nicht mehr, aber es war toll... Sessel statt harter Kirchenbank, warm und einschlafen durfte man zwischendrin auch mal, immer wieder geweckt von wunderbarer Musik), Heimlichkeit, wirklich 4 Wochen Plätzchenbacken, ein Spaziergang durch dunkle Straßen, bei dem man in die Wohnzimmer schauen konnte und Weihnachtsbäume zählen und vor allem wenig Nebenschauplätze während der ganzen Adventszeit. Es wurde gebacken, gekocht, gebastelt, Millionen Kerzen runtergebrannt, Chöre haben sich auf Auftritte vorbereitet, Weihnachtsmärchen kamen zur Aufführung und nicht wenige gingen an Weihnachten nachts um 0 Uhr in die Christmette.

Dass sich jetzt das Gefühl von damals nicht einstellen will, liegt nicht allein daran, keine 5 Jahre mehr zu sein und auf das Puppenhaus hoffen zu können, sondern daran, dass vieles erst schleichend, dann recht schnell, rauher geworden ist und uns selbst und das Miteinander nicht unbedingt aushaltbarer macht.
Vermutlich ist das kein Text für einen 1. Weihnachtsfeiertag, aber als ich heute das Weihnachtsbild des letzten Jahres heraussuchen wollte, kam mir die diesjährige Entsprechung in die Hände, die genau das zeigt...wie sich die Zeit in Kürze verändert hat. Wir werden euch das alte Bild an diese Stelle setzen, einen Weihnachtsmann voller Nostalgie und Erinnerung (danke Silvio, dass wir das wieder dürfen).

Neben all dem Mahnenden, nicht zu vergessen, was wir da täglich tun, wenn wir uns verändern (lassen) und wie schnell Veränderung um sich greift und zu Normalität werden kann, gibt es natürlich auch die herzergreifenden Momente. Da trudelt zum Beispiel neben den Geschenken auch ab und an wirklich nette, mühevoll verfasste Weihnachtspost in den Postkasten von Familie Bergmann, die im Handumdrehen dieses schöne Glücksgefühl zaubert, jemanden erreicht zu haben, der einen jetzt wiederum an diesem Glück teilhaben lässt.

Wir sollten nicht vergessen, dass es Dinge gibt, die man hergibt, ohne sie jemals wieder zurückholen zu können und dafür ist die Weihnachtszeit wie geschaffen, denn jeder von uns erinnert sich an solche Momente, die einfach nicht mehr zurückholbar sind. Nutzen wir diese Zeit der Erinnerungen, um uns darauf zu besinnen, was uns selbst wirklich etwas wert ist und machen aus diesen Tagen eine Zeit voller guter Erinnerungen und all das, was kommt, zu einer, die dem Gedanken der Weihnacht entspricht mit Menschlichkeit, Füreinander und Wertschätzung, was auch immer das für den Einzelnen bedeuten mag.

Es  ist eine Zeit des Gebens, die hoffentlich nicht mit Ablauf des 27.12. endet, zumal wir uns in diesem Jahr nur wenig mit dem nächsten Highlight  beschäftigen müssen.

In diesem Sinne... eine wundervolle, wundersame und besinnliche Zeit für alle, die unsere Zeilen lesen... Macht es euch und euren Lieben so schön wie möglich und denkt an die da neben euch, denn Glück ist wirklich das einzige, dass sich gegen alle Gesetzte der Naturwissenschaft verdoppelt, wenn man es teilt... 🙂

Hier ganz weihnachtlich der >>Link zu einer wunderbaren Aufführung des Weihnachtsoratoriums, das in so vielen Kirchen in diesem Jahr nicht aufgeführt wurde. Genießt es... morgen haben wir für euch dann noch einen wunderbar weihnachtlichen Link samt (hoffentlich) dem Rezept einer durchaus weihnachtlich-festlichen Baumkuchentorte.
Frohe Weihnachten!!

 

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