Von Sommerglück und Inspirationen

Oft muss man Dinge erst verlieren, um zu merken, was sie wert sind.
Uns geht es gerade so mit einem Kischbaum. Der ist schon ewig da und hat sich vor Jahren mehr oder minder ins Leben geschmuggelt, indem ein versehentlich abgemähter Kirschbaum aus dem Baumarkt dem Rasenmäher zum Opfer fiel und aus dem Setzling unter der Veredlungsstelle wieder das wurde, was er mal war... eine Wildkirsche.

Die ist nun da und bringt jedes Jahr aufs Neue fast unerntbare Kirschen (...darüber hinaus sind sie nur einen Bruchteil so gross wie die veredelten Sorten, was die Ernte mühseelig macht), weil sie nicht sehr günstig steht. Eigentlich werden immer nur die unteren Äste leer und über den Rest freuen sich die Vögel. Dass diese Ignoranz ein grundlegender Fehler war, wird mir wirklich erst in diesem Jahr klar, einem Jahr, in dem ich entweder langsam zu begreifen beginne, was gutes Essen bedeutet oder diese ganze Backerei dankbar all da annimmt, was die Jahreszeiten so bieten. Ich habe sie wirklich nie so richtig gekostet... dabei schmecken sie richtig gereift ganz tief nach Kirsche, fast in wenig wie eingelegte Kirschen...weder sauer noch süss... einfach nur aromatisch. Sie sind wunderbar saftig und man sieht aus, als hätte man ein Blutbad veranstaltet, wenn man der Entkerner sein darf:) Aber all diese Schweinerei steht in keinemVerhältnis zum Genuss, der auf einen wartet. Irgendwie geht so Glück.

Nun gut... dieses Jahr ist leider das letzte dieses wunderbaren Baumes, der weichen muss, damit der Teich, an dem er steht, repariert werden kann. Wir hoffen, Setzlinge ziehen zu können und nutzen dieses letzte Jahr, um wirklich alle Kirschen irgendwie zu verwerten. Das heisst... es gibt in den kommenden Wochen ab und an mal ein Kirschrezept an dieser Stelle, denn die Früchte sind wirklich die Entdeckung dieses Sommers für mich.

Das gesamte Wochenende musste jeder, der sich in meine Nähe getraut hat, Gebackenes mit Kirschen kosten, was unter anderem den Hintergrund hat, das wir gerade intensiv am Backbuch arbeiten, das schon Ende des letzten Jahres kommen sollte. Mancher erinnert sich vielleicht, dass wir einmal um eure Lieblingsrezepte baten.

Der Plan war, das Backbuch mit Lieblingsrezepten zu füllen, die bestenfalls auch schon Leben haben, also irgendwie von Oma stammen oder Erinnerungen an die Kindheit sind. Wir haben einige bekommen... diese auch gut aufbewahrt, uns aber entschieden, dass diese einen Platz auf dem Blog bekommen, das Buch aber mit welchen gefüllt wird, die aus unserer eigenen Feder stammen. Das hat vorrangig rechtliche Gründe. Rezepte unterliegen wie Fotos und Texte einem Urheberschutz, wenn sie kommerziell genutzt werden. Das betrifft niemanden, der privat seine Bäckereien auf einem der vielen Portale veröffentlicht, aber uns. Da wir nicht einschätzen können, wieviel von einem Rezept wirklich Eigenschöpfung ist (und die eingereichten zum Teil aus solchen Portalen stammten, was sie natürlich trotzdem zum Lieblingsrezept machen kann), ist Selbermachen die sicherste Lösung.

Und natürlich ist es wie mit dem Fahrrad, das egal, was es an Neuentwicklung gibt, nie grundsätzlich neu erfunden werden kann... man "klaut" immer irgendwie irgendwo, indem man (auch unterbewusst) Ideen nutzt, sich inspirieren lässt... Ein Hefeteig ist ein Hefeteig, auch wenn es gefühlt 100 Rezepte dafür geben mag... aber am Ende wird ein Rezept nur das Eigene, wenn man neu kombiniert, Geschmäcker und Texturen auf die eigene Art zusammenfügt und seine eigene Intuition anschaltet, wenn es darum geht, etwas zu backen.
Man muss also keinen neuen Trend schaffen (zumal die meisten eh aus Amerika stammen und irgendwann hier landen, oft aber nur aus Alt mach Neu  heissen)... oftmals ist es spannend, einem Koch über die Schulter zu schauen und zu sehen, was ein Kräutergarten hergibt oder die Backtraditionen anderer Nationen als Inspiration zu nehmen.

Was passiert, werdet ihr im Backbuch merken... ihr werdet lernen müssen, eurer Intuition zu trauen. Es ist schwer vorzuschreiben, wieviel Zucker man wirklich braucht (weil jeder entsprechend seiner sonstigen Ernährungsweise ein ganz eigenes Gefühl von SÜSS hat) oder ob von einer Frucht 200 oder 250g als Zutat nötig sind (weil jede anders schmeckt, unterschiedlich in der Konsistenz ist...) und manchmal braucht es einfach die Entscheidung, dass Nüsse ebenso verwendbar sind wie Mandeln, wenn man eben nur die im Haus hat. Wir wollen, dass ihr euch traut, dass es egal ist, ob ein Ergebnis genau so aussieht wie im Backbuch und vielleicht braucht  es auch die Erkenntnis, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn man mal eine Torte löffeln muss... Also keine Vorschriften bis ins Detail.

Kürzlich brachte die Drehscheibe vom ZDF zwei Rezepte von Doreen (Videos und Rezepte auf der Website von Doreen und bis Juli 2021  >HIER in der Mediathek des ZDF) und  es gab tatsächlich Kommentare, dass im Rezept enthaltene Zutaten nicht im Video zu sehen waren, wie sie in den Kuchen wanderten. Um dem Backen ein wenig den Glorienschein zu nehmen.. es kann wirklich sein, dass diese Backzutat fehlte und der Kuchen trotzdem toll war... oder... sie war drin und der Kameramann, der natürlich kein Bäcker ist, hatte die Sequenz nicht auf dem Schirm... seht es etwas lockerer, vertraut eurem Gefühl und euren Sinnen... nur dann wird Backen unabhängig vom Ergebnis zum Genuss.
Denn am Ende geht es darum... dass schon das Machen selbst besonders ist, weil man sonst nie das erleben kann, was der Umgang mit guten Zutaten an Bereicherung bereit hält.

Ihr werdet also vermutlich mit dem Backbuch wachsen, euch Fragen selbst beantworten, die eine oder andere Zutat mal todesmutig ersetzen oder weglassen und erleben, wie man Backen verstehen lernt. Es braucht Zeit... aber halt auch die Gelegenheit dazu und die sind dann in diesem Fall unsere Rezepte 🙂

Also nutzen wir den Sommer, um endlich diesen Plan vom letzen Jahr, den wir daraufhin in der Corona-Pause schaffen wollten (naja... die war dann doch deutlich zu wenig  Pause) umzusetzen. Ab und an gibt es schonmal ein Rezept hier, wie heute eine Kirschlimo. Einen kleinen Kuchen im Glas aus Schokoteig mit Milchreiscreme, Kirschen und Pfirsisch findet ihr in den nächsten Tagen auch noch unter den Rezepten, also lohnt es sich, nochmal hier reinzuschauen.

Wer wie wir einen Kirschbaum hat, der gerade voller Früchte hängt, sollte in den Froster packen, was geht... Auch für die Winterzeit gibt es tolle Rezepte mit schwereren, reichhaltigeren Teigen und Kirschen. Da uns aber gerade die Sonne verwöhnt, hier eine schön erfrischende Limo, die auf Vorrat gemacht werden kann, weil sie aus Fruchtpüree und Sirup besteht, das alles gekühlt etwas haltbar ist.
Macht es euch schön, geniesst die sommerlichen Gerüche und Aromen und freut euch auf alles, was kommt:)

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