Zeit, sich selbst zu feiern

...wenn es schon sein muss.
ich gebe zu, ich bin nicht frei davon und weiß, dass ich unbedingt heute noch zuhause anrufen muss, weil ich mich sonst schlecht fühlen werde (allerdings nicht schlechter als an Tagen, an denen ich das vor habe und mal wieder nicht schaffe und hoffe, dass es meine Eltern verstehen). Ich habe sehr wohl seit Freitag Männer mit Blumengestecken und Herzen in der Hand aus der Gärtnerei kommen sehen, die sicher heute noch ein gutes Geschäft macht (es sei ihnen gegönnt, wenn man sonntags schon arbeitet) und weiß, dass mein Kind die leicht grummelnde Frage im Bauch hat, ob sie mir nicht doch was hätte schenken sollen.

Und nein... hätte sie nicht, denn auch, wenn sie das Ergebnis dessen ist, hat sie mit meiner Entscheidung, Mutter werden zu wollen, rein gar nichts zu tun und muss sich schon gar nicht dafür bedanken, dass ich Mutter bin und für sie da war/bin. Vielleicht müsste ich mich selbst bei mir für die gute Idee bedanken, Mutter geworden zu sein, aber genaugenommen hat es sich damit auch schon. Wer kann aber schon jede gute Idee feiern...

Ich habe, bevor ich anfing, das hier zu schreiben, spaßenshalber den Begriff Muttertag in Fotodatenbanken eingegeben...was ich erhalten habe, waren Bilder glücklicher Mütter mit Kleinkindern oder Babys und Millionen von Blumengestecken und Herzen... Ist es das, was in unseren Köpfen geistert, wenn wir an unsere Mütter denken? Doch das alte Bild von Müttern, die ihre Berufung im Gebären von Kindern und der gesellschaftskonformer Konditionierung ihres Nachwuches finden und dafür einmal im Jahr einen Blumenpott bekommen?

Ehrlich gesagt... ich war und bin nicht immer glücklich (was nichts mit der Entscheidung, Mutter geworden zu sein zu tun hat), noch weiß ich, was überhaupt richtig gelaufen ist, noch bin ich sonderlich stolz auf etwaige Ergebnisse und erhoffe mir Belobigungen.
Mutter wurde ich, weil ich mit einem Kind leben wollte, für jemanden da sein wollte und mein damaliges Lebensbild einfach dem einer glücklichen kleinen Familie entsprach. Dass das Leben manchmal andere Pläne hat, ahnte ich zwar, aber die Entscheidung blieb immer die richtige.
Als ich heute morgen am Muttertag mit meinem Kind und den Hunden im Schlepptau ins Auto stieg, um die Leckereien oben im Bild zu erstehen, war das das Beste, was uns passieren konnte und genau das, was ich mir vom Muttersein erhoffe: diese kleinen Momente, ein bisschen reden im Auto (dort geht es eh am besten), ohne großen Rummel, einfach nur schön und spontan.

Und weil der Kopf keine Ruhe gab, ein Spaziergang durch die heutigen Kolumnen der Süddeutschen... viel Mutterkrams, aber sehr inspirierend... über tolle Mütter mit narzistischem Gehabe, das Kinder trotz einer Fülle an Liebe in der Kindheit am Leben zweifeln lässt, von Müttern, die die Dramen des eigenen Lebens im Leben ihrer Kinder fortgesetzt sehen und eine, die mich zum Lächeln gebracht hat:

Da ging es um die Sicht des Autors auf die eigene Mutter... erfrischend zu lesen, was aus seiner Sicht die Dinge im Leben seiner Mutter waren, die er besonders bewundert hat. Es waren völlig schräge Aktionen, bei denen er als Kind grundlegend keine Rolle gespielt hat, sondern Mama eher in ihren Selbstverwirklichungsphasen unterwegs war. Also keine Supermama mit Schürze um den Bauch und der richtigen Medizin beim Schnupfen (versteht sich das nicht von selbst, wenn man einen Menschen liebt?), sondern der, die sich selbst liebt?

Vielleicht sollten wir das feiern... wir Mütter... die Momente, in denen wir wir selbst sind. Mit unseren Kindern, Männern, zu vielen Haustieren (die am Ende irgendwie alle uns gehören, weil die Ursprungsbesitzer den Pflegevertrag gekündigt haben), den grauenvollen Chaosmomenten, denen, in denen wir uns zwar schlechter fühlen als die scheinbar perfekte Mutter von nebenan, aber still und leise froh snd, wir selbst sein zu dürfen?

Das zu bewahren, was wir selbst sind in der Fülle der Dinge, die Mütter nunmal irgendwie als Aufgabe zu tun haben, egal wie oft wir versuchen, gleichberechtigt zu werden (werden wir ja gottseidank zunehmend... aber genaugenommen wissen wir, dass das den Aufgabenberg erweitert), ist wohl die eigentliche Kunst. Und vielleicht ist es ja das, wofür wir geschätzt werden?

Und damit wird der Muttertag dann doch noch zur Gelegenheit...zu einer, mehr zu erfahren über die Frau, die eure Mutter ist und aufhören zu dürfen, sich mit Blumensträußen bedanken zu müssen für etwas, was sie vermutlich gern gewesen ist (und den Strauß nicht angeordnet im Mai zu zücken), es sei denn, man weiß, dass ihr das wirklich wichtig ist. Das Danke-Sagen passiert ohnehin in den vielen Tagen dazwischen... dann, wenn das, was man gern an die Kinder weitergeben würde, in irgendeiner Form angekommen scheint: sie den Partner finden, der schätzt, wen er an seiner Seite hat, sie kleinen oder großen Träumen auf der Spur sind oder zumindest die Sehnsucht danach entwickeln, man sich nicht aus den Augen verliert und sich wichtig ist, einander zuhört und sieht, wie sie ansonsten ihre eigenen Schritte gehen können...

Denn da war ja noch was. Ich selbst und meine eigenen Träume. Und weil heute Muttertag ist, gibts ein dickes Herz. Für mich selber. Und denke sagen werde ich heute trotzdem noch, aber eher, weil ich das Gefühl mag, dass sie da sind...meine beiden Eltern. Ich kanns ja wiederholen... am Vatertag und allen anderen, an denen es sich ergibt.


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