...alles kann

Das Osterfest hatte es so ein wenig in sich... viel Veränderung genau an einem Fest, das sicher kaum irgendwo von allein fern jeder Tradition gefeiert werden würde.

Nun brachten es die Zeiten mit sich, dass 4 Tage im Frühling zum Experiment wurden...Versuchen in Geduld, Miteinander, Umdenken, Aushalten. Und... im Zeit haben (Letzteres ja eigentlich das, was wir uns immer wünschen).

Selbst als Mensch, der wohl nie irgendwann "fertig" wird (vielleicht liegt es ja auch in der Sache der Dinge und dem Leben selbst, dass es so ist und Fertigwerden ist nur ein abstruser Gedanke, dem die Menschen hinterherrennen?), hatte ich das erste Mal seit Ewigkeiten das Gefühl, Zeit zu haben.
(Dass das ein sehr schnell vorübergehender Gedanke ist, war dabei klar.)

Keine Geschenke (weil einfach zu spät begriffen, dass mitten im Chaos auch noch Ostern vor der Tür stand) und keine Termine (weil niemand besucht werden durfte). Man konnte abends mit einem Buch ins Bett gehen und bis mitten in die Nacht lesen, weil morgens nix gedrängelt hat, in der Morgensonne Kaffee trinken, bis der Durst auf Kaffee durch war, nicht, bis man unbedingt loslegen musste.... und auch alles zwischendrin hatte wenig Eile. Alles, was passierte, konnte, musste aber nicht. Das hat dazu geführt, dass heute am kühlen, grauen Tag 4 auch mein Geist begriffen hatte, dass es mal um nichts ging und auf Schongang geschalten hat...

Geist und Schongang (nur an freien Tagen, denen, an denen nix muss) fühlt sich an wie ein großes, wunderweiches Nichts, das man am besten mit etwas voller Genuss füllt: in dem Fall am besten mit Eis, Keksen und Karamell.

Aus dem Eis wurde angesichts des Wetters Creme, die Kekse brauchten mangels durchdachten Einkaufszettels irgendwie noch Bräunung und das mit dem Karamell sah aus wie eine Challenge, denn den letzten Karamellversuch musste ich als festen, verbrannten Zuckerklumpen im Müll versenken (nicht sehr gern übrigens, auch wenn das Backverhalten in einigen der großen Backshows vermuten lassen, dass großzügiges Wegwerfen nicht gelungener Versuche Teil des Gelingens seien... ich werfe ungern weg, zur Not wird der Plan geändert und es kommt halt etwas anderes heraus als geplant.).

Die Kekse wurden dank Kakao dunkel, wer also gleich Schokokekse verwendet, kann auf diesen Schritt verzichten. Bei mir setzte sich beim Zerdrücken der Kekse der Schongang durch und alle weiteren Schritte waren irgendwie der reine Genuss... viel Freestyle und Spontanentscheidungen. Dieses Schongangmentalität ist übrigens sehr zu empfehlen, weil man einfach ins Machen kommt... man riecht, schmeckt, entscheidet nach Strukturen der Lebensmittel (also kein Mürbeteig, weil zu fest, kein Buiskuit, weil zu luftig weich, sondern Keks mit schönem Knusper zur weichen Creme...). Genau an dem Punkt, an dem Intuition VOR Hirn regiert, beginnt es magisch zu werden.

Und so gelang auch die Challenge... Karamell so ganz ohne Klumpen und Krusten.
Das Geheimnis: die Osterruhe. Und rühren, rühren... slowly. Gemächlich bei mittlerer Hitze und mit Hingabe. Der Zucker braucht einfach und wenn man ihn lässt, hat er schon beim letzten aufgelösten Klümpchen die richtige goldbraune Farbe und löst die ersten verliebten Gefühle aus. Mit Butter wirds schaumig wie im Chemiebaukasten, nur, um sich kurz darauf von Sahne eingehüllt in eine perfekte goldbraune Karamellsauce zu verwandeln. Und dann bleibt nix mehr als das pure Glück.

Ich habe minutenlang die warme Flasche Karamellsauce angeschaut und mein Glück nicht fassen können... so klein kann perfektes Glück sein.

Für die erste Schicht Karamell müsst ihr übrigens etwas davon abzweigen und nach Bedarf (kosten) mit Salz in Salzkaramell verwandeln. Wer nicht genug davon bekommen kann, verwendet Salzkaramell auch für das Topping. Was übrig bleibt, wandert verschlossen in den Kühlschrank und sollte spätestens binnen 2 Wochen verbraucht sein...für Kaffee (also nur zu Salzkaramell machen, was für die Küchlein gebraucht wird), Desserts, Eierkuchen...

Ich sollte diese Küchlein Yogaküchlein taufen... sie waren die reinste Entspannung, nicht zuletzt der relaxten Grundstimmung wegen. Dieses "Zeit haben" hat eine ausbaufähige Qualität in sich.
Und da heute nicht weniger Dinge "liegen" als zu jeder anderen Zeit, sollte es eine Frage der eigenen Einstellung sein, sich jederzeit wieder so relaxt fühlen zu können. Einfach mal keine to-do-Liste fürs Wochenende (weil man dann Zeit hat...), keine Termine, keine Verabredungen... einfach nur da sein. Ohne sich zu denken, man würde etwas verpassen oder man müsste eigentlich... Dafür bekommt man diese wunderbare Aufmerksamkeit und Ruhe, die einen die Dinge viel intensiver erleben lässt.

Und so war es dann ein ganzes Stück weniger schlimm, dass alles anders war, als sonst. Vielleicht sollte man öfter mal im Leben einen anderen Abzweig nehmen als geplant. Es könnte sich lohnen.

Ob es sich in diesem Fall gelohnt hat (abgesehen von meinen schönen Momenten, von denen ihr hier nicht allzuviel habt, weil schreiben anders ist, als erleben), merkt ihr, wenn ihr die Küchlein fertig habt. Wer Lust auf etwas Kühles hat, lässt bei der Creme die Gelatine weg und gibt sie nach dem Abkühlen auf die Küchlein...dann ab in den Tiefkühler damit und aus der Creme wird Eis.

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