Ja, wir leben noch...

Wir hatten uns ja selbst geschworen, nur zu schreiben, wenn es etwas zu sagen gibt und nicht der Gewohnheit wegen einfach irgendwas irgendwie jeden Tag.

Ich habe kürzlich eine der täglichen Instagram-Storys einer jungen Frau gesehen und mich in kürzester Zeit tot gelangweilt und gefragt, was eigentlich der Anlass für das Ganze war. Es gab weder etwas zu sagen noch war das Nichts wenigstens nett verpackt. Wozu also anderen die Zeit klauen?
Gäbe es einen Knigge 2.0 (nettes Thema übrigens... da würde ich glatt reinschreiben, dass zu exzessives Rasenmähen auch unter PEINLICHKEIT zählen muss ab sofort...aber ich schweife ab. Das ist dann schon wieder das Welt-retten-Thema.), müsste "Menschen mit Nichts die Zeit zu stehlen" auch mit rein...

Aber das Thema ist es bei uns gar nicht... nichts zu sagen gibt's eigentlich nie, abgesehen davon, dass man manches nicht besser macht, wenn man das Fass auch noch aufmacht...
"Man bekommt die Welt nicht bessergemeckert..." Immer wieder dieser nette Spruch.

Bei uns ist es eher wirklich die Gelegenheit, die fehlt...mittlerweile backe ich nachts 24 Uhr die Brote, die ich irgendwann nachmittags endlich zum in Ruhe Gehen angesetzt habe  (nicht die Brote... die Hefe:)), Doreen schafft es nicht, die Kühltheke so schnell zu füllen, wie sie leergefuttert ist. Gottseidank hat sie zwei Paar helfende Hände in der Backstube... es lebe das Praktikum. Man wird sehen, ob daraus die Backleidenschaft wird, die uns längst im Griff hat oder die Erkenntnis, die mein Kind bei einem  Praktikum in einer Konditorei hatte... morgens 4 Uhr aufstehen, damit man per Bus und Zug kurz vor 7 in der Backstube stand... und das war schon spät.
Das Backen selbst war das Gute, aber Torten wurden vorrangig fürs Wochenende gemacht, sodass neben unchristlichem Aufstehen auch das halbe Wochenende hin war. Es blieb die Erkenntnis, dass das Backen schon toll war, aber der Job nicht der, der zum Lebensentwurf passt.

Das sind übrigens auch die zwei Seiten der Sache... es ist schwer, jemandem das Gefühl zu erklären, was man hat, wenn man selbstvergessen Fruchtmus rührt und sich vom Duft  wie von weicher Zuckerwatte eingehüllt fühlt oder einen Laib Brot das letzte Mal rund formt, bevor er in den Ofen geht und den luftigen Hefeteig unter den Händen spürt, der klar macht, dass das, wenn man jetzt die Zeit im Ofen noch im Griff hat, eine wirkliche Offenbarung wird.
Dem gegenüber steht das, was man tun muss, um sich immer weiterzuentwickeln, neue Rezepte zu probieren, nicht aufzugeben, wenn das wirklich verlockend klingende Rezept einfach nur Mist geworden ist und es zurück auf Anfang geht oder die Zeit einem im Nacken sitzt und mal wieder nichts gelingt.

Es ist immer ein Auf und Ab... genauso übrigens mit dem Rezept, das schon letzte Woche hier stehen sollte.
Es hat dann doch gedauert (und die realeTarte ist längst gegessen), weil wir an einer wirklich schönen Sache arbeiten, über die später hier geschrieben werden wird:)

Thema war aber die Erdbeertarte...eigentlich die Tartelletts, aus der durch den nächsten Erdbeerfeldbesuch dann doch noch eine Tarte wurde...
Da kleiner ja immer geht, hier das Rezept für die grosse Tarte, für ca. 8 Tartellets die Zutaten einfach halbieren... in  etwa.:) Wir hatten das ja schon... ein bisschen mehr oder weniger von allem ist beim Backen immer auch richtig... auch wenn das nicht jeder unterschreiben würde. Aber ich glaube, das funktioniert nur nicht, wenn das Bauchgefühl ausgeschalten ist. Mit Liebe gebacken hat man irgendwann ein Gefühl dafür, was geht und wo noch nachgeholfen werden muss. Und notfalls wird die Tarte gelöffelt:))

Und hier nun endlich das Rezept:

Ich kann schon seit Jahren wenig anfangen mit den Erdbeertorten auf trocken-sandigem Buiskuit (bestenfalls der Eile wegen noch für knapp einen Euro aus dem Supermarkt). Manchmal musste die dreifache Menge Pudding das Ganze retten, aber es dauert scheinbar ein wenig, ehe man den Geschichten  der eigenen Familie zuhört...der von Erdbeertartes in Frankreich auf dem Weg zu einem Auftrag... sündhaft teuer, knusprigerBoden, kein Guss... aber unvergesslich.

Nach der Ladung der oberleckeren Tarteletts (gottseidank aus Faulheit lieber schnell mit Mürbeteig statt Buiskuit, weil der Mixer im Schrank bleiben konnte) endlich der Klick im Kopf... selbst auf das Risiko hin, dass der Boden beim Schneiden auseinanderfällt: Mürbeteig muss unter die Erdbeeren.
Tattaa....und da ist sie, die wirklich unverschämt leckere französische Erdbeertarte. Ohne Creme Patissiêre, das ist der einzige Abweg vom Klassiker...naja...und der Nussmürbeteig... Also doch ganz schön abwegig toll:)

Genießt Sie... habt den Mut zu glauben, dass ihr den Mürbeteig heil aus der Form bekommt... wer Tartes liebt, legt sich vielleicht ja bei der Gelegenheit sogar eine Tarteform mit Hebeboden zu. Ich habe es relativ uneitel und mit Rücksicht auf volle Küchenschränke so gelöst, dass ich eine runde Silikonform genutzt, den Teig vor dem Stürzen schön auskühlen und ihn vorher kross backen lassen habe (deshalb die dunkle Farbe). Dann die wunderbare Creme drauf, reichlich frische Erdbeeren und alle Lücken gefüllt mit süssen, in Gelierzucker gekochten Erdbeeren.

Zum Schluss das Ganze schön gekühlt serviert und gehofft, genug abzubekommen:)))

 

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