Der Verlust des Spielerischen im Leben

Ein Gedankenspiel
Heute Morgen kurz nach 9 Uhr, leichter Nieselregen, nicht wirklich vorsommerlich warm, grau, Wald Plothener Teichgebiet...

Froh darüber, zumindest die Hälfte der Gruppe tatsächlich in den Wald bekommen zu haben, frage ich mich, wieso das, was sich für mich spielerisch, erfrischend und nach dem ersten Wetterschock (den bekommen auch Draußen-Leute, egal, was man denken mag) wirklich wie Luxus mitten in der Woche früh anfühlt, für die meisten einfach nur ein Verwirrspiel unter unangenehmen Bedingungen ist.

Gut, dass es sich mit dünnen Turnschuhen in knöcheltiefem Schlamm bei leichtem Nieselregen nicht sonderlich gut läuft und die Laune sinkt, ist klar. Warum man sich so bekleidet im Wald wiederfindet, fragen sich viele der Beteiligten. Ich habe diese Frage längst aufgegeben zu stellen. Warum aber ein vielleicht 9Jähriger missmutig dahintrottend erklärt, seine Laune würde sich nicht ändern, weil er IMMER schlecht gelaunt sei, irritiert mich dann doch und lässt mich ihn bedauern angesichts dessen, was ihn mit diesem Ansatz wohl im Leben erwarten mag. Erfüllung wohl kaum.

Ist es das, was uns umtreibt? Die Suche nach Erfüllung? Wissen wir, dass man sich auf die Suche machen kann und wie das geht?

Erst gestern war da wieder die endlos, sinnlose (ich kann es nicht lassen... leider) Diskussion um IPad und Co. in den Schulen (Macht es wirklich Sinn, Matheunterricht mit Pad zu machen... worauf bereite ich mich da vor, was mir im Erwachsenenleben nutzen wird? Was findet man dort besser als im richtigen Leben, das Kinder ja noch gar nicht kennen können? Vielleicht halten sie wirklich irgendwann eine echte Kuh für die Simulation, weil sie nur die aus dem Internet kennen und stellen sich hier die Frage nach dem Ei und dem Huhn? Was war eher... die Kuh im Netz oder die, die da draußen rumläuft... vielleicht ist die ja konfiguriert wie echte LeberWURST aus Pflanzen...)...

Aber darum ging es ja gerade weniger, obwohl alles miteinander verwoben scheint.
In jedem Fall findet nur mühsam irgendwer neben mir an diesem Morgen das Glück da draussen im Nieselregen im Wald. Auch nicht mit Goretex und Gummischlappen. Aber eigentlich kann es richtig lustig für die Kids sein, denn sie suchen einen Schatz... sollten sich bestenfalls anhand von Fragen und Fotos durch den Wald kämpfen (dass sie das noch wirklich machen müssen, ahnen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht) und erschöpft, voller Entdeckungen, noch mehr Fragen und irgendwie glücklich (und vielleicht auch ein wenig schmutzig) aus dem Wald kommen.
Ich fürchte, daraus wird nix werden, weil spätestens an dem Punkt, an dem das erste Verlaufen droht, der Frust kommt. Nur wenige werden auf die Idee kommen, es doch einfach mal zu verSUCHEN (im wahrsten Sinne des Wortes), sich vielleicht zu irren, mit Schrammen und ein paar Zweigen im Haar den falschen Weg getestet haben, zusätzlich Zeit verschlampt und mit etwas Pech gerügt, weils nix gebracht hat...

Und da sind wir mittendrin, weil das in irgendeiner Weise im richtigen Leben genau so ist. Solange die Orientierung funktioniert flutscht das Leben so hin, mit einigen kleinen Hochs und Tiefs... und plötzlich ist sie da, die große Leere, weil der rote Faden aus dem einen oder anderen Grund einfach alle ist.
Die Schulzeit ist vorbei und man muss irgendetwas lernen... man hat den Job schon 20 Jahre, gefühlt quält man sich 10 davon schon sehr mühsam jeden Tag dahin... das Leben ändert sich mit den Jahren und es fehlen plötzlich die Ankerpunkte im Leben, die Werte ändern sich...
Immer dann geht sie los, die Suche nach mehr Orientierung. (Nicht umsonst schießen gerade Bürgerinitiativen wie Pilze aus dem Boden oder suchen manche ihr Heil in Parteien, die Orientierung und Werte vorgaukeln.)

Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht. Ringelnatz

Und mittendrin in der großen Orientierungslosigkeit sind wir hilflos, weil wir es komplett verlernt haben, einfach mal zu machen... Irgendwer hat uns gesagt, das man immer wissen muss, was man tut, immer einen Plan haben muss (wenigstens einen Plan B, auch wenn der nicht wirklich hilfreich ist) und das bitte zeitnah.

Also basteln wir uns Antworten aus Annahmen. Wir nehmen an, dass ein Rapsfeld ein geeigneter Orientierungspunkt sein kann, weil es so schön präsent gelb leuchtet und vergessen, dass es das in 2 Wochen nicht mehr gibt... also als Orientierungspunkt nicht taugt... wir nehmen (immer wieder) an, dass Wahlversprechen eingelöst werden... wir nehmen an, dass alles gut wird, wenn wir nur das tun, was vernünftig ist (noch 20 Jahre im Job...aber immerhin gibts dann Pension und was man dann so alles machen kann...), weil es das ist, was man so hört...

Alles Annahmen. Wo sind sie geblieben, die spielerisch Verrückten... die auf der Suche nach dem richtigen Weg mitten im Teich landen (ja, da wird man nass... aber auch wieder trocken)... die den gehassten Job kündigen, am selben Tag den Rucksack packen und erst einmal den Kopf frei werden lassen mitten in den Bergen... dort, wo keiner ohne Angst macht, dass das doch verwegen war und was so alles passieren könne....

Ja, es kann allerhand passieren... man findet den richtigen Weg... im Wald wie im Leben, auch, wenn es vielleicht nicht für die Ewigkeit ist. Aber was ist schon Ewigkeit (wissen wir das überhaupt?). Zumindest hatte ich Spaß, fühle mich am Leben, merke, dass es mich noch gibt und jedes ängstliche Gefühl ist zumindest irgendeines.
Auch eines, das mich wach werden lässt, mich lehrt, alles um mich herum klarer wahrnehmen. Da sind plötzlich Wege und Möglichkeiten, die man mitten in all den Annahmen gar nicht zu sehen waren und vielleicht erweisen sie sich als das Schönste, was einem seit Langem passiert ist.

Vielleicht auch nicht, aber was solls...
Es kann doch nicht immer erst ein Unglück passieren müssen und ich darf Bucket List schreiben, wei ich dann Unterstützung für die wirrsten Ideen bekomme samt Verständnis. Warum geht das sonst nicht?

Suche scheint immer ein bisschen schwierig zu sein, dabei ist das der einzige Weg, wie ein Leben funktioniert. Es ist in Ordnung, wenn die Kids im Wald sich verlaufen, wenn unsere Kinder nach der ersten Ausbildung merken, dass ihr Herz ja doch woanders hin gehört, dass wir mit 40 plötzlich anderes vom Leben wollen, als 20 Jahre vorher. Wer dann mit Entdeckerfreude und ohne Erwartungen (vor allem nicht die der anderen) am Suchen ist, wird den Weg schon finden... seinen. Beulen gibts eh immer. So oder so.

Also traut euch mehr. Vielleicht auch einfach mal nur alles, was ihr wollt.
Und... ich bin heilfroh, dass eine Bekannte, die ich wirklich sehr schätze, sich nicht von den Erwartungen  und Einschränkungen aller um sich herum hat bremsen lassen und mit 65 (kein Alter) ihr Abenteuer mit Friedrich startet, der gerade mal 3 Monate alt ist und 4 Beine hat... (zu wild für jemanden mit 65... ich hoffe, ihr beweist allen das Gegenteil und habt tausend glückliche Momente).

In dem Sinne... da hoffe ich mal, die Kids haben ihre Tour spielerisch genommen und ein schönes kleines Abenteuer gehabt im Wald von Plothen...
Die Tour ist übrigens wirklich schön, mittlerweile so sicher, dass eigentlich jeder wieder nach Hause finden sollte und perfekt für Familien mit Grundschülern geeignet. Vielleicht habt ihr ja demnächst Kindergeburtstag... dann macht euch auf und fragt nach in der Jugendherberge Plothen. Dazu noch ein Picknick am Teich (Abfall wieder mitnehmen) und der Tag ist perfekt. Eine tolle, etwas längere Tour gibt es übrigens auch auf dem Berghof Weckersdorf: Wiese, Wald, Teich, Felder... alles dabei. Die Vierbeiner können mit (auch hier einfach nachfragen).

 


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