...Und nein, Schokolade ist doch nicht immer die Lösung

Ich frage mich das wirklich häufig, besonders in Zeiten, in denen alles irgendwie jeden Tag neu durcheinandergewürfelt wird und viele Dinge einfach verloren gehen. Ist der einzige Weg, alles irgendwie anders zu denken, damit man diesen stürmischen Zeiten genug entgegenzusetzen hat?
(Wir könnten euch an der Stelle an den Backofen schicken... das tut ganz sicher was für euch, ist aber global gesehen wohl doch nicht so die Lösung.)

Früher (allein das Wort ist seltsam) fühlte man sich in solchen Stelle urlaubsreif, selbst das ist mittlerweile gefährliches Terrain und eine mehr als unberechenbare Größe.  Mehr denn je scheint es also wichtig, sich selbst Erden zu können, um nicht im Herbststurm umgepustet zu werden. Bleibt für sich selbst zu sorgen, es sich selbst so kuschlig und machbar wie möglich zu gestalten, wie auch immer das für jeden ganz konkret aussehen mag. Nur wer weiß noch so ganz genau und ungefiltert, wer das ist… er selbst?

Zunehmend trifft man Menschen auf der Suche nach Bodenständigkeit, Dingen die berechenbar sind und bleiben... das beginnt bei Redakteuren grösserer Tageszeitungen, die dem Brot mit Butter am Abend  ganze Artikel widmen, weil schon allein Essen ein Sinnbild ist für das, wohin wir uns gerade entwickeln. Einer Zeit, die den Stempel nachhaltig, miteinander und bodenständig pflegt und es nicht ist. Der Stempel "nachhaltig, miteinander und bodenständig" macht sich gut als Marke, weil sich Sehnsüchte nunmal gut verkaufen und wir mittlerweile gut drin sind, Mogelpackungen gar nicht mehr hinterfragen zu wollen, wenn sie nur stylisch genug verpackt daherkommen.

Kürzlich lief mir ein Gespräch über Mode über den Weg. Mode im Sinne von IN sein, also mehr philosophisch als wortgetreu gesehen. Also inwieweit sind wir noch wir selbst und können uns von dem trennen, was da irgendein Trend, ein Slogan, eine Vorgabe uns zu sein vorschreibt…
Wer traut sich ohne irgendeinen Maßstab noch zu sein, wer er ist und wer darf es sein, ohne in irgendeiner Weise beäugt und bewertet zu werden? Wir sind zunehmend damit beschäftigt, unser eigenes Bild passgenau zu formen und verpassen dabei immer öfter die Gelegenheit (auch weil fast keine Zeit mehr bleibt dafür), uns umzuschauen nach dem, was da genau neben mir passiert. Wir orientieren uns an Trends, Likes, unrealen Bildern und wundern uns, dass wir nicht einmal mehr annehmen, dass das, was wir hören und lesen, in irgendeiner Weise der Wahrheit entspricht (glauben es aber trotzdem irgendwie... oder wollen es glauben, weil alles andere ent-täuschend! wäre) oder nicht irgendwem zum Vorteil gereichen soll.
Da wird als Qualität verkauft, dass man in der Lage ist, Fake von Wahrheit unterscheiden zu können, anstatt einfach festzustellen, dass diese ganzen uns umgebenden Fakes einfach daneben sind.
Da wird beispielsweise eine FashionWeek mit dem Thema Nachhaltigkeit veranstaltet, obwohl nichts weniger nachhaltig ist als Mode, die schon Makulatur ist, wenn die Messe abgebaut wird und gar nicht nachhaltig sein kann, weil kein Mensch so viele Trends verschleißen kann, wie da gemacht werden.

Da gibt ein gesunder Ernährungstrend dem anderen die Klinke in die Hand, das was heute gesund war, gilt morgen als einfach ungenießbar (und sei es auch nur ein Bestandteil, der heute heilbringend und morgen verantwortlich für das Elend der Welt ist), dafür gibt es aber eine neue Sache, die natürlich besser als alles Dagewesene ist, aber nur Sinn macht, wenn ich mich dem ganz und gar verschreibe. Miteinander heißt seit dem Frühjahr, fremde Menschen virtuell in mein Wohnzimmer zu lassen und Gemeinschaftsgefühl dadurch zu entwickeln, dass wir im selben Takt Workouts machen oder was auch immer…
Zu vergessen scheinen wir, dass keine dieser Gemeinschaften geeignet ist, ganz persönliches Leben zu füllen… persönliches Leben, das wir zunehmend verlernen, aufzubauen und zu pflegen.

Ohne Update meiner Story oder neuem Profilbild geht es nicht auf eine Party, in den Pferdestall geht kein Mädchen, ohne einen dekorativen Clip gepostet zu haben (gut, dass das Pferd in der Zeit sein Ding allein macht) und Fotografen, die nach immer denselben schöngefilterten (es lebe die moderne Technik) Schema immer dieselben Fotos machen, die jeder genau so haben möchte (wer kann wollen, genauso auszusehen wie 10 andere?), haben Hochkonjunktur.

In der Kreativbranche werden Baukästen und Apps zur Regel, die jeder „bedienen“ können soll, vergessend, dass das eigentlich nicht der Job eines Gestalters ist, den Kunden mit Massenware zu bedienen. Foodunternehmen beliefern Menschen mit vorgefertigten Mahlzeiten und suggerieren ihnen, damit gesundheitsbewusste Selbermacher zu sein, die noch dazu etwas für die Umwelt tun, weil keine Abfälle entstehen (vergessend, dass in Minimengen verpackte Lebensmittel, die alles andere als lokal sein können, nichts mit Umweltbewusstsein zu tun haben…). Allein ein grünes Logo und ein paar passende Slogans zu genau dem Produkt, was der zeitgetreue Mensch so tut genügen, um in uns das Bedürfnis lahmzulegen, nachzudenken oder nachzufragen.

Egal wohin man seinen Blick gerade wendet, landet man in Stereotypen und wir wundern uns darüber, ausgelaugt zu sein. Warum ist es in einer Zeit, in der überall zurück zu den Basics als Wert gilt, so wenig Basic zu finden?

Was in dem Ganzen ist also wirklich wesentlich für mein kleines, aber wichtiges Leben und wie sortiere ich aus… aus Trends, Moden und dem, was man so zu machen hat, nicht zu vergessen… mit wem möchte ich diese Leben teilen und wie. Dazu gehört vielleicht auch, sich ab und an zu fragen, wie anstrengend finde ich es wirklich, immer IN sein zu wollen, eine Unzahl virtueller Kontakte zu pflegen und dabei die zu vergessen, die direkt neben mir stehen und wenn es ganz dumm läuft, gerade eben parallel ihre eigenen virtuellen sozialen Kontakte pflegen.

Wir hatten gestern die Küche voller Leute, die tatsächlich berührend ehrlich einem Geburtstagskind am Tisch ein Ständchen gesungen haben, sich Zeit genommen haben… von ganzem Herzen und mit dem Gefühl, gern bei diesem Menschen zu Gast zu sein, um anschließend alle essbaren Vorräte restlos wegzuputzen und erst zu gehen, als diese wunderbare Kiste polnisches Bier leergetrunken war und jeder wusste, dass Urlaub in Polen etwas fürs Herz ist, weil die Polen einfach nette Menschen sind.
Also ganz schön viel Herz und ganz schön viel Kraft aufgetankt in relativ kurzer Zeit. Und nein, es gab keine Posts, nur ein Foto von der leergetrunken Kiste an Marcin, der uns dieses leckere Bier beim letzten Urlaub eingepackt hat und sich wie verrückt darüber freut, dass wir jetzt wiederkommen müssen, um Nachschub zu holen.

Für mich ist das das Leben, was uns so viel Kraft zurückgibt, wie man reinsteckt, in dem man weiß, wen man vor sich hat, was man zu erwarten hat und wofür sich jede Mühe  lohnt. Es braucht nur wieder mehr davon… Verbindlichkeit, Herzlichkeit und echtes Interesse an den Dingen, weil sonst das Leben eine ziemlich zähe, auslaugende Angelegenheit werden kann. Und egal, welche Ausrede man für sich selbst findet… es ist  immer wieder eine Frage der eigenen Entscheidungen und der Richtungskorrekturen, die man für sich selbst findet.

Und als kleinen Seelenwärmer hier anbei das Rezept für einen der Kuchen, die gestern Nacht zwischen dem ersten und zweiten polnischen Bier weggeputzt worden sind.
Wir werden übrigens zum Papier, auf dem wir fotografiert haben, noch mehr berichten. Es befindet Sich gerade bei uns in Testphase und wenn genau klar ist, ob es hält, was es verspricht, gibt es hier (wie es aussieht) eine klare Empfehlung für diese stylische Haushaltshilfe, mit der man backen kann, die wasserfest ist, den Tiefkühler aushält und fürs Pausenbrot taugt. Neben der Tiramisu-Torte (wer sagt, dass Torten rund sein müssen?) wandert in dieser Woche auch ein Cocktail in Dessertform auf den Blog…  Ihr findet die Himbeer-Cocktail-Törtchen dann mit unter den Rezepten.

Habt eine schöne, erfüllende Woche und kümmert euch um euch und die, die euch wichtig sind…

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