Ein Dankeschön...

Manchmal ist es Zeit, danke zu sagen...
Auch ohne auf dem Balkon zu  klatschen, denn systemrelevant ist so Vieles... vermutlich ist es das, was bleiben könnte "danach"... die Erkenntnis, was alles so nötig war, um weiterzumachen, wo das wegbricht, was wir alle für selbstverständlich hielten... verlässliche Strukturen, immer Wiederkehrendes, das uns innere Sicherheit gibt.

In dieser verrückten Zeit, wo sich das Leben neu sortiert, möchte ich danke sagen:
* ... meinen Kindern, die das Hoch und Tief der Mama jetzt jeden Tag erleben... sie können ja nicht weg. Die, die selbst mit sich zu tun haben, viel lernen müssen, mit dem Haushalt konfrontiert sind, der irre Raum bekommen hat, weil so viele Mahlzeiten gekocht werden müssen. Die, die keine Freunde sehen können und sich jetzt als Geschwister umeinander kümmern müssen.
Und trotzdem ist eine Ferienstimmung bei  den Bergmanns. Wir konnten schon immer gut miteinander.
*... dem Ehemann, der alles erträgt. Jedes Hoch und Tief manchmal wechselnd in derselben Minute, obwohl er das im Krankenhaus bereits den ganzen Arbeitstag über aushalten muss.
*...den besten Freunden die da sind. Elke die unermüdlich in ewigen Telefongesprächen zuhört und wirklich alles mit mir bespricht, während ich, den Hörer am Ohr, dabei backe, aufräume, die Kinder unterrichte, während sich das Café neu erfindet.
*...den Gästen. Soviel Freude mit meinen Gästen hatte ich die ganzen letzten Jahre nicht. Unheimlich viele positive, lustige, ohne Hashtags zusammenhaltende tolle Menschen kommen zu uns. Danke für all die Gespräche. (Endlich gibt es die mal wieder... so wie früher... die Zeit zum Reden.)
Das Café wurde gegründet, weil ich immer mehr backen wollte, als irgendjemand essen konnte und wegen des Hungers nach sozialen Kontakten und nach Menschen.
Heute treffe ich täglich Leute, die reden wollen und das tun wir hier wieder... miteinander reden und süße Herzenswärmer genießen.
*...  den Großeltern, die die Geduld haben, zu warten, bis wir uns wieder umarmen können und sich gleichzeitig über Briefe freuen, die die Kinder plötzlich schreiben lernen... ganz normale... aus Papier (mit oder ohne Briefmarke... aber das ist auch schon wieder eine Geschichte, die man nur hinter der Kuchentheke erzählen kann:))
*...den Eltern, die immer für ihre Kinder da sind, wenn die Hilfe brauchen, auch wenn sie erwachsen sind.

Die Liste ist unendlich und zeigt eigentlich nur eines... Jedes noch so Schlechte hat etwas Gutes .
Lasst uns dieses neue Gefühl mitnehmen... auch nach Corona .

Doreen.
Anmerkung Elke:
Danke, Doreen, dass du das alles tust, denn da oben ist gerade dein Alltag beschrieben.
Von aussen gesehen ist ist das alles ein riesiger Berg an Dingen, gerade 7 Tage die Woche open End. Das Café hat nach einer kurzen Besinnungspause eigentlich wieder voll gestartet, auch wenn man das von aussen nicht sieht.

Denn das, was das Ausser-Haus-Geschäft an Möglichkeit ist, bringt neben der Chance, wenigstens irgendwie weitermachen zu können, alle an die Grenze... und das betrifft die gesamte Gastronomie. Fast alle arbeiten allein oder mit nur wenigen Mitarbeitern, weil es anders nicht geht... ertragen es, erklären zu müssen, warum sie von bestimmten Dingen viel kaufen zu müssen (machen sie ja immer, aber sonst hat auch keiner Angst, zu kurz zu kommen), bereiten den Ausser-Haus-Verkauf meist fast allein vor, um ihn dann auch noch selbst zu organisieren... aber wer verkauft, kann nichts herstellen... wer verkauft, kann sich nicht um erlaubte Zahlen an Besuchern im Raum kümmern, Menschen mit genügend Abstand erklären, warum sie auf der Straße warten oder den Hof verlassen müssen, obwohl da noch ein paar Stühle stehen... und genaugenommen rechnet sich das alles nur, wenn man über die eigenen Grenzen geht.

Das heisst, dass täglich neu getunt und gedacht werden muss, was heute richtig schien, erweist sich morgen als undurchdacht... Insofern ist es wirklich toll, dass sich all die Onlinearbeit gelohnt hat und die Gäste sich informieren und geduldig aushalten, dass immer mal wieder etwas neu ist.

Aber eine Option ist das Ganze einfach nicht...ebenso, wie Schulklassen nicht in halben Klassen unterrichtet werden können, ohne dass nix Wirkliches dabei raus kommt, können Gastronomen ohne Mitarbeiter und mit der Hälfte oder noch weniger Plätzen leben, ihre Konzepte jeden Tag neu überdenken oder auf die Geduld ihrer Gäste hoffen.
Es wird also noch ein Weilchen dauern... das kunterbunt Improvisierte... aber es passt ganz gut zu den kunterbunten, liebevoll hergestellten Sachen, die die Patisserie jeden Tag wieder aus dem Ofen holt.
Es wird mittlerweile Trend, die Sachen zu machen, wie es sie in der Patisserie gibt (und natürlich gerät man sofort an die Grenze:)) und man zeigt stolz seine Tortenschachtel voll kunterbunter Schätze und kann sich sicher sein, dass man neidische Blicke erntet. Das einzige Mal, dass es mir schon einmal so ging, war beim wunderbaren Koriat aus Weimar, dessen orientalische Torten der Hammer sind.

Insofern gibt es für mich viele Helden des Alltags, nicht nur die, für die wir klatschen (wo genügen würde, dass wir sie achten und ordentlich bezahlen), nur weil wir ein schlechtes Gewissen haben, dass sie täglich einfach weiterarbeiten, während viele von uns von zu Hause aus werkeln. Vielleicht entsteht an dieser Stelle wieder ein wenig Achtung vor den Dingen.

Also danke auch an Doreen.
Ich bin gespannt, wohin der Weg führt.

7 Kommentare

  1. Schöne Worte…und das ist eine Seite “Gutes”,die aus dieser Situation entsteht….man kommt zu sich(wenn man es zulässt)…Und was meint ihr,warum die ganze Zeit die Sonne scheint….ein Zeichen??!! Und,die Reise geht dahin,wo wir es wollen,jeder für sich,trotz allen “Regeln”….jeder hat es selbst in der Hand….es ist immer noch unser Leben….also machen wir es uns schön!!! Hoffentlich auch nach Corona!!! Bitte nicht gleich wieder in alte Muster fallen. Grüße von Katrin

    1. Author

      Das machen wir… es uns schön. Und bis das auch wieder für Gäste möglich ist, bleibt eh alles im Wandel und wir denken jede Woche neu. Aber das hat auch etwas Erfischendes…

  2. Liebe Doreen .. erfrischend, herzergreifend und ehrlich dein Text, ich danke Dir dafür. Gestern haben wir bei Dir leckere Torte geholt, außer Haus, natürlich…:-) und das schöne neben den Köstlichkeiten war unser persönliches Gespräch.
    Ja alles hat 2 Seiten und so anstrengend und seltsam die Situation gerade ist soviel positive Seiten gibt es aber auch. Wieder Zeit für Menschlichkeit und Gespräche, ein Besinnen auf die Dinge die wirklich wichtig sind, ein Neuerfinden und Sortieren der beruflichen Aktivität, meinerseits ein Wertschätzen meiner wunderschönen Heimat…..
    Das Leben geht weiter und es ist das, was man selbst daraus macht.

    Liebe Grüße
    Julia Berger aus Auma

  3. Hallo ihr Lieben und viele Grüße zu Euch??. Eine richtig liebe Dankeschönaktion…..da freut man sich und glaubt auch dem Geschriebenen. Stimmt, Dankeschön sagen in der heutigen Zeit ist leider nicht selbstverständlich. ABER bei Euch hört man das oft und das tut gut. Das Miteinander bei Euch Lieben ist so grundehrlich, wohltuend und lustig. Ihr seid mein zweites Wohnzimmer, schon von Anfang an. Auch wenn das die letzte Zeit mehr gedanklich war????.
    Ich sage DANKE, das es Euch für mich gibt und ich möchte DAS noch ganz lange soooo????. Paßt bitte tolle auf Euch auf, bleibt bitte gesund, fit und munter. Den KURZEN wünsche ich eine tolle Zukunft……aber eine richtig tolle??????.
    Ich knuddel Euch ALLE mega tolle und lieb……ja ja meine liebe Doreen, Du magst das ja nicht ganz sooo tolle….???.
    Ich habe Euch mega lieb….Euer Monsterli???

    1. Author

      …hoffentlich wird das Wohnzimmer dann irgendwann wieder einmal bewohnbar, in welcher Form auch immer. Wir freuen uns auf einen Sommer, in dem es wieder mehr gibt, als nur Ausser-Haus-Verkauf.

  4. Liebe Doreen und liebe Elke,
    DANKE, dass es hier diesen Blog und die Seite von Euch gibt.
    DANKE für die immer so ehrlichen und offenen Worte und somit auch Teilhaben lassen an Eurem Tun und Leben.
    DANKE für die Rezepte hier und auch die Möglichkeit für mich, einige Köstlichkeiten zu Hause zu backen, habe ich schon probiert.
    DANKE und schön, dass es Euch gibt!
    Alles Gute und liebe Grüße
    Martina

    1. Author

      Liebe Martina, es ist schön zuhören, dass das Ganze nicht einfach virtuell untergeht… Am Ende gibt es so viele Blogs, dass sich schon die Frage stellt, ob es noch einer sein muss und inwiefern man annehmen sollte, dass das, was man erlebt, inhaltlich so tragfähig ist, dass es anderen etwas gibt… Wir haben uns auch erst dazu entschlossen, als wir merkten, dass wir mit vielen dieselben Gespräche führen und die Gedanken, die uns bewegen, vielleicht doch für viele interessant sind. Und wenn die Rezepte für den einen oder anderen leckeren Moment sorgen, freut uns das natürlich…
      Vielen Dank dir…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × vier =