Karamell

Menschen und Pausen im Leben

Ich weiß nicht, ob meine Cookies (diesmal nicht die gebackenen, aber das bringt mich auf die Idee, euch hier und heute ein schönes Rezept reinzupacken🙃) verursachen, dass ich gerade überflutet werde mit den verschiedensten Ansätzen, mir ein gutes Jahr zu verschaffen... immer natürlich vorausgesetzt, ich nutze einen der Vorschläge für ein Coaching zur Persönlichkeitsentwicklung...

Gerade Anfang des Jahres taucht man in einem Sumpf von Angeboten für Coachings unter, derer man sich schwer erwehren kann, klickt man einmal das eine oder andere an...
Mit etwas Glück geht vermutlich das eine oder andere Abo für einen preisgesenkten (nur heute 1200 Euro kostenden Kurs) über die Theke, weil man sich besonders jetzt gerade bemüßigt fühlt, doch endlich irgendwas zu tun. Jetzt, da alles neu beginnt, alles neu geordnet und getan werden kann....

Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber die letzten beiden Jahre haben so ihre Spuren hinterlassen... in jeder Form. Mein Glaube daran, was Menschen vorantreibt, hat ziemliche Beulen bekommen, was allerdings am Ende wie so oft sein Gutes hat. So sehr mich natürlich solche Angebote auch triggern (wer will nicht sein glücklichstes Leben führen??), so sehr setzen sie mich aber auch unter Druck, es JETZT und genauso zu tun, wie es die verschiedensten Coachings so vorschlagen.

Abgesehen davon, dass man sie nicht alles bewältigen kann, sie selten da abholen, wo du gerade stehst und sie schon alle irgendwie ein sehr eng gefasstes Bild vom erfolgreichen glücklichen Menschen zeichnen, haben die meisten ein gemeinsames Problem.... sie halten mich in der virtuellen Welt gefangen... in Gruppen, Foren, Zoom-Meetings. Und aus keinem gehe ich mit der Kraft heraus, die es mir möglich macht, die nächsten Schritte einfach nach meinem Gutdünken zu gehen.

Ich hatte kürzlich ein wirklich gutes Zoom-Meeting, das mich inspiriert hat und das ich, auch weil es ohne Kommentare ablief, als ausgesprochen angenehm empfand. Es hätte auch einfach so bleiben dürfen und vermutlich hätte ich die mir danach zugesandte Aufzeichnung sogar noch einmal angesehen, wären nicht an den Folgetagen Unmassen am Mails, neuen Einladungen, Erinnerungen, Vorschlägen bei mir eingetrudelt, die mich sehr in Versuchung führen, meine Mail dort abzumelden und das gute gegen ein mieses Gefühl zu tauschen. Ich bin weder der Typ, der sich in Foren bewegt, noch gern in Diskussionen auf Social Media in Auseinandersetzungen verstrickt wird, die mich am Ende davon wegbringen, was ich eigentlich wollte... einen Schritt in die richtige Richtung gehen.

Was mir wirklich hilft, wenn das Leben gerade mal eine Pause einlegt (oder ich?), neu durchgeatmet werden muss und irgendwie die Richtung justiert, sind also weniger die Selbstperformer-Programme als vielmehr der Austausch mit realen  Menschen, die bereits in meinem Umfeld sind und die seltsamerweise die Themen genauso aufnehmen, wie sie für mein Denken gerade wichtig sind. Mag sein, dass das durch die Art, Fragen zu stellen, passiert, dadurch, dass man von sich genau in der Weise berichtet, die den anderen dazu bewegt, genau das von sich zu geben, was mein Thema ist oder vielleicht lässt das Leben sinnvollerweise zur rechten Zeit die richtigen Menschen wieder in dein Leben, die du bis dahin weniger kontaktiert hast.

Und genau hier liegt eigentlich das, was das Thema ist... die Cookies... verschenkt mehr Cookies im realen Leben... hinterlasst eure Spuren bei Menschen aus Fleisch und Blut, die sich freuen, nach einem Weilchen wieder von euch zu hören... die sich echt interessieren, deinen nächsten Schritt beklatschen, weil sie dich mögen, nicht, weil du ihr nächstes Coaching buchst.... die irgendetwas mit dir verbindet, das für dein Leben wichtig ist und womit du wirklich die Chance hast, erfüllt zu sein.

Meine letzten Wochen haben mir mindestens 4 Menschen (wieder) ins Leben gespült, mit denen es entweder demnächst Pläne geben wird bzw. die unbewusst die Richtung meines Denkens bestätigt haben.... also nicht MICH... denn es braucht Menschen, die dich mit Ideen, Visionen und Verständnis voranbringen, keine, die dir huldigen, sich toll finden und dein Ego puschen. Das musst du schon selbst und das Ganze nennt sich Selbstliebe... allerdings ist es etwas oldscool geworden, sich einfach so halbwegs okay zu finden, ohne sich von außen der ständigen Bewunderung anderer zu bedienen.

Ideen, die dich den nächsten Schritt machen lassen, dir Herzhüpfmomente bescheren, ohne, dass du auf Großartigkeit hoffst oder darauf, dass dir das Außen spiegelt, wie toll du doch bist.... Menschen, die dich darin unterstützen, sind dein größter Schatz, weil sie immer irgendetwas für dich bereit halten, was dein Denken in die richtige Richtung lenken könnte. Alle anderen landen früher oder später recht zuverlässig im Tagebuch deines Lebens, ohne jemals wieder aufzutauchen.

Meine Coaches in diesem Jahr wissen es vermutlich gar nicht, dass sie es sind, aber sie alle haben eine Menge gut bei mir, egal, ob sie mir auf einem Weg, der mir ein paar blaue Flecken verschafft hat, Klarheit gebracht haben, über ein tolles Angebot der Zusammenarbeit oder einfach über eine lapidare Anmerkung.

So wird im Prinzip jeder Mensch in deinem Leben so bedeutsam wie jedes der derzeit umgehenden Lebenscoachings, von denen du nur mit viel Glück das erwischen wirst, was wirklich den Reichtum in den Leben bringt, den du dir wünschst. (Wer wählt schon das, was erst einmal unangenehm erscheint... im richtigen Leben gehört aber genau das auch dazu.)

In dem Sinne... verteilt Cookies, wo immer es euch wichtig erscheint (gern auch die realen🙃) und legt ab und an nach. Sie werden es euch danken, wenn das Leben einmal Pause macht.
( >HIER übrigens noch ein Kalender_2022... auf A4 Ausdrucken, in einen Rahmen packen und dran halten:))

und ein paar Entdeckungen

Die Haupterkenntnis des Wochenendes... zu den Klassikern, die man in der Schule (seit es die nicht mehr klassisch gibt, gehört es ja dank einiger Eltern sogar schon dazu) zu lesen bekommt, sollte unbedingt Pippi Langstrumpf gehören. Zumindest, falls man lesen nicht für eine asoziale Sache hält, was leider einige Kommentare, die mir so auf sozialen Medien dazwischengeflutscht sind, glauben lassen. Da gibt es tatsächlich ernst gemeintes Stirnrunzeln und Fragezeichen im Gesicht, wenn man nach Büchern fragt oder jemand, der liest, wird zum Nerd. Meine Gedanken, was da so an koommunikativem Gegenüber übrigbleibt, erspare ich euch lieber an der Stelle.

Allerdings kam mir der Gedanke schon früher, bevor ich es so ganz plastisch vor Augen geführt bekam... die Welt (ich weiss nicht, ob es der Internetturbo dank Corona nur noch unterstützt hat oder es schon ein Weilchen unbemerkt so ist) kann zu einem erschreckend großen Teil bereits ohne Bücher.
Und das vor allem auch in Generationen, die demnächst selbst Kinder erziehen werden (Kinderbücher allein werden nicht reichen... bekanntlich lernen Kinder von Erwachsenen und sehen sehr wohl, womit sich diese beschäftigen.) Ein ganz wertungsfreier Gedanke (zunächst... weil ich es mangels Beispielen nicht relativieren kann): stellt euch vor, was zu den Einrichtungsgegenständen einer ersten Wohnung gerade ausziehender Kinder gehört... die Wohnbeispiele kommen natürlich von Instagram... irgendwie.
Da haben die großen Dekorierer und Raumausstatter (so ganz verstaubt hießen sie früher... jetzt sind es Ikea, Depot, Skandeko...) als Reichweitenoptimierung die Influencer entdeckt, die wunderbar zeigen, wie man beispielsweise mit Depot wohnt (nachzuschauen auf dem Depot-Blog). Nicht, dass das nicht das erste, ganz fein unterschwellige Druckmittel ist, dass mich dazu bringt, auf Instagram nachzuschauen, wie die Influencer so ihre Bilderrahmen arrangieren, um dann dieselbe Menge und Größe zu ordern... Vielmehr irritiert, dass das, was noch vor 15 oder 20 Jahren jedem, der umziehen wollte, die ersten grauen Haare beschert hat, scheinbar komplett eliminiert ist... die Bücherkisten (die nie einer schleppen wollte... aber sortiere mal Bücher aus und wirf sie vielleicht gar in die Papiertonne... so viel schlechtes Gewissen schafft keine Plastiktüte, die ich aus dem Supermarkt nach Hause schleppe) und in der Folge die Bücherregale... die gibts noch... aber heute füllt man sie mit Kakteen aus Keramik und Leuchtobjekten.

Und wo bleiben die gemütlichen Sonntage im Bett oder auf dem Sofa mit einem Buch, der erst endet, wenn das Buch leergesaugt ist und es natürlich keine nächste Folge gibt, weil dieser verdammte Autor einfach Zeit braucht, den Nachfolger zu schreiben oder es gar nicht vor hat?
Das, was weder E-Books noch E-Reader geschafft haben (seid ihr schonmal mit einem e-Reader ins Bett gegangen und habt versucht, Buch-Stimmung zu bekommen? Das ist schwer und maximal für den Urlaub zu empfehlen.), machen jetzt TikTok, Reels und natürlich Podcasts... (dazu ein späterer Post... Podcasts gab es kürzlich als Selbsttest..::). Sie entsprechen einfach den neuen Konsumgewohnheiten... schnell abrufbar, austauschbar, zu Massen auf dem Markt und wenn man ein Abo hat, kein Kostenfaktor... Was irgendwie cool wäre, könnte man es als Ergänzung sehen, aber es ist schwer vorstellbar, wie Kinder in I-Pad-Klassen mit einem Spotify-Abo zu Hause je noch zum Buch finden sollen. Und vermutlich bewahrheitet sich dann, was meine Oma noch wusste... was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Oder kann man die Liebe zum Buch irgendwann später noch entdecken?

Dass sich das Thema Buch verändert hat, seit man sich bei der Gründung eines Haushaltes nicht mehr den gesamten Brockhaus zulegen muss, um einen Plan von der Welt zu haben, ist unbestritten und auch sinnvoll bei einer sich so schnell verändernden Welt und dem Verschwinden von Grenzen (in und ausserhalb des Kopfes). Aber die Tasse Tee verschwindet doch auch nicht still und leise und auch wenn man es dreist Urban Outdoor nennt, damit es IN ist und man es machen darf... auch der Reiz des Draussenseins erhält sich...also diese kleinen Auszeiten sind etwas, was man als Mensch braucht, um irgendwie wieder in Kontakt zu sich selbst zu kommen bei all dieser Geschwindigkeit.

Und mal ehrlich... wenn ich etwas benennen müsste, was mir gerade eben wirklich fehlt, dann würde ich so eine Buchmesse wirklich dazuzählen. Und sich die Zeit zu nehmen, in einem Buchladen zu stöbern ist doch gleichzusetzen mit einem Besuch im Kino oder einem Besuch in einem Cafe? Wenn ich mir vorstelle, dass das dann doch altmodisch werden könnte, dann geht uns gerade ein wesentliches Stück Mensch sein verloren. Und mir fällt wenig ein, wie man das verhindern könnte... ausser, dass man diesen Zauber als Kind erleben und sich erhalten kann.

Und ich bin froh, dass es dann Orte (und die Menschen, die sie schaffen) gibt wie die, von denen wir schon berichtet haben... der kleine Bücherwagen in Mülsen... ich sammle noch heute die Bücher, die ich wie einen Sonntagsfilm (der mir die Sonntags-Wollweich-Laune macht, aber nicht unbedingt für eine Wiederholung taugt) lese und die dann einfach übrig sind für den nächsten Leser... die staple ich hier und gebe sie irgendwann dort hin. In der Hoffnung, dass irgendwer eines davon in die Hand nimmt und bestenfalls bei gutem Wetter gleich draussen vor dem Wagen unter Obstbäumen mit einer Limonade in der Hand anfängt zu schmökern (ja... das taugt dann schon fast wieder für eine Story bei Instagram:) und so richtig glücklich ist.

ABER... eigentlich war Pippi Langstrumpf ja das Thema... da war der kleine Umweg doch mal wieder etwas länger:) Die Pippi... die hat so viel Klugheit in sich, dass sie gut zu den Philosphen unseres Jahrhunderts gehören könnte. Erinnert sich der eine oder andere an den Spruch: "Das haben wir noch nie probiert. Also geht es sicher."? Den sollten wir uns echt auf die Handinnenfläche schreiben... täglich neu. Wie oft denkt man, dass man etwas nicht kann... allerdings ohne es jemals probiert zu haben...

Wie kommt man zur Annahme, man müsse ein Spezialist sein, um etwas tun zu können... und das in den Zeiten von Social Media, in denen jeder sich zum Coach und Fachwissenden selbst ernennen kann? Gibt es Menschen, denen das leicht fällt, weil sie einfach erkannt haben, dass selten wirklich Tiefgreifendes erwartet wird oder vieles schon gar nicht mehr nachvollziehbar ist, wenn es darum geht, ob etwas richtig oder falsch ist? Und daneben gibt es die, die eine gute Idee haben, sich wirklich mit Themen beschäftigen und noch immer zweifeln, ob sie das laut sagen dürfen und dann noch in der Verbindung mit der Aussage...ICH KANN DAS? So einen Menschen habe ich getroffen am Wochenende... jemanden, der das kann, was er gerade tut und just beim Ausprobieren gemerkt hat... hoppla, ich kann das ja wirklich und die Pippi samt ihrer Sprüche in ihr Leben geholt hat, was Vieles doch gleich doppelt so fluffig macht...
Über Pippi und Andrea schreiben wir demnächst auch noch mehr (die Liste der geplanten Posts wird langsam lang:).

Lange Rede kurzer Sinn... die Entdeckung des Wochenendes... man kann mit Sicherheit allerlei Dinge und immer, wenn man zu schnell dabei ist sich zu fragen, ob man das wirklich kann, sollte Pippi ran und man sich selbst fragen, wieso man glaubt, etwas nicht zu können, was man doch noch gar nicht probiert hat. Es gibt nicht viel Gründe, die dich dann noch davon abhalten sollten, dich zu trauen:))

Naja... und es gab natürlich den nächsten Gugl. Gugl Nr.3 entstammt einem Buch. Ich habe wie so oft verliebt stundenlang in einem Buch geblättert, das ich wirklich seeehr mag. Dabei hatte ich es erst sogar versehentlich  in der englischen Version bestellt und dann gottseidank in einem hellen Moment gemerkt, dass mir die Umrechnerei der Mengen etc. einfach den Zauber des Durchblätterns und inspirieren Lassens nehmen würde und es nochmal in deutsch geordert :)).
Yotam Ottolenghi erdenkt Rezepte, die so sinnlich sind, dass allein das Backen schon ein Großteil des Genusses ist. Es wird nie rein auf Optik gebacken (obgleich die Ergebnisse total toll aussehen, aber eben nie aufgepimpt), sondern drin spielt die Musik...

Rausgekommen ist am Ende ein Gugl, der seine Anleihen aus mehreren Rezepten des Buches hat und noch ein paar Zutaten mehr.
Als er dann gut ausgekühlt vor mir stand und der Guss so lecker war, dass ich ihn am liebsten sofort so ganz ohne Kuchen gelöffelt hätte, stand fest, dass es einer der tollen werden würde... einer, der es hierher auf den Blog schaffen würde (im Gegensatz zu denen, die in der Nacht vorher den Ofen verlassen hatten und irgendwie nur so halb gut waren... gut, dass meine Familie tapfer auch die Versuche auffuttert, die nicht so der Hit sind:))

Dann genießt es... wir googeln uns diese Woche tapfer weiter durch die Gugl-Welt... je länger man sich damit befasst, desto mehr ist möglich. Aber wenn es besonders werden soll, kommt man nicht daran vorbei, sich an besonderen Zutaten zu versuchen. Man kann ja klein anfangen... der Vorrat an besonderen Dingen und das Gefühl dafür, wann man was wie kombinieren kann, kommt mit der Zeit. (Man darf nur nicht davon ausgehen, dass man bäckt und alles schmeckt. Die Ausfallquote wird höher mit dem Grad des Experimentes:)) Damit es nicht zu weh tut... einfach kleine Mengen backen. Törtchen, Minigugl, einen Backrahmen anschaffen... einfach kleinschrumpfen und schauen, was funktioniert und was man einfach besser lässt.)