Weihnachten Ade
Die Weihnachtstage sind vorbei und neben der Tatsache, dass ich trotz toller Tage nicht dahinterkommen konnte, weshalb der  volle Weihnachtszauber mit Lichtgeschwindigkeit an mir vorbeigerauscht ist, sitze ich hier mit schlechtem Gewissen.

Ich habe eben der Müllabfuhr eine gehörige Portion Arbeit vor die Tür gestellt, der DPD-Mann musste aus dem Haus, weil ich es nicht geschafft hatte, alle Weihnachtsgeschenke zeitig genug zu bestellen und eines die Weihnachtsfeiertage zwischen dem Händler und mir verbracht hatte und heute zugestellt werden wollte... da müssen Menschen heute schon wieder in den vollen Alltag, weil wir Dinge nicht einfach mal verschieben können. Weils eben immer so ist und weil wir ja nicht dafür können, dass es so ist.

Wer dann? Immer, wenn wir etwas nutzen, können wir dafür, natürlich. Weil dadurch scheinbar ein Bedarf entsteht. Welche Marketingabteilung wäre wohl auf die Idee gekommen, heute zwischen 7!!!! Und 10 Uhr irgendeinen Sonderverkauf bei Media-Markt zu machen, wenn nicht anzunehmen wäre, dass der genutzt wird? 7 Uhr nach 3 wirklich übervollen Tagen??

Ich glaube, der Mensch ist nicht dafür gemacht, mit dieser Fülle umzugehen. Man kann alles, muss alles und am besten alles parallel. Vor dem Fest Black Fridays, Prozente bis zum Überlaufen ( ist uns aufgefallen, dass es diese Mails fast jeden Tag gab, die allerdings auch im Laufe des Jahres unterwegs sind, also keine dringende Notwendigkeit zu sofortigem Handeln besteht?), das richtige Weihnachtsmenü, die passenden Kleidung zur romantischen Geschenkeübergabe vor dem natürlich perfekten, ökologisch sauber erzeugten Baum ( habt ihr mal einen Bericht über Zapfenpflücker gesehen???)...

All das würde Sinn machen, wenn wir jetzt Rosa-Wolken- Gedanken im Kopf hätten und glücksverklärt vor dem Weihnachtsbaum sitzen würden und den Nachklang dieser wunderbaren Zeit genießen würden.

Aber wir hasten auf Arbeit, um Dinge zu tun, die nicht in jedem Fall jemand dringend benötigt, packen die Ski, um einen der letzten Skiurlaube in greifbarer Nähe auf übervollen Pisten zu verbringen oder böllern hier und da schonmal locker los, weil man Silvester ja in Form sein will. Und im Laden sind die Weihnachtsmannfiguren schon seit vor Weihnachten vom Fasching verdrängt worden.

Und nun sitzen wir da und wundern uns, dass uns alles zwischen den Fingern wegrinnt... die Gefühle, die Erinnerungen, die Besinnlichkeit und Ruhe.
Als wir unseren Weihnachtsgruss geschrieben habe, war das alles so gemeint, wie geschrieben... haben wir uns Gedanken gemacht um jemanden, für den Weihnachten nicht so toll war und ihn zu uns geholt oder ein dickes, liebevolles Paket gepackt mit Dingen, die diesen Menschen glücklich machen,.., haben stundenlang telefoniert, weil dieser Mensch zu weit weg wohnt und haben mit ihm Weihnachtslieder gesungen oder Geschichten vorgelesen? Haben wir bemerkt, dass jemand, dem gerade die Familie zerbrochen ist, gerade vielleicht auch die unsere genügt und ihn in unser Leben gelassen?

Mir ist schon die Adventszeit zwischen den Fingern durchgeronnen und ich habe auch mit soviel Kerzen, dass schon die Heizung überflüssig wurde, nichts dagegen tun können, dass das richtige Weihnachtsgefühl auf sich warten ließ. Die beste Idee schien, zu sortieren, welche Erinnerung an Weihnachten die stärksten waren und was man am meisten vermisst oder bei anderen scheinbar zu sehen glaubt, auch wenn ich denke, dass es vielen von uns ebenso geht.

Was diese Dinge dann gemeinsam hatten, war recht simpel. Es waren nicht die perfekten Geschenke, kein traditionelles Essen, keine bestimmten Abläufe... es waren schlicht und ergreifend zwei Dinge... fehlende Hast und das Besondere.

Als Kind fehlt einem dieses Gefühl, noch tausend Dinge erledigen zu müssen, bis... man denkt nur an den 24. und tolle Tage, nicht darüber hinaus und schon gar nicht an das neue Jahr, in dem es auch wieder tausend Erwartungen zu erfüllen gilt. Man ist einfach im Jetzt...der Adventszeit mit tausenden an Lichter, Geheimnissen, guten Gerüchen, schöner Musik, Tannennadelduft... das ist es auch, das wir mitnehmen in unser Erwachsenenleben und dann nicht mehr erleben können, weil wir nur so klitzekleine Zeitfenster haben, um zu Genießen, dass die gar nicht reichen, um genug zu sein. Ob sich das allerdings ändern lässt, ist schwer zu sagen.
Und das Besondere... daran könnte man arbeiten. Es gab Dinge, die nur zur Weihnachtszeit gehören. Weihnachten war die Zeit, in der es Schokolade gab, die sonst nie in dieser Auswahl verfügbar war, wir bekamen Dinge, die nur „ der Weihnachtsmann“ brachte, wir hatten gerade dann genug Zeit, diese in Ruhe zu genießen... Jetzt werden Geschenke verteilt, die oftmals keine Herzenswünsche sind, weil wir einfach zu vieles bereits haben. man freut sich, aber dieses große Glücksgefühl bleibt aus. ich kann mich auch nicht genau erinnern, ob es so viele Geschenke gab.

Eile, Beliebigkeit, ständige Verfügbarkeit der Dinge...das sind wohl die Momente, die uns das richtig glitzernde Weihnachtsgefühl auch mächtig verderben. und daran kann man zumindest ein wenig drehen... bei mir kommen z.B. Dinge auf den Wunschzettel, die ich wirklich sehr gern besitzen würde, mir aber trotzdem nicht selber kaufe... sie landen dann auf dem Zettel und entweder so in meinem Leben oder bleiben halt weg... Und wenn sie dann kommen, hüpft das Herz...auch wenn das erst beim übernächsten Fest ist und ich merke, dass sich da jemand wirklich Mühe mit meinen Wünschen gegeben hat oder einen erahnt hat, bevor ich ihn richtig aussprechen konnte. Wir erfüllen uns unsere Wünsche zu inflationär selbst, wollen nicht mehr warten, halten Vorfreude und Nicht-Besitzen-Können nur schwer aus. Das verdirbt und spätestens an besonderen Tagen die ganz große Überraschung. Und... wir schenken Dinge, die es eigentlich nicht braucht. Wenn das Neue nicht wirklich unser Leben bereichert, wie soll es dann besonders sein? Ebenso ist es mit den Dingen, die man tut... besondere Speisen, ein Adventskalender, der eigentlich nur helfen soll zu zählen, bis der 24. kommt, aber heute oft nur dafür da ist, jeden Tag Geschenke bereit zu halten. Wenn ein Kalender mittlerweile den Wert eines großen Weihnachtsgeschenkes hat, wie soll dann Weihnachten noch überraschen?

Unterm Strich bleiben mal wieder die Dinge, die so oft die Lösung scheinen... weniger, langsamer, seltener... vielleicht ist das die Formel, mir der das nächste Weihnachstfest ein wenig besinnlicher und näher an dem wird, was man als Kind gefühlt hat. Auch, wenn das als Erwachsener schwer wird. Aber da gibt es ja noch unsere Kinder, die das leben, was wir ihnen zeigen. Ein bisschen ist ja auch noch zu retten. Da glücklicherweise gerade wieder Wochenende ansteht, kann Weihnachten einfach andauern... das Weihnachtsoratorium weiterdudeln, die Geschenke jeden Tag wieder hervorgeholt werden und mit Ruhe genossen und vor allem nicht zum Alltag übergegangen werden.
Und vielleicht hat man mit diesen Gedanken schon die ersten Wünsche fürs neue Jahr parat?

Und nein... es ist noch nicht Knut... Knut ist dann, wann wir es wollen!
Auch das sollte sein, wenn wir einen Baum, der Jahre zum Wachsen gebraucht hat, in unsere Wohnungen holen... aus ihm keinen Wegwerfartikel zu machen, nur weil wir schon wieder genug von ihm haben und an seine Stelle eigentlich ein neues Möbelstück könnte...

Und nein, ich muss nicht am Tag nach Weihnachten wieder für Aktionen sorgen. (Uns rief gestern, am 2.Weihnachtsfeiertag jemand an, der die Tage zwischen dem Fest planen und sich über Öffnungszeiten informieren wollte... weder war Weihnachten vorbei und es musste schon neue Betätigung her, noch hat sich da jemand Gedanken gemacht, dass eigentlich für ALLE Feiertag war. Solange wir so gedankenlos sind, wird die Leere bleiben.)

Eine schöne Nachweihnachtszeit für euch alle...

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