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...und selbergemachtes Glück

Wenn man im Archiv ein Jahr zurückblättern würde, gab es vermutlich schon einmal die ähnliche Kirsch-Euphorie, da allerdings gepaart mit dem Wissen, dass die Kirschen im Kuchen die letzten sein würden, die uns dieser Baum schenken würde.

Nun ist diese wunderbare alte Wildkirsche schon weit über ein halbes Jahr weg, an ihrer Stelle wachsen gelb wuchernde Büsche... immerhin etwas. Und weil es nicht zu umgehen war, dass der Baum weg musste, haben wir alles mögliche versucht, ein Teil zu erhalten. Ein Ast dümpelt seitdem  in einer Vase herum und bildet etwas, das ich, weil ich es wirklich sehr hoffe, als Wurzelansätze definiere, um halbwegs weiter durchhalten zu können. Was damit geschieht, wenn die größer werden, weiß ich auch nicht, besonders wenn ich meine Tomatenpflanzen betrachte, deren Anzucht irgendwie nicht zu meinen absoluten Stärken zu gehören scheint. Wie soll das erst bei so einer sensiblen Sache werden.

Gottseidank haben wir aber ein paar Äste in die Baumschule nach Harra (Empfehlung!!) gebracht, wo man so unfassbar nett ist, in 1,5 Jahren (!) alles zu versuchen, dass diese Äste als Triebe auf einem Obstbaum landen und so die Kirsche auch wieder wachsen kann. Ich bin beeindruckt von derartiger Geduld... obwohl die Kirsche genau dafür da zu sein scheint... dem Menschen Geduld zu lehren, denn selbst wenn sie einfach nur das macht, was Obstbäume so machen... also Früchte geben... dann tut sie das, um uns Geduld zu lehren... denn Wildkirschen sind winzig. Winzig und unglaublich aromatisch. Das allein ist es wert, sie nicht so einfach herzugeben.

Durch einen wunderbaren Glücksfall lief ich jetzt wieder einer Wildkirsche über den Weg, die für die Kirschen verantwortlich ist, die letzte Nacht auf fast meditative Art und Weise ihre Bestimmung fanden.Während des Entkernens (am besten Parallelbeschäftigung suchen oder ein Glas Wein mit der Freundin trinken nebenbei... es dauert...🙃) war genug Zeit für Grübelei, welche Art Kuchen die Kirschen verzaubern sollten und weil seit einigen Wochen auf dem Küchentisch Glücksklee in einem hitzebeständigen Glasgefäss wächst, der dort eigentlich schon längst eingegangen sein müsste, sich aber nach wie vor wohlfühlt, kam der Gedanke, den Klee zu erlösen und das Gefäß endlich mal da zu testen, wo es hingehört... im Ofen. Kirschmichel wäre eine gute Idee gewesen, aber der schmeckt einfach warm am besten und das macht nach 22 Uhr keinen Sinn mehr. Biskuit ist zu vernünftig, Keksteig kommt schwer aus Formen wie dieser... am Ende wurde es ein Crumble, grob gesagt Streusel mit allem, was das Herz begehrt.


Das Herz begehrte Amarettini, denn so ein bisschen Marzipangeschmack geht immer mit herben oder sauren Kirschen... weiße Schokolade und Kakao fanden ganz von allein in den Teig. Schwieriger war die Frage Creme... Puddingfans könnten hier einen einfachen Pudding hervorzaubern, eine Creme Patissiere oder eine Mischung aus Pudding und Schmand oder Frischkäse? Ein reiner Käsekuchem sollte es auch nicht werden. Also erstmal ab mit dem Teig in den Ofen (nicht zu lange.... er wird sonst steinhart) und gedanklich sortiert, wohin die Reise mit dem Marzipangeschmack der Amarettini gehen könnte. Der Griff zum Amaretto lag nahe... aber in einer Creme sieht der einfach nicht richtig hübsch aus. Also Amaraetto aufgespart für die Kirschen, die derweil in Ruhe karamellisiert waren und im eigenen Saft sanft vor sich hin köchelten.

Die Creme wurde dann nach einem Griff in den Kühlschrank zum Experiment, weil der Rest vom körnigen Frischkäse vom Schinkenbrot, das neben dem ganzen Süßkram einfach sein musste, in der Backschüssel landete. Dazu Schmand und Sahne... und fertig war ein schön cremiges Bett für die Kirschen, die so ihren eigenen großen Auftritt bekamen... naja, nach der ganzen Arbeit auch verdient.

Am liebsten hätte ich ja mitten in der Nacht noch gekostet, als die schön eingekochten Kirschen mit Amaratto auf der Frischkäsecreme gelandet waren... aber irgendwie hatte die Vorfreude auf den nächsten Morgen auch was... also ab nach draußen damit zum Abkühlen und Durchziehen🙃

Und es war wirklich toll heute morgen und ein Nicht-Frühstücker hat dann doch das erste Stück vom Kirschcrumble verdrückt... und ich kann euch sagen... es ist so was zum langsam essen, weil man einfach schmecken will, was das so alles kommt... zuerst die Kirschen, die wunderbar herb geblieben sind und irgendwann die Creme, die so körnig ist wie der Frischkäse eben....irgendwie toll... mit viel Schokoteig, der schon allein wegen der Schokostücke lang im Mund bleibt. Es ist nur eine kleine Form geworden, aber ich vermute, sie hat das Zeug dazu, viele Menschen satt zu machen...

Hier für euch das Rezept... ihr könnt natürlich alles auch auf einem kleinen Blech oder in einer kleinen Springform backen. Wenn ihr euch auch für eine Quicheform oder eine Glasschale entscheidet, dann müsst ihr damit leben können, die Stücke unorthodox mit dem Löffel aus dem Gefäß zu holen .... oder, ihr stellt sie in die Mitte des Tisches und gebt sie zum Löffeln frei🙃🙃

Lasst es euch gutgehen und genießt diesen wirklich wunderbaren Sommer, der diesmal wirklich alles hat...sanfte (naja, dazu gehört etwas Glück, dass es nicht zu heftig wird, aber manchmal hat man das ja) Regenstunden, Sonne, überall Blüten und Früchte... Mehr geht ja eigentlich nicht.

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